Im finnischen Überraschungshit „Sisu“ massakrierte der ehemalige Soldat Aatami Korpi (Jorma Tommila) Nazis. In der Fortsetzung SISU: ROAD TO REVENGE bekommen russische Soldaten seine gewaltige, blutrünstige Wut zu spüren. Harte Genrekost mit Witz, von Jalmari Helander stilsicher inszeniert.
Manche sagen, die Finnen spinnen! Das trifft sicherlich auch auf SISU: ROAD TO REVENGE zu, der einerseits ein kompromisslos harter Actionreißer ist, andererseits aber auch makaber witzig ist. Die Lacher im Publikum sind zahlreicher als bei vielen Komödien, die dieser Tage überhaupt noch im Kino laufen. Und Finnland hat versierte Genre-Experten wie Regisseur und Drehbuchautor Jalmari Helander („Rare Exports“), die in der deutschen Filmszene so selten sind wie die besagte Nadel im Heuhaufen.
„Sisu“ war mit über 180.000 verkauften Kinotickets einer der besucherstärksten Filme des Jahres 2023 in Finnland und hatte dort neun Jussi-Nominierungen erhalten. Eine Fortsetzung war also nur eine Frage der Zeit, zumal der Actionkracher sogar in den den Vereinigten Staaten recht erfolgreich lief. Und nun ist es soweit: Der legendäre finnische Ex-Soldat Aatami kehrt in das Haus zurück, in dem seine Familie während des Zweiten Weltkriegs von der Roten Armee ermordet wurde. Er zerlegt es in seine Einzelteile, lädt es auf einen Lastwagen und möchte es seiner Familie zu Ehren an einem sicheren Ort wieder aufbauen.
Aatami setzt sich also ans Lenkrad seines Brummis, die Ladefläche voll mit den Holzbalken seines Hauses. Als Begleiter hat er einen süßen weißen Pudel dabei, der gesprächiger ist als sein Herrchen. Die karge Landschaft zwischen Finnland und der Sowjetunion (gedreht wurde in Estland) liefert Endzeit-Vibes – und vor allem die erste Hälfte von SISU: ROAD TO REVENGE erinnert stark an die „Mad Max“-Saga. Bei einer Verfolgungsjagd quer durchs Land hat Aatami den verantwortlichen Kommandanten der Roten Armee, Yeagor Draganov (Stephen Lang aus „Don‘t Breathe“), stets an seinen Fersen, der ebenso auf Vergeltung aus ist.
Der Vorspann von SISU: ROAD TO REVENGE verrät: Sisu ist ein finnisches Wort, das sich nicht wirklich übersetzen lässt. Es meint eine aufregende, aber auch furchteinflößende Form von Mut und unvorstellbarer Entschlossenheit. Sisu manifestiert sich, wenn alle Hoffnung verloren ist. Rache ist also Blutwurst! Jorma Tommila glänzt wieder als schweigsamer, kampferprobter (Anti-)Held, der immer eine harte Antwort parat hat auf alles, was Widersacher Draganov ihm entgegenbringt. Zu Wasser, zu Land und in der Luft werden wirklich brutale Kämpfe ausgetragen, die stets von fieser Komik flankiert werden.
Selbst Nicht-Genre-Fans sitzen gebannt vor der Leinwand bei dieser wirklich vor Gewalt strotzenden Blutorgie, über deren politische Fragwürdigkeit kaum ein Gedanke aufkommt, da der erlösende Comic Relief einfach auch an jeder Ecke lauert. Der starke „Mad Max“-Look wird in SISU: ROAD TO REVENGE zunehmend ergänzt durch Western-Elemente. Der finnische Filmemacher Jalmari Helander und auch sein Kameramann Mika Orasmaa haben definitiv ihre Hausaufgaben gemacht.
Ebenso beherzigen die Finnen eine weitere Tugend: In der Kürze liegt die Würze! Aber genug Kalauer für heute. SISU: ROAD TO REVENGE ist zwar nichts für zart besaitete Gemüter, aber alle Anderen werden in knackigen 88 Minuten gut unterhalten.
Sisu: Road to Revenge (Großbritannien / Finnland / USA 2025)
90 Minuten
Action
Jalmari Helander
Jalmari Helander
Mika Orasmaa
Jorma Tommila, Stephen Lang, Richard Brake
Sony Pictures Releasing GmbH