Interview mit Rosamund Pike

Sie zählen zu den Schauspielerinnen, die auch gerne mal am Theater arbeiten. Werden Sie vielleicht bald wieder einmal auf der Bühne stehen?

Nein, aktuell nicht. Ich hatte in letzter Zeit so viel Spaß daran, Filme zu drehen, dass ich die Menschen, mit denen ich das mache, sehr ins Herz geschlossen habe. Ich möchte jetzt keine Art „Revival“ machen, sondern eher etwas Neues, etwas Modernes. In London gibt es gerade diese wundervolle Stück mit dem Titel „Jerusalem“ und das ist so unglaublich innovativ und neu, dass es wirklich ergreifend war. So etwas würde ich gerne machen.

Gibt es irgendwelche Aspekte an der Schauspielerei, die Sie nicht mögen?

(überlegt lange) Ich glaube, ich bin zwar bereit dafür, im Zentrum einer großen Produktion zu stehen, aber nur, wenn es darum geht, die Rolle zu spielen, nicht wenn es um diese ganze Öffentlichkeitsarbeit geht. Ich finde das nicht allzu angenehm. Ich bin sehr selbstsicher, wenn es um meine Darstellung geht, aber ich fühle mich unwohl dabei, eine öffentliche Person zu sein.

Hatten Sie immer den Wunsch, Schauspielerin zu werden?

Ja, ich wusste immer, dass ich genau das bin. Das ist zwar keine Lebensanschauung, aber Du weisst, dass Du Menschen zum Lachen bringen, sie amüsieren und unterhalten kannst. Es gab nie einen Zeitpunkt, zu dem ich das Konzept nicht verstanden hätte, eine Schsupielerin zu sein und wusste immer, dass es das ist, was ich sein wollte. Das klingt vielleicht seltsam, aber das konnte ich wirklich nicht.

Gibt es vielleicht einen Film, der Sie beeinflusst hat?

Nein, kein Film. Wir hatten überhaupt keinen Fernseher, also habe ich auch keine Filme gesehen. Ich habe eigentlich nie an eine Karriere im Film gedacht. Ich kannte keine Filme und ich verstand sie nicht. Ich habe nur das Theater verstanden, was sehr seltsam war. Ich musste dann natürlich unheimlich viel nachholen und es gibt nach wie vor große Lücken in meinem Filmwissen.

Ihre Eltern sind beide Musiker. Wäre es da nicht eigentlich logisch gewesen, dass auch Sie eine Musikerin geworden wären?

Nein, ich mag mich nicht durch Musik ausdrücken.

Aber Sie spielen doch Cello, oder?

Ja, aber das ist trotzdem nicht die Art und Weise, wie ich mich ausdrücken möchte.

Also stand eine musikalische Karriere niemals zur Debatte?

Nein, zu keinem Zeitpunkt.

Ist es denn für Sie in Ordnung, dass Sie in der nächsten Zeit sicherlich ein wenig mit der Schauspielerei pausieren müssen, weil Sie ja Mutter werden?

Ich glaube nicht, dass ich das muss. Ich habe ja bereits einen Sohn und trotzdem habe ich im letzten Jahr mehr gearbeitet, als jemals zuvor in meinem Leben. Ich weiß nicht, ob es das Bedürfnis ist, Essen auf dem Tisch zu haben, aber ich hatte das beste Jahr meiner Karriere. Ich kann das kommende Jahr also kaum erwarten!

Wie alt ist Ihr Sohn jetzt?

Er ist zwei und der nächste kommt im November. Also werde ich wahrscheinlich schon im kommenden Jahr wieder voll einsatzfähig sein.

War das ein Zufall oder wie kam es zu diesem Karriereschub direkt nach der Geburt?

Ich weiß auch nicht warum. Ich glaube, Mutter zu werden kann Dich auf geheimnisvolle Art und Weise verändern. Ich möchte gute Dinge aber auch nicht überanalisieren. Es war aber eine bewusste Entscheidung, nach diesem Film, Gone Girl und einer weiteren britischen Komödie Mutter zu werden. Ich glaube aber leider nicht, dass die Komödie WHAT WE DID ON OUR HOLIDAY jemals hier in Deutschland zu sehen sein wird, obwohl sie zauberhaft improvisiert ist. (Anmerkung: Der Film wird am 20.11.2014 von Tobis in die deutschen Kinos gebracht.) Alle drei Filme kommen nun fast gleichzeitig in die britischen Kinos und so habe ich es als sehr interessant empfunden, diese drei sehr unterschiedlichen Filme in das Bewusstsein der Welt zu entlassen und dann zu sehen, was die Menschen danach aus mir machen möchten. Jetzt nehme ich eine kurze Pause, bekomme mein Baby und schaue dann, was auf mich zu kommt. Aber ich glaube, dass das sehr interessant werden wird.

Kann man eigentlich ernst bleiben, wenn man mit einem so lustigen Menschen wie Simon Pegg zusammenarbeitet?

Aber selbstverständlich! Natürlich ist er lustig – und wundervoll! Ich glaube, dass auf einem Komiker ein ziemlich hoher Druck lastet, wenn die Leute ihn in einem Film sehen, der viel dramatischer ist. Im Nachhinein denken sie vielleicht, dass der Film nicht so gut war, weil sie weniger gelacht haben, als in früheren Filmen. Er sagt dazu nur „Pech gehabt“, denn er möchte gerne lustige und ernste Rollen spielen. Er ist ein wirklich guter Schauspieler.

