Dust Bunny

19.02.2026

Wer kennt das nicht? Als Kind nahm man Monster wahlweise unter dem Bett oder im Kleiderschrank wahr. Auch die kleine Aurora hat eine überbordende Fantasie. Ihre Pflegeeltern wollen ihr nicht glauben, dann sind sie plötzlich futsch! Waren das die Monster? Das Mädchen heuert den wortkargen Nachbarn an, der seine eigenen Monster bekämpft. Und Bryan Fuller liefert in seinem Kinodebüt DUST BUNNY einen visuellen Rausch ab, der seinesgleichen sucht.

Wir befinden uns in einem heruntergekommenen Wohnkomplex am Rande von New Yorks Chinatown (gedreht wurde allerdings im ungarischen Budapest) und werden Zeuge einer düsteren, surrealen Fabel aus der Perspektive der 10-jährigen Aurora (Sophie Sloan), die nach dem Verschwinden ihrer Pflegeeltern allein in der Wohnung haust. Anfangs sehen wir schön stilisierte Wollmäuse, die vor allem unordentliche Freunde und Bekannte aus ihren eigenen Behausungen kennen sollten. Doch hier nimmt er Hausstaub Formen an, wenn er sich bündelt. Doch sind das gleich Monster, die Menschen so einfach verschwinden lassen?

Nebenan wohnt ein vermeintlicher Auftragskiller (Mads Mikkelsen), dem Aurora heimlich durch die Stadt folgt. Als sie beobachtet, wie er ein drachenähnliches Wesen umbringt, kommt sie zu dem Schluss, dass er vielleicht der Einzige ist, der sie retten kann. Also hinterlässt sie ihm einen mit Wachsmalstiften gekritzelten Brief, dem sie gestohlenes Geld beilegt, mit dem sie ihn darum bittet, auch das Monster unter ihrem Bett zu töten. Das Geld hat sie aus der Kirche entwendet, eine Szene die aberwitzig anmutet, wie so vieles in DUST BUNNY.

Aurora glaubt wirklich, sich in Gefahr zu befinden. Das sind nicht ihre ersten Pflegeeltern gewesen. Irgendetwas geht da vor sich! Dem geheimnisvollen Nachbarn können wir in einer anderen aberwitzigen Szene dabei zusehen, wie er nach der Tötung des Drachens zurück in die Wohnanlage kommt: Er ist verletzt, das Blut tropft immer wieder auf den Boden. Er zieht seine Schuhe aus und wischt mit denen das Blut vom Boden. Immer und immer wieder. Als Aurora mit dem wortkargen Mann Kontakt aufnimmt, denken wir unweigerlich an „Léon – Der Profi“ von Luc Besson. Das ungleiche Duo in DUST BUNNY ist ein Wiedergänger von Jean Reno und Natalie Portman als Léon und Mathilda in dem französischen Thriller-Drama aus dem Jahr 1994.

Der mysteriöse Nachbar sagt nur widerwillig seine Dienste zu. Er vermutet, dass Auroras Eltern gar nicht von einem Fabelwesen gefressen, sondern Opfer eines Anschlags wurden, der eigentlich ihm galt. Getrieben von Schuld- und Verantwortungsgefühlen stellt er sich schließlich der Aufgabe, das Mädchen zu beschützen – und muss dabei erkennen, dass so manche Monster tatsächlich real sind. Mit Aurora geht wahrscheinlich die Vorstellungskraft durch: Schatten atmen, Tapeten bewegen sich, und unter ihrem Bett lauert ein Monster. Doch sobald ihr Nachbar dem Mädchen in DUST BUNNY Glauben schenkt, ist Aurora in der Lage, mit ihrem Monster umzugehen.

Der Nachbar aus der 5B steht in Diensten der dubiosen Laverne (Sigourney Weaver), die er zum Lunch trifft. Es bleibt also rätselhaft. Gemeinsam mit einer skeptischen Sozialarbeiterin, die eigentlich in der Wohnung nur nach dem Rechten schauen will, kämpfen Aurora und ihr Team ums Überleben – und stellen sich dabei einer ganzen Killer-Armee, außerdem einer Gestalt aus der Vergangenheit des Nachbarn – und einem bedrohlichen Wesen, das wohl alles andere als nur eingebildet ist.

