Sie glauben an Engel, Herr Drowak?

19.02.2026

Deutschsprachiges Kino ist tot! Naja, da hätte jemand wohl dem schweizerischen Dokumentarfilmregisseur Nicolas Steiner vor seinem Spielfilmdebüt SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK? Bescheid geben sollen. Vor allem Schauspiel, Visualität und Story bezeugen, dass auch in der DACH-Region originelles Kino am Leben ist.

Die Handlung von Nicolas Steiners erstem fiktiven Langfilm dreht sich um Herrn Drowak (Karl Markovics). Er ist dauernd besoffen und ein richtiger Menschenhasser, also der Prototyp für eine RTL2-Reportage. Nun wird Drowak vom „Amt für Ruhe und Ordnung“ dazu verdonnert, sich mittels einer Maßnahme wieder zu einem vollwertigen Mitglied der Gesellschaft zu entwickeln. Der optimistischen Lena (Luna Wedler) obliegt jetzt die Aufgabe, durch einen Kurs für kreatives Schreiben den Misanthropen par excellence wieder ins soziale Leben zurückzuholen. Definitiv kein leichtes Unterfangen, was der Amtsleiter (Lars Eidinger) von ihr verlangt. Sie versucht mit Herzensgüte ihr Möglichstes, um aus dem alten Griesgram halbwegs akzeptable Umgangsformen herauszufiltern.

Das gesamte Werk ist durchsetzt mit fantastischen Elementen, die surrealer nicht sein könnten. Angefangen bei lebensgroßen Rattenmenschen bis zu Etagenpagen im Bürogebäude, um das Stockwerk anzusagen.Hinzu kommt ein Spiel mit schwarz-weißen Bildern in der Jetzt-Zeit und farbvollen Rückblenden in die Vergangenheit von Vollzeitarschloch Drowak. Visuell tobt sich der Filmemacher Steiner („Kampf der Königinnen“, „Above and Below“) in SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK? vollkommen aus – und erzeugt mehrfach beeindruckende Bilder gepaart mit einem tollen Sounddesign, wie auch Score. Die tragisch-komische Sozialgroteske lebt vom Unerwartbaren und seinen skurrilen Dialogen.

In regelmäßigen Abständen lässt eine sehr wertgeschätzte Podcastkollegin von mir meine kleine, heile Weltblase platzen, indem sie mir neue Sichtweisen auf von mir übersehene Problematiken in geliebten Filmen aufzeigt. SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK? hat mich im Kinosessel kalt erwischt und von vorne bis hinten unterhalten. Durch den kritischen, weiblichen Input meiner Arbeitskameradin bahnte sich die dunkle Erkenntnis, dass Frauen hier nicht nur ein schweres Los haben, wie alle in dieser tristen Dystopie, sondern durchweg von allen Seiten unmenschlich behandelt werden. Zudem suhlt sich das Drehbuch in einigen frauenfeindlichen Momenten und tarnt sie als humorige Absurdität. Bei mir hat es geklappt, bei den Szenen konnte ich mein Lachen nicht unterdrücken.

Wichtig ist jetzt, was mache ich aus diesem neuen Blickwinkel? Ich kann nicht leugnen, dass diese Situationen vorhanden sind, dennoch überwiegt für mich der künstlerische, surreale Ansatz mit einem ordentlichen Hang zu schwarzem Humor, teilweise auch grenzüberschreitend. Ich liebe es total, wenn mich ein Film fordert und kein Blatt vor den Mund nimmt. Wer also auf kafkaeske Erzählungen mit starken Darstellern und viel bösem Humor steht, sollte nicht zögern, ein Kinoticket für SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK? zu lösen.

Trailer

ab12

Originaltitel

Sie glauben an Engel, Herr Drowak? (Schweiz / Deutschland 2025)

Länge

127 Minuten

Genre

Drama / Komödie / Romanze

Regie

Nicolas Steiner

Drehbuch

Bettina Gundermann

Darsteller

Luna Wedler, Karl Markovics, Nikolai Gemel, Saga Sarkola, Lars Eidinger, Jan Bülow, Dominique Pinon, Bettina Stucky

Verleih

X Verleih AG

Filmwebsite

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