Sie waren damals sehr überrascht über ihre Rolle in dem James Bond Film, wie ich gelesen habe. Ich vermute, dass Sie auch sehr überrascht über die Rolle in GONE GIRL waren. War das von Anfang an klar oder mussten Sie stark für diese Rolle kämpfen?

Es ist niemals eine Überraschung, dass man eine bestimmte Rolle angeboten bekommen, sondern vielmehr, dass bestimmte Menschen Sie auf ihrem Radar haben. Wenn man eine Rolle erst einmal haben will, dann arbeitet man auch verdammt hart daran, diese zu bekommen. Es gab keinen mysteriösen Anruf von David Fincher nach dem Motto „Möchtest Du Amy spielen?“. Es steckt eine Menge Arbeit drin, aber die größte Überraschung ist, dass jemand auf Dich aufmerksam geworden ist. Dass jemandem Deine Arbeit aufgefallen ist, das ist das Besondere.

Sind Sie manchmal auch nervös, wenn Sie mit großen Regisseuren wie Peter Chelsom oder David Fincher arbeiten?

Nein, denn es ist viel Nerven aufreibender, mit einem schlechten Regisseur zu arbeiten. Das einzige Mal, als ich mich unwohl gefühlt habe, war während der Arbeit mit einem Regisseur, der nicht wusste, was zur Hölle ich überhaupt tue. Genau dann fühlt man sich ängstlich, aber eben nicht, wenn man sich in den Händen eines Meisters befindet.

Was haben Sie getan, als sie erkannt haben, dass der Regisseur, mit dem Sie gearbeitet haben, kein guter Regisseur war?

Es gibt eigentlich nichts, was man dann tun kann, außer weiter zu machen und Deinem Blick auf jeden Aspekt der Produktion zu richten. Wenn der Job dann erledigt ist und jemand zu Dir kommt und sagt, dass es unglaublich ist, wie Du auf bestimmte Dinge geachtet hast, dann kann ich nur erwidern: „Glaub‘ mir, das wollte ich gar nicht. Ich wollte eigentlich nur meinen Job erledigen und nicht den eines anderen.“ Aber was soll’s.

Können Sie sich vorstellen, selbst irgendwann einmal Regie zu führen?

Vielleicht. Vielleicht wenn ich mit genügend guten Menschen gearbeitet habe und sie beobachtet habe. Aber ehrlich gesagt muss man dafür schon eine Art Visionär sein, so wie die vielen, guten Regisseure, mit denen ich bislang zusammengearbeitet habe. Die Art und Weise, wie z.B. David Fincher oder Edgar Wright den Film in ihrem Kopf sehen, ist phänomenal – sie haben einfach eine vollkommen andere Art von Vorstellungskraft. Sie sehen das alles auf eine visuelle Art und Weise und das tue ich nicht. Ich glaube nicht, dass ein guter Schauspieler automatisch ein guter Regisseur ist. Einige können das durchaus, wie z.B. Ben Affleck. Aber das ist nun mal eine vollkommen andere Disziplin. Je mehr Du mit den Allerbesten arbeist, desto mehr erkennst Du, wie außergewöhnlich es ist.

Ist denn schwierig für Sie, wieder an die Theaterbühne zurückzukehren?

Nein, keinesfalls. Ich fühle mich auf der Bühnen vollkommen zu Hause, denn dort bin ich aufgewachsen. Ich fühle mich dort wirklich absolut wohl. Ich glaube nicht, dass ich jemals nicht in der Lage sein werde, auf einer Bühne zu spielen.

Können Sie sich noch an das Gefühl erinnern, als Sie ihren ersten Film gesehen haben?

Ich habe damals E.T. gesehen. Das war definitiv der erste Film, den ich gesehen habe und nach wie vor ist das einer meiner Lieblingsfilme. Steven Spielberg spielt darin so wunderschön mit Zauberei und Märchen.

Wie alt waren Sie da?

Wann kam der Film raus? 1983? Da war ich dann gerade mal vier Jahre alt.

Gab es irgendwann im Laufe Ihrer Karriere einmal einen Zeitpunkt, an dem Sie gemerkt haben, dass Ihre Entscheidung, Schauspielerin zu werden, die richtige war?

Nein, nicht wirklich. Es gibt natürlich immer die Angst, dass mann keinen weiteren Job bekommt, denn man hat ja in dem Sinne keinen garantierten Arbeitsplatz. Es gab sicherlich Zeitpunkte, wo ich viel Erfolg hatte und es danach weniger wurde. Damit kann man dann sehr schwer umgehen und es ist nicht einfach, so zu navigieren. Momentan erlebe ich eine Zeit, zu der alle Leute an meiner Arbeit interessiert sind aber zum Glück kenne ich auch die andere Seite. So sehe ich das alles ziemlich real und bin nicht davon verführt. Ich glaube keinesfalls, dass sich das niemals ändern wird. Es geht immer bergauf und bergab, bergauf und bergab. Man hofft nur, dass man auf dem Weg eine gewisse Kontinuität behält und die Menschen immer gut behandelt. Man sagt nicht umsonst, dass man nett zu den Menschen auf dem Weg zur Spitze sein soll, denn man trifft sie bestimmt wieder, wenn es mal bergab geht.


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