Das Besondere an DUST BUNNY ist die visuelle Ausgestaltung. Filmemacher Bryan Fuller („Hannibal“, „Pushing Daisies“), der bisher vor allem als Schöpfer von Fernsehserien ablieferte, schafft hier eine traumartige Atmosphäre, in der Horror durch die Wahrnehmung eines Kindes gefiltert wird, wodurch selbst die verstörendsten Momente eine eigensinnige, bunte Unschuld behalten. Darstellerisch überzeugen Mads Mikkelsen („King‘s Land“, „Der Rausch“, „Therapie für Wikinger“) , die Newcomerin Sophie Sloan aus Schottland, die hier in ihrem internationalen Spielfilmdebüt zu sehen ist, und Sigourney Weaver („Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, „Gorillas im Nebel“), die 2024 auf dem 81. Filmfestival von Venedig mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde – und hier sichtlich Spaß vor der Kamera hat.

Unsere Kameraführung ist sehr stilisiert und elegant“, erklärt Kameradirektorin Nicole Whitaker. „Statt Handkameras einzusetzen, verwendeten wir Arri-Systeme und -objektive, weil sie einen prächtigen Farbraum und cremigen Hautton bieten.“ Dabei wurde jede Einstellung wie ein eigenes Kunstwerk behandelt – nie nur als funktionale Aufnahme, sondern als in sich geschlossene visuelle Aussage, die für sich stehen kann.

Als Drehort wurde die ungarische Hauptstadt Budapest gewählt: Die malerische Stadt in Mitteleuropa ist bekannt dafür, zahlreiche Hollywood-Produktionen mit beachtlichem Budget anzuziehen – dank ihrer attraktiven Drehorte, hochqualifizierten lokalen Teams, effizienter Steueranreize sowie der hohen Lebensqualität. Kulissen entstanden in den Astra Studios, während verschiedene Schauplätze in Budapest genutzt wurden, um die visuell spektakuläre Welt von DUST BUNNY weiter auszugestalten.

Bryan Fuller sagt selber zu seinem Kinodebüt: „DUST BUNNY erzählt von einem jungen Mädchen, das einen Auftragskiller engagiert, um das Monster unter ihrem Bett zu töten. Im Kern geht es dabei um dunkle Gefühle und die Frage danach, wie wir lernen können, mit ihnen umzugehen – und letztendlich mit ihnen zu leben. Eigentlich wünschte sich unsere Heldin Aurora sogar selbst, dass das Monster unter ihrem Bett ihre Eltern fressen würde“. „Sie waren nicht besonders nett zu mir“, ist die einzige Erklärung, die wir dafür von ihr erhalten. Und zu seinem eigenen Hintergrund äußert sich Fuller wie folgt: „Ich bin mit einem gewalttätigen Vater aufgewachsen und wäre als Junge durchaus zufrieden damit gewesen, wenn ein Monster ihn gefressen hätte.“

Als Märchen erkundet DUST BUNNY die Möglichkeit, was denn passiere, wenn einem Kind jener finstere Wunsch tatsächlich erfüllt würde – der Wunsch, einen Elternteil oder gleich beide ein für alle Mal loszuwerden – dann aber auch mit den Konsequenzen leben zu müssen. Bryan Fullers Kinodebüt offeriert sowohl Horror als auch Komik und jede Menge Action, ist dabei aber nicht wirklich stringent erzählt. Etwas Fantasie müssen wir Erwachsene wohl aufbringen bei den Bilderwelten, die auch Konstrukte aus einem Wes Anderson-Film sein könnten. Und vielleicht sollten wir den Kindern eher mal Glauben schenken, wenn sie uns etwas erzählen.

Trailer

ab16

Originaltitel

Dust Bunny (USA 2024)

Länge

107 Minuten

Genre

Horror / Thriller

Regie

Bryan Fuller

Drehbuch

Bryan Fuller

Kamera / Bildgestaltung

Nicole Whitaker

Darsteller

ads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver, David Dastmalchian, Rebecca Henderson, Sheila Atim

Verleih

DCM Film Distribution GmbH

Filmwebsite

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