Keeper

20.11.2025

Ein Paar, ein Wochenende, eine Hütte im Wald – das sind typische Versatzstücke eines Horrorfilms. Doch was Osgood Perkins daraus in KEEPER macht, ist eher untypisch…

Seit gut einem Jahr sind die Künstlerin Liz (Tatiana Maslany) und der Arzt Malcolm (Rossif Sutherland) ein Paar. Ein guter Grund, sich für ein Wochenende in eine einsam gelegene Hütte im Wald zurückzuziehen, die sich bereits lange im Besitz von Malcoms Familie befindet. Dort angekommen muss Liz feststellen, dass direkt nebenan Malcoms extrem unsympathischer Cousin Darren (Birkett Turton) wohnt, der gleich am ersten Abend mit seiner Model-Freundin Minka (Eden Weiss) vorbeischaut und für reichlich Unbehagen sorgt. Doch damit nicht genug: Auf dem Tisch steht ein Schokoladenkuchen in einer Geschenkverpackung, der angeblich vom Hausmeister stammt und laut Minka „wie Scheiße“ schmeckt. Kaum sind die unliebsamen Gäste wieder verschwunden, nimmt Liz immer wieder ungewöhnliche Merkwürdigkeiten wahr, die sich noch verstärken, als Malcolm am Folgetag wegen einer Patientin in die Stadt gerufen wird. Allein in der fremden Umgebung werden aus den kleinen Ungereimten plötzlich echte Visionen, und Liz beginnt zu realisieren, das hier irgendetwas im Argen ist…

Eine Hütte im Wald, eigenartige Vorgänge, dunkle Mächte: Gefühlt sind das die Zutaten bei jedem zweiten Horrorfilm. Ist KEEPER von Osgood Perkins jetzt ein weiterer Vertreter der immerselben Geschichte? Das könnte man meinen, aber wenn man seine bisherigen Filme „Longlegs“ und „The Monkey“ kennt, dann weiß man, das Perkins seine ganz eigene Herangehensweise an das Thema Horrorfilm hat. In seinen Filmen entfaltet sich das Grauen in kleinen, langsamen Schritten, und so müssen wir lange warten, bis sich der Film überhaupt in Richtung Horror bewegt.

Auch die Location selbst ist nicht mit den typischen Hütten wie in „Cabin in the Woods“ oder „Evil Dead“ vergleichbar. Statt rustikaler Minimalausstattung geht es in KEEPER schon eher in Richtung Designer-Hütte. Bodentiefe Fenster, großzügige Raumnutzung über mehrere Etagen und feinste Möbel – der Luxus lässt grüßen. Doch Perkins und sein Kameramann Jeremy Cox konterkarieren dies mit ungewöhnlichen Kamerawinkeln, die bei uns Zuschauern für Unbehagen sorgen, obwohl dort eigentlich nichts zu sehen ist. In der Fachsprache nennt man das „Elevated Horror“, wenn Filmemacher durch künstlerische Mittel Unbehagen hervorrufen, ohne dabei auf genre-typische Jump-Scares zu setzen.

Doch damit nicht genug: Gerade wenn wir glauben, die Geschichte verstanden zu haben, ändert Perkins die Vorzeichen und überrascht uns auf ganzer Linie. Und da es ein Frevel wäre, darauf genauer einzugehen, schließe ich die Filmbesprechung an dieser Stelle ab. Nur soviel sei noch gesagt: Osgood Perkins lässt uns lange im Dunkeln, welche Art von Horror uns in KEEPER überhaupt erwartet, doch am Ende können wir zumindest sagen, dass die spezielle Herangehensweise an das Thema außergewöhnlich ist. Das wird sicherlich nicht jedermanns Sache sein, aber zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden.

Trailer

ab16

Originaltitel

Keeper (USA 2025)

Länge

99 Minuten

Genre

Horror

Regie

Osgood Perkins

Drehbuch

Nick Lepard

Kamera / Bildgestaltung

Jeremy Cox

Darsteller

Tatiana Maslany, Rossif Sutherland, Claire Friesen, Christin Park, Erin Boyes, Tess Degenstein, Birkett Turton, Eden Weiss,

Verleih

DCM Film Distribution GmbH

Filmwebsite

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