Interview mit Simon Pegg

Wie sehr hat Ihnen die Schauspielerei dabei geholfen, mit ihrem inneren Kind Kontakt zu halten?

Ein bischen bestimmt. Obwohl man doch nur so tut als ob. Einige Schauspieler erzählen bestimmt, dass es doch nur etwas grässlich Künstliches ist und mitunter mag das auch stimmen. Machmal ist es aber schwierig, wenn man Gefühle nachahmen muss, die schwierig sind., wie z.B. Angst oder selbst Liebe, denn Dein Körper ist verwirrt und fragt sich, ob er jetzt in diese Person verliebt ist oder diese Person dich jetzt töten will. Das kann sehr ermüdend sein, aber im Allgemeinen ist Schauspielerei nur ein Spiel und das macht Spaß.

Hat Ihnen die Figur des Hector gefallen oder war es schwierig, sich in diese Rolle zu versetzen?

Nun, er ist um einiges schwieriger als die Charaktere, die ich vorher gespielt habe. Bislang war ich mehr das ewige Kind, bzw. derjenige, der partout nicht erwachsen werden kann. So waren es z.B. in SHAUN OF THE DEAD oder THE WORLD’S END Figuren, die sich verzweifelt an ihrer Kindheit festgeklammert haben und das in einer äußerst kränklichen Art und Weise. Hector hingegen hat seine Kindheit ausgesperrt, vermutlich bereits im Alter von zehn Jahren, und hat seitdem nicht zurück geblickt. Daher ist er nicht in der Lage, ein Kind zu sein. Aus diesem Grund war die Rolle interessant, obwohl ich ihn zuerst nicht wirklich mochte. Er ist in gewissem Sinne abgeriegelt und das lässt ihn ein wenig kalt und unerreichbar erscheinen. Ich glaube aber, dass er das weiß und dass es noch einen Funken Güte in ihm gibt. Er erkennt, dass er ein Problem hat. Der erste Schritt, um ein Problem zu lösen, ist zu verstehen, das man eines hat. Hector erkennt zumindest, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Aber er bekommt es nicht auf die Reihe. Das erste, was er tut, ist beinahe seine Freundin zu betrügen und man denkt sich dabei „Ach Mensch, das ist doch nun wirklich nicht der Weg zum Glücklichsein“. Aber letztendlich mochte ich ihn sehr. Er begibt sich auf eine Reise und er lernt etwas dabei.

Haben Sie das Besuch gelesen, bevor das Angebot kam?

Nein. Als das Angebot kam, hatte ich das Gefühl, mir die Geschichte als Drehbuch anzuschauen und nicht als Roman. Manchmal ist es schwierig, wenn Du das Buch gelesen hast und dann das Drehbuch, weil Du dich vielleicht an Elemente des Romans klammerst, die im Drehbuch gar nicht mehr vorkommen. So war es besser sich nicht an Elemente zu gewöhnen, die es später vielleicht gar nicht mehr gibt. Daher habe ich das Buch nicht gelesen.

Wovor haben Sie Angst?

Vor alle den großen Dingen wie Tod, Menschen oder eben die Dinge zu verlieren, die mich glücklich machen. Wobei ich vor dem Tod vielleicht gar nicht so viel Angst habe, denn der wirkt sich viel mehr auf die Menschen aus, die zurückbleiben, als auf Dich selbst. Es sei denn, man wird von Tigern auseinander gerissen. (lacht)

Agnes sagt im Film, dass die größte Angst, die sie hat, ist, dass alles irgendwann verschwindet. Ich glaube davor habe ich auch Angst. Momentan bin ich sowohl im Job als auch zu Hause sehr sehr glücklich und der Gedanke, dass das einmal nicht mehr so sein könnte, ist sehr beängstigend. Ich hatte aber auch mal Angst vor Spinnen.

Wie haben Sie das überwunden?

