In seinem Dokumentarfilm VOM TRAUM, UNSINKBAR ZU SEIN macht sich Tom Fröhlich auf die Suche nach den vielen Schiffen der ehemaligen DDR-Hochseefischereiflotte…
Zu ihrer Blütezeit umfasste die Flotte der DDR-Hochseefischerei über 100 Schiffe und beschäftigte mehr als 4.000 Seeleute – die größte, die je unter deutscher Flagge fuhr. In den 40 Jahren ihres Bestehens ging kein einziges Schiff verloren, doch nach der Wende wurde das VEB Fischkombinat abgewickelt und die Kutter verkauft oder verschrottet. Heute existieren nur noch wenige dieser stählernen Kolosse.
Der Rostocker Dokumentarfilmer Tom Fröhlich hat vier davon aufgespürt: Vor Grönland ist die „Seefuchs“ immer noch als Fangschiff im Einsatz. In einem spanischen Hafen liegt die ehemalige „Fornax“ mit neuem Anstrich dauerhaft an der Kette, da sie für den Drogenschmuggel zwischen Afrika und Asien genutzt wurde. Ein weiteres Schiff wartet auf einem dänischen Schrottplatz auf sein Ende, und in Hamburg liegt die MS Stubnitz vor Anker und wird als Kulturort für Veranstaltungen und Konzerte genutzt.
Zusammen mit Charlie Hübner als Erzähler zeichnet Fröhlich den Weg dieser Schiffe nach, liefert Hintergrundinfos in Tabellenform und lässt aktuelle und einige ehemalige Besatzungsmitglieder zu Wort kommen. Das ist zwar durchaus interessant, auf Dauer aber auch ermüdend. In einigen Punkten verliert sich VOM TRAUM, UNSINKBAR ZU SEIN in zu vielen Details, an anderer Stelle erwähnt er durchaus für Laien interessante Aspekte nur in Nebensätzen. Mir war beispielsweise überhaupt nicht bewusst, dass die DDR über eine derart große Flotte verfügte und sich deren Reichweite bis in die Tiefen des Nordatlantiks erstreckte. Auf die Frage, wie die Stasi mit den Seemännern umging, die durchaus in den USA, Kanada oder Schottland Landgänge machen durften, und ob es Fluchtversuche gab, geht der Film leider überhaupt nicht ein. Hier hätte ich mir zumindest eine kleine Exkursion gewünscht.
Ansonsten ist VOM TRAUM, UNSINKBAR ZU SEIN natürlich ein wertvolles Zeitdokument, und die aufgespürten Schiffe zeugen von den unterschiedlichsten Werdegängen nach der Wende. Trotzdem wirken die vier Geschichten eher lose aneinandergereiht als zu einem Gesamtbild verbunden. Hinzu kommt, dass es für viele historische Ereignisse kein Bildmaterial gibt und der Film dann immer auf lange, leere Schiffsgänge, das offene Meer oder anderes Füllmaterial zurückgreift.
Dass der Film trotzdem interessant bleibt, ist der Tatsache geschuldet, dass diese vier Schiffe zwischen dem Ende der DDR und heute solch unterschiedliche Entwicklungen genommen haben. Genau das macht VOM TRAUM, UNSINKBAR ZU SEIN historisch gesehen zwar hochgradig relevant, aber vermutlich überwiegend für „maritimophile“ Menschen interessant.
Vom Traum, unsinkbar zu sein (Deutschland 2025)
91 Minuten
Dokumentation
Tom Fröhlich
Tom Fröhlich
Michael “Midge” Throne, Anton Yaremchuk, Jörg Junge
jip film & verleih GbR