Eddington

20.11.2025

Der US-amerikanische Regisseur Ari Aster ist ein Mann der Extreme. In „Hereditary – Das Vermächtnis“ (2018) und „Midsommar“ (2019) reizte er das Horrorfilm-Genre bis zum Äußersten aus, und „Beau Is Afraid“ entpuppte sich als ein dreistündiger kafkaesker Albtraum. Sein vierter Film EDDINGTON ist eine schamlos überdrehte und völlig absurde Groteske, eine bizarre Mischung aus schwarzer Komödie und Neo-Western.

Der Film spielt im Frühjahr 2020 in der verschlafenen Kleinstadt Eddington in New Mexico – also während der ersten Welle der Corona- Pandemie. Der Covid-19-Lockdown har des Leben in dem staubigen Kaff zum Erliegen gebracht. Während Bürgermeister Ted Garcia (Pedro Pascal, „Was ist Liebe wert – Materialists“) streng darauf achtet, dass alle Regeln befolgt werden, sieht das Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix, „Joker“) eher locker und wettert gegen die staatlichen Interventionen – und vor allem gegen die nervige Maskenpflicht.

Cross ist geplagt mit seiner depressiven Ehefrau Louise (Emma Stone, „Poor Things“) und seiner aufdringlichen Schwiegermutter Dawn (Deirdre O’Connell), die sich in seinem Haus eingenistet hat und ihm ständig neue Verschwörungstheorien auftischt. Besonders die Thesen des Social-Media-Gurus Vernon Jefferson Peak (Austin Butler, „Elvis“) haben es ihr angetan.

Als Joe Cross wegen seines Asthmas wieder mal den Supermarkt ohne Maske betritt und vom Marktleiter angemacht wird, reißt ihm die Geduld: Für die anstehende Bürgermeisterwahl lässt er sich als Gegenkandidat aufstellen – und sucht den offenen Kampf mit Ted Garcia. Was ihn am meisten wurmt: Seine Frau Louise hatte vor Jahren eine Affäre mit Ted.

Die Reaktionen auf die Tötung von George Floyd im fernen Minneapolis machen auch vor Eddington nicht halt – und so muss sich der Sheriff auch noch mit „Black Lives Matter“-Demos in seiner Kleinstadt herumplagen. Der Streit eskaliert, als Joe bei einer Wahlparty seinen Widersacher Ted in aller Öffentlichkeit ohrfeigt. Und dann geschieht ein Mord…

Was dann passiert, sollte man als Autor nicht vorwegnehmen. In zynischer Ari-Aster-Manier versinkt die Kleinstadt im Chaos und Blut. Was als durchgeknallte Corona-Satire begann, endet in einem Schlachtfeld. Der Regisseur macht vor keinem noch so absurdem Twist halt – die Handlung schlägt eine Volte nach der anderen.

Und genau hier setzt meine Kritik ein: Regisseur Ari Aster, der auch das Drehbuch schrieb, wollte in den 150 (!) Minuten von EDDINGTON einfach zu viel. Aus Angst, wichtige Themen wegzulassen, überfrachtete er das fertige Produkt bis zum Gehtnichtmehr – mit dem Ergebnis, dass der Film mittendrin gelegentlich durchhängt. Leider ist EDDINGTON nach den drei Vorgängern nicht der erwartete große Wurf!

Trailer

ab16

Originaltitel

(USA / Finnland 2025)

Länge

150 Minuten

Genre

Komödie / Thriller / Western

Regie

Ari Aster

Drehbuch

Ari Aster

Kamera / Bildgestaltung

Darius Khondji

Darsteller

Joaquin Phoenix, Deirdre O’Connell, Emma Stone, Micheal Ward, Pedro Pascal, Cameron Mannm Matt Gomez Hidaka, Luke Grimes, Amélie Hoeferle, Clifton Collins Jr., William Belleau, Austin Butler, Landall Gools

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Filmwebsite

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