Indem ich Frau und Tochter habe, die sie auch nicht mögen und indem ich der einzige im Haus bin, der sie beseitigen kann. Und dadurch, dass ich auf dem Land lebe, wo sie die Größe von Kleinwagen haben. Da muss man dann einfach seinen Mann stehen und sich selbst sagen: „Moment mal, das ist doch nur so ein kleines Ding. Das ist in Ordnung. Es wird mich schließlich nicht verschlingen.“

„Hector“ ist Ihre bislang ernsteste Rolle und zugleich Ihre bislang beste Darstellung. Können Sie sich vorstellen, in Zukunft mehr ernste Rollen zu spielen?

Oh danke. Ich würde das sehr gerne und habe das auch irgendwie auch als eine Art der Möglichkeit gesehen. Es ist schwierig, wenn man so viel Comedy macht, weil einen die Menschen dann nicht ernst nehmen können, denn das was Du tust ist von Natur aus nicht ernst – es ist Comedy. Das ist für mich eine Chance um zu zeigen, dass ich vielleicht auch in der Lage bin, etwas ernsteres zu spielen. Ich würde es gerne machen, wenn die Leute mich lassen. Manchmal wollen die Menschen das aber nicht sehen und sagen „Mach das nicht“!

Wenn Sie die Comedy nicht aufgeben, wie steht es denn um einen neuen Film mit Nick Frost? Ist da irgendetwas in Planung?

Absolut. Aber auch das könnte es ernstes werden, wer weiß…

Viele Menschen wissen nicht, dass Nick mein bester Freund ist und wir uns immerzu sehen. Wir hängen zusammen rum und es ist okay, wenn wir nicht unbedingt einen neuen Film zusammen machen. Das ist kein Problem, denn wir sehen uns trotzdem ständig. Aber ich will mit Nick wieder zusammenarbeiten und Edgar Wright und ich wollen definitiv wieder zusammen etwas schreiben. Das wird also in den nächsten, sagen wir mal 5 Jahren passieren.

Vielleicht eine neuen Trilogie?

Vielleicht. Aber vielleicht auch nur ein alleinstehender Film. Wir haben in den letzten zehn Jahren drei Filme zusammen gemacht, also habe wir in den kommenden zwanzig oder dreissig Jahren noch die Möglichkeit, zusammen Filme zu machen. Das macht mindestens neun Filme.

Haben Sie nicht sogar vier Filme mit Nick gedreht?

Stimmt, wir haben ja auch noch Paul gedreht. Wir können also noch mindestens zwölf weitere Filme drehen, bevor wir abkratzen.

Welche Filme in der Geschichte des Films habe Sie am meisten beeinflusst?

Als Drehbuchautor war das sicherlich RAISING ARIZONA von den Coen Brothers. Aber wahrscheinlich auch als Filmemacher, denn der Film hat mir gezeigt, dass bei einer Komödie nicht nur das Drehbuch lustig sein muss. Das kann auch die Art sein, wie sich die Kamera bewegt oder der Stil der Performance. Comedy bedeutet nicht nur, eine Kamera auf lustige Menschen zu halten, sondern viel, viel mehr.

Als Schauspieler oder Filmliebhaber würde ich zu den populären Filmen der 70er Jahre zurückgehen. STAR WARS und RAIDERS haben mich dazu gebracht, den Film und das Kino zu lieben, das ich selbst auch machen wollte, so wie STAR TREK oder MISSION IMPOSSIBLE. Aber genauso mag ich auch die Filme von Woody Allen oder Martin Scorsese. Es gibt viele, viele Film, die mich inspiriert haben.

Es gab mal eine Zeit, in der Sie ein Bett mit Nick Frost geteilt haben. Was sind ihre Erinnerungen daran?

Sich unbehaglich fühlen? (lacht) Nein, nicht körperlich unbehaglich, sondern vielmehr der Raummangel war das Problem. Ich habe es immer als angenehm empfunden, ein Bett mit ihm zu teilen. Das war kein Problem. Da gab es keine Angst vor Homophobie, falls wir uns verliebt hätten, denn wir hatten uns bereits verliebt. (lacht)


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