Nordische Filmtage 2021 – Endlich wieder mit Publikum

Es ist eine ganz besondere Vorfreude: Nach einer rein virtuellen Runde im vergangenen Jahr kehren die Nordischen Filmtage 2021 vom 3. bis zum 7. November endlich wieder in die Lübecker Kinos zurück. Am vergangenen Mittwoch stellten der neue künstlerische Leiter Thomas Hailer sowie die kaufmännische Geschäftsführerin Susanne Kasimir das Programm vor – und das hat es wirklich in sich! 

1956 fanden die Nordischen Filmtage das erste Mal statt, damals noch vom Lübecker Filmclub organisiert. 1971 wurde das Festival dann in eine städtische Trägerschaft übernommen. Bis heute ist es das einzige Festival in Europa, dass sich ausschließlich auf Filme aus dem Norden und Nordosten Europas spezialisiert hat. Damit sind die skandinavischen Länder Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island gemeint, sowie die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Fünf Tage lang werden die neuesten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme gezeigt, und die gleichbleibend hohe Qualität ist immer wieder überraschend. 

Eröffnet wird das Festival in diesem Jahr mit der isländischen Produktion COP SECRET, bei der kein Geringerer als der (inzwischen ehemalige) Torhüter der isländischen Fussball-Nationalmannschaft Hannes Þór Halldórsson sein Regiedebüt gibt. Der Film parodiert das Polizei-Thriller-Genre und zelebriert dennoch die Action. Zur Premiere in Lübeck angekündigt haben sich der Regisseur Hannes Þór Halldórsson, die Produzentin Lilja Ósk Snorradóttir (Pegasus Pictures) sowie der Schauspieler und Ko-Autor, Sverrir Þór Sverrisson, in Island auch als Comedian unter seinem Bühnennamen „Sveppi“ bekannt und bereits mehrfach in Lübeck zu Gast. 

Insgesamt werden 130 Filme in 270 Vorführungen gezeigt. Im Wettbewerb der Spielfilme gibt es 14 Produktionen zu sehen, darunter auch das etwas skurril anmutende Genre-Highlight LAMB von Valdimar Jóhannsson mit Noomi Rapace und Hilmir Snær Guðnason als Farmer, für die ein neugeborenes Lamm zu einer Art Kindesersatz wird – die nordische Mythologie lässt grüßen.

Außerdem im Wettbewerb zu sehen ist MARGARETE – QUEEN OF THE NORTH über die nordische Herrscherin, die 1402 Dänemark, Norwegen und Schweden in einem friedensorientierten Verbund zusammengeführt hat. In der Hauptrolle zu sehen ist Trine Dyrholm, der in diesem Jahr zudem die Festival-Hommage gewidmet ist. Gezeigt werden fünf ihrer besten Filme und natürlich wird Dyrholm auch in Lübeck zugegen sein. 

In der Retrospektive mit dem Titel „Sing a Song!“ zeigen die Nordischen Filmtage Popmusik und ‑musicals aus den Teilnehmerländern, darunter Knaller wie ABBA – DER FILM (1977) oder die romantische dänische Komödie VERLIEBT IN KOPENHAGEN aus dem Jahre 1960. Zu Letzterem hat sich sogar die Schlager-Ikone Siw Malmkvist angekündigt, die trotz ihres hohen Alters die Reise nach Lübeck antreten wird.

Mit dem Filmforum wird zudem ein Blick auf das filmische Schaffen in Norddeutschland gelegt. Darunter solch eindrucksvolle Filme wie NIEMAND IST BEI DEN KÄLBERN von Sabrina Sarabi mit einer überragenden Saskia Rosendahl in der Hauptrolle. Der Film, der bereits beim Filmfest Hamburg zu sehen war, erzählt die Geschichte einer jungen Frau auf dem Land, die irgendwie den Absprung nicht geschafft hat und nun aus lauter Frust versucht herauszufinden, wohin sie mir ihrem Leben eigentlich will. Was Rosendahl hier mit bloßer Mimik, Körpersprache und Blicken zum Ausdruck bringt, ist phänomenal und hat ihr zu Recht den Darstellerpreis in Locarno verschafft.

Auch dem Serien-Bereich widmen die Nordischen Filmtage immer wieder eine besondere Aufmerksamkeit. Insgesamt sieben neue Produktion werden in diesem Segment gezeigt. Aus Norwegen gibt es beispielsweise WELCOME TO UTMARK zu sehen. Regie hat hier Dagur Kári geführt, mit dem ich bereits 2015 über seinen Film VIRGIN MOUNTAIN sprechen konnte.

Ebenfalls ein alter Bekannter in Lübeck ist der Regisseur Baldvin Zophoníasson, dessen unfassbar starke Filme LIFE IN A FISHBOWL (2014) und LET ME FALL (2018) hier zu sehen waren. Jetzt kehrt Zophoníasson mit zwei Episoden seiner Serie JOURNEY zurück. Ich bin zutiefst gespannt, schließlich zählt er zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren aus Island. 

Im Gegensatz zu anderen Festivals haben die Nordischen Filmtage aber zum Glück begriffen, dass die rein virtuelle Ausgabe im vergangenen Jahr nicht nur negativ zu betrachten ist. Vielmehr hat das Streaming dem Festival viele neue Besucher aus ganz Europa beschert, die vermutlich auch in diesem Jahr nicht in die Hansestadt reisen werden. Daher werden auch in diesem Jahr so gut wie alle Filme (109 von 130, Stand 12.10.21) auch via Stream deutschlandweit zu sehen sein. Ich halte das für eine gute und vor allem richtige Entscheidung!

All das spricht dafür, dass die Nordischen Filmtage 2021 erneut ein unvergessliches Festival werden. Ich werde aller Voraussicht nach wieder aus Lübeck berichten und freue mich auf viele starke Filme, interessante Menschen und tolle Gespräche.

Die Nordischen Filmtage Lübeck im Überblick

Festivaldatum: 3. bis 7. November 2021

Anzahl der Filme: 133
Anzahl Kinovorführungen: 270
Anzahl der Filme im Stream: 109

Anzahl der Filme nach Sektionen:
Wettbewerb Spielfilm: 14
Wettbewerb Dokumentarfilm: 14
Nordic Shorts: 21
Filmforum: 32
Kinder- und Jugendfilme: 21
Serien: 7
Retrospektive: 19
Hommage Trine Dyrholm: 5

Zehn Filmpreise im Wert von 58.000 EUR
Ehrung an Trine Dyrholm (Hommage) im Rahmen der Eröffnung

Festivalspielstätten:
CineStar Filmpalast Stadthalle (Mühlenbrücke 11)
CineStar Lübeck – Das Filmhaus (Königstr. 38-40)
Kollosseum zu Lübeck (Kronsforder Allee 25)
Koki – Kommunales Kino Lübeck (Mengstr. 35)

Karten erhältlich ab dem 30.10.2021 im CineStar Filmpalast Stadthalle oder online unter nordische-filmtage.de.

Im Rahmen der Berichterstattung

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