Coyote vs. ACME

17.09.2026

Wie heißt es doch so schön: Totgesagte leben länger. Eigentlich wollte Warner Bros. die 70 Millionen US-Dollar teure Hybrid-Komödie COYOTE VS. ACME im Giftschrank belassen und als steuerliche Abschreibung geltend machen. Doch da hat das Studio die Rechnung ohne die Fans gemacht…

Wile E. Coyote hat die Faxen dicke. Warum muss er immer der Gelackmeierte sein, wenn es um seine Jagd auf den Roadrunner geht? Explodierende Raketenrucksäcke, fehlerhafte Riesenmagnete und Ambosse, die wieder und wieder auf seinem Kopf landen. Es reicht! Daher entschließt er sich, die Firma ACME (A Company Makes Everything), die hinter all den angeblich so hilfreichen Produkten steckt, zu verklagen. Dummerweise landet er ausgerechnet in der Kanzlei des glücklosen, aber immerhin herzensguten Anwalts Kevin Avery (Will Forte) und seiner Assistentin und Nichte Paige (Lana Condor). Etwas zögerlich nehmen sie den Fall an, der sich schnell zu einem absoluten Medienspektakel entwickelt. Doch auch die Gegenseite in Gestalt des Anwalts Buddy Crane (John Cena) fährt immer größeres Geschütze auf uund zieht sämtliche Register der gnadenlosen Konzernlogik. Wer wird am Ende das Rennen machen?

Das Verhalten von Warner Bros. ist nur schwer nachzuvollziehen. Da produziert man mit COYOTE VS. ACME einen 70 Millionen US-$ teuren Film, nur um ihn dann verschwinden zu lassen und als steuerliche Abschreibung zu nutzen. Bereits 2022 machte das Studio das Gleiche mit „Batgirl“. Die Verfilmung mit Leslie Grace in der Hauptrolle, in der sogar Michael Keaton als Batman zurückkehren und Brendan Fraser den Bösewicht Firefly spielen sollte, wurde komplett abgeschrieben, darf aus rechtlichen und steuerlichen Gründen niemals veröffentlicht werden und bleibt unter Verschluss. Ein absolutes Unding gegenüber den Filmschaffenden, die daran beteiligt waren, vor allem weil der Film komplett abgedreht war und sich bereits in der Postproduktion befand.

Mit COYOTE VS. ACME verhielt es sich anfangs ähnlich. Dabei sollte die steuerliche Ersparnis für Warner Bros. mit 30 Millionen US-$ weniger als die Hälfte der Produktionskosten betragen. Regisseur Dave Green und Hauptdarsteller Will Forte erfuhren eigenen Angaben zufolge recht spät von der Entscheidung und äußerten öffentlich ihr Unverständnis. Nach und nach brachten immer mehr Filmschaffende ihren Unmut zur Sprache, darunter auch Regisseure wie Phil Lord und Christopher Miller („Spider-Man: Into the Spider-Verse“). Einige Filmemacher sagten aus Protest sogar Meetings mit Warner Bros. ab.

Aufgrund des PR-Desasters lenkte das US-Studio schließlich ein und stimmte zu, COYOTE VS. ACME anderen Käufern anzubieten. Dabei pokerte Warner Bros. hoch und verlangte eine utopische Summe von 70 bis 80 Millionen US-$. Beinahe drohte dadurch erneut die Vernichtung des Films, doch im März gelang nach zähen Verhandlungen dann doch noch die Einigung mit dem unabhängigen US-Verleih Ketchup Entertainment, der die weltweiten Rechte für geschätzte 50 Millionen US-$ erwarb. In Deutschland sicherte sich Capelight Pictures die Rechte, so dass wir COYOTE VS. ACME tatsächlich noch auf der großen Leinwand genießen können.

Und siehe da: COYOTE VS. ACME entpuppt sich tatsächlich als ein urkomischer Hybrid-Film, wie man ihn seit „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (1988) nicht mehr gesehen hat – vor allem, weil die Chemie zwischen Mensch und Animation wunderbar funktioniert. Regisseur Dave Green und seinem Team ist es gelungen, die Cartoon-Figuren nahezu perfekt in die Handlung einzubauen. Wenn Daffy Duck im Zeugenstand schier verzweifelt, Bugs Bunny als geheimer Informant auftaucht und der Tasmanische Teufel tatsächlich die PR-Abteilung von ACME leitet, dann sorgt das nicht nur für unzählige Lacher, sondern auch für Bewunderung.

Und wer jetzt glaubt, COYOTE VS. ACME sei ein reiner Kinderfilm, der irrt gewaltig. Denn dem Film gelingt es, die Absurditäten von Großkonzernen so aufs Korn zu nehmen, dass wir erschreckend oft an die Realität erinnert werden. ACME stellt nicht nur alles Erdenkliche her, sondern kontrolliert sogar die Politik. Ach, und natürlich wälzt der Konzern alle auftretenden Fehler auf die Konsumenten ab und fühlt sich in gar keiner Weise verantwortlich.

Es ist ein absoluter Segen, dass COYOTE VS. ACME doch noch das Licht der Kinosäle erobern darf. Mit einer immensen Gagdichte, unfassbar viel Herz und jeder Menge Easter Eggs für die Fans ist COYOTE VS. ACME ein Film, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Es sei denn, man wohnt im tiefsten Keller, hat das Lachen verlernt und versteht unter Spaß bloß eine steuerliche Abschreibung.

Trailer

ab6

Originaltitel

Coyote vs. ACME (USA 2026)

Länge

103 Minuten

Genre

Abenteuer / Animation / Komödie

Regie

Dave Green

Drehbuch

Sammy Burch

Story

James Gunn, Jeremy Slater, nach einem Artikel von Ian Frazier

Kamera / Bildgestaltung

Brandon Trost

Darsteller

Will Forte, Lana Condor, John Cena, Tone Bell, Martha Kelly, Luis Guzmán, P.J. Byrne, John Early, Nanca Linehan Charles, Kenneth Choi, Wile E. Coyote, Road Runner

Verleih

Capelight Pictures Gerlach Selms GbR

Filmwebsite

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