Passend zum Wetter in Deutschland ist DEAD OF WINTER – EISIGE STILLE ein Action- und Survival-Thriller, der im Schnee und auf dem Eis spielt. Blut, dass in den Schnee tropft, ist aber auch einfach immer wieder wunderbar anzuschauen. „Fargo“-Referenzen blitzen hier natürlich allenthalben auf. Und Emma Thompson fügt als toughe Action-Rentnerin ihrem großen Katalog an Rollen eine neue Facette hinzu.
Der britische Regisseur Brian Kirk („Middletown“, „21 Bridges“) will in seinem dritten Kino-Film irgendwie vieles erzählen, was nicht so richtig zusammenkommt: In der überladenen Geschichte von DEAD OF WINTER – EISIGE STILLE steht Barb (Emma Thompson) im Zentrum, die mit der Asche ihres verstorbenen Mannes Karl unterwegs ist, um diese in ein Eisloch auf einem abgeschiedenen See in Minnesota zu schütten, wo die beiden als junges Paar die glücklichste Zeit ihres Lebens beim Eisfischen hatten. In Rückblenden sehen wir weichgezeichnet die junge Barb (Gaia Wise; im echten Leben die Tochter von Emma Thompson) und den jungen Karl (Cúán Hosty-Blaney).
In der Abgeschiedenheit des nördlichen Minnesotas kreuzt sich der Weg von Barb mit einem Schurken-Paar: Der Hinterwäldler „Camo Jacket“ (Marc Menchaca) verschleppt eine junge Frau in eine verlassene Hütte – und hält sie dort im Keller gefangen! Barb schwört der Entführten, sie zu retten. Blöderweise wischt sie die Nachricht, die sie mit dem Finger auf das gefrorene Kellerfenster schreibt, nicht weg. Das merkt die „Purple Lady“ (Judy Greer) natürlich sofort, die als Komplizin und Ehefrau die Drahtzieherin der Entführung ist. Sie ist schwer krank – und braucht dringend ein Spenderorgan! Das Mädchen kennt sie aus der Klinik, wo sie gearbeitet hat. Leah ist lebensmüde und hat mehrere Suizidversuche unternommen. Eine günstige Gelegenheit also.
Tief in der Wildnis, ohne Handyempfang und Meilen entfernt von jeglicher Zivilisation hört dich ja auch erstmal keiner schreien. Außerdem hat das Killer-Couple in DEAD OF WINTER – EISIGE STILLE alles präzise durchgeplant: Sie wollen auf dem gefrorenen See ein Zelt errichten, wo die Schurkin dann die Operation höchstselbst durchführt (anscheinend hat sie das Wissen im Krankenhausalltag aufgeschnappt). Danach verschwinden die Beweise im See. Nun ist aber Barb als Zeugin vor Ort, die wirklich alles daran setzt, Leah zu retten. Erstaunlich, wie einfallsreich die rüstige Rentnerin dabei vorgeht. Natürlich nicht ohne Verluste! Die Entführerin ist zwar ‘ne echte Bitch, aber Barb lässt sich nicht unterkriegen…
Die Fischerin Barb hat mit ihrem Mann Karl ein Geschäft für Angelbedarf betrieben, das Know-How setzt sie natürlich im Überlebenskampf in DEAD OF WINTER – EISIGE STILLE gegen das skrupellose Entführer-Pärchen und die tödliche Kälte Minnesotas ein. In Rückblenden erfahren wir von der schweren Krankheit und dem zusehenden Verfall von Karl. Doch in Gedanken ist ihr geliebter Ehemann immer bei Barb. Was hat sie jetzt noch zu verlieren? Der etwas überzogene Showdown findet dann auf dem riesigen, zugefrorenen See statt, hier ist die passionierte Eisfischerin Barb ganz in ihrem Element.
Einige Kolleg:innen hacken auf dem Thriller DEAD OF WINTER – EISIGE STILLE mit dem Eispickel herum! Warum nur? Okay, die etwas an den Haaren herbeigezogene, abstruse Geschichte rund um die Organtransplantation fügt sich nicht gerade glücklich in den Plot ein – und die Rückblenden sorgen dafür, dass sich die eigentlich nur 98-minütige amerikanisch-deutsche Koproduktion viel länger anfühlt. Aber ansonsten überzeugt der Film vor allem mit guten Darsteller:innen-Leistungen. Zuallererst muss hier natürlich die zweifache Oscar®-Preisträgerin Emma Thompson („Meine Stunden mit Leo“, „Late Night“) genannt werden, die auch ausführende Produzentin ist. So haben wir sie noch nicht gesehen! Auch Judy Greer („Jurassic World“, „Ant-Man“) ist als Schurkin durchaus überzeugend, Marc Menchaca („Ozark“, „Homeland“) ist halt Hinterwäldler (und macht das recht gut). Und die Newcomerin Laurel Marsden („Ms. Marvel“) ist wirklich eine echte Entdeckung!
Brian Kirk, der vor allem als Serienregisseur („Die Tudors“, die BBC-Miniserie „Große Erwartungen“, „Game of Thrones“) bekannt ist, liefert wenig überraschende, solide Genre-Kost ab, die uns Zuschauende mit den Figuren nicht so ganz warm werden lässt. Bei der eisigen Kälte Minnesotas ja auch gar nicht so einfach. Und „spannungsgeladen“ ist ein Zusatz bei diesem Thriller, der etwas übertrieben anmutet. Die okaye Filmmusik komponierte der Oscar®-Preisträger Volker Bertelmann, der sich seit „Im Westen nichts Neues“ über eine mangelnde Auftragslage nicht beklagen kann. Das Drehbuch von Nicholas Jacobson-Larson und Dalton Leeb ist nicht gerade preiswürdig.
Dead of Winter (USA / Deutschland / Kanada 2025)
98 Minuten
Action / Thriller
Brian Kirk
Nicholas Jacobson-Larson, Dalton Leeb
Christopher Ross
Emma Thompson, Judy Greer, Marc Menchaca, Laurel Marsden, Gaia Wise, Cúán Hosty-Blaney
Leonine Distribution GmbH