Interview mit Rosamund Pike

Wie behalten Sie denn Ihre Motivation in Momenten des Tiefs?

Einfach immer daran glauben, dass man es schaffen wird, dass Du es in Dir hast. Und dass Dir früher oder später jemand die Gelegenheit geben wird, das zu beweisen. Auf einmal kommt aus dem Nichts ein Angebot und ich stehe auf der Bühne zusammen mit Judy Dench. Das war wirklich unglaublich! Am Ende ist es immer ziemlich faszinierend.

Wie kam es, dass Sie zu Hause keinen Fernseher hatten? Waren Ihre Eltern dagegen?

Wir hatten ein Haus in London, wo wir schon einen Fernseher hatten, aber in unserem Haus auf dem Land hatten wir keinen. Ich vermute, dass meine Eltern einfach die TV-Lizenz dafür nicht bezahlen wollten. Sie dachten vermutlich, dass das eine Rechnung sei, die man vermeiden konnte.

Würden Sie Ihren Kindern erlauben, Schauspieler zu werden?

Aber selbstverständlich! Das ist schließlich ein wunderbares Leben! Ich hoffe nur, dass Sie dann auch gut darin sind, denn es ist sehr elendig, wenn Du so etwas leidenschaftlich machen möchtest, aber einfach nicht gut bist. Ja, ich würde es lieben, wenn Sie das machen wollen würden, denn ich liebe diesen Job und ich liebe Schauspieler.

Wie wichtig ist es, Erfolg zu haben?

Sie meinen damit wahrscheinlich, glücklich zu sein, oder? Direkt nach dem Bond-Film habe ich am Royal Court in London Theater gespielt und ich war definitiv jeden Tag im Bus auf dem Weg zum Theater glücklicher, als auf dem Flug erster Klasse rund um die Welt zum Bond-Dreh. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie war das authentischer, vermute ich. James Bond war fantastisch und aufregend, aber das Theater war im Gegensatz dazu echtes Futter für die Seele. Du weißt eben, wer Du bist, und wer nicht. Diese glamourösen Dinge können viel Spaß machen, aber im Innern weißt Du genau, wer Du eigentlich bist.

Sie sagten, dass Sie noch niemals Shakespeare gespielt haben.

Doch das habe ich, aber das war bereits während meines Studiums.

Aber seitdem nicht mehr?

Ich wurde bislang einfach noch nicht danach gefragt. Ich habe meinen Agenten kennengelernt, als ich gerade „Romeo und Julia“ gespielt habe und jedes Mädchen ist glücklich, wenn Sie Julia spielen darf. Das ist eine tolle Geschichte. Aber ich glaube, dass die Zeit irgendwann kommen wird.

Vielleicht hat Shakespeare einfach nicht so viele gute Frauenrollen geschrieben?

Oh das hat er doch! Es gibt unglaublich viele, gute Frauenrollen, wie z.B. Viola, Rosalinde oder Lady MacBeth

Glauben Sie denn, dass es in der Filmbranche genügend weibliche Hauptrollen gibt?

Nein, und jeder weiß das. Diese Frage hört man immer wieder. Eigentlich ist es verrückt, dass wir uns diese Frage immer und immer wieder stellen müssen. Einem Mann würde man diese Art von Frage niemals stellen. Das ist lästig, obwohl es eine durchaus berechtigte Frage ist. Obwohl es immer mehr weibliche Produzenten gibt. So wurde GONE GIRL z.B. von Reese Witherspoon produziert. Sie hat das Buch entdeckt und gesagt, dass das unbedingt irgendwer verfilmen muss. Man braucht also eine Schauspielerin, um eine tolle Rolle für eine andere Schauspielerin zu finden. Das ist sehr interessant, oder nicht? Manchmal arbeitet man mit anderen Schauspielerinnen und denkt: „Wir müssen unbedingt wieder zusammen drehen“.

Es kursieren derzeit Gerüchte, dass es im neuen Ghostbusters-Film um weibliche Geisterjäger gehen wird.

Wirklich? Davon habe ich noch nichts gehört.

Gab es in den letzten zwei oder drei Jahren irgendwelche Filme, die Sie beeindruckt haben?

Ja, mir hat ein Film gefallen, der aber leider nicht so vielen anderen gefallen hat: RUSH (Anm.: handelt von dem Duell zwischen den Rennfahrern Nicki Lauda und James Hunt). Der Film war einfach so toll und ich mochte es sehr, in eine Welt gezopen zu werden, von der ich überhaupt nichts wusste. Mir haben die Charaktere gefallen und was im Film über Rivalität, Leidenschaft und Ehrgeiz gesagt wurde. Ich habe den Film wirklich geliebt und verstehe nicht, warum er nicht erfolgreicher war. Die Performance von Daniel Brühl war im Übrigen die Beste, die ich in vielen Jahren gesehen habe. Ich war wirklich extrem begeistert davon und fand ihn so gut. Ich war wirklich schwer beeindruckt von ihm und der Figur. Ich mag Menschen, die es nicht darauf anlegen, gemocht zu werden.

Außerdem hat mir noch ZERO DARK THIRTY sehr gut gefallen. Jessica Chastain war darin wirklich unglaublich faszinierend.

Zum Abschluss dieses Interviews: Gibt es irgendetwas, dass Sie hier in Berlin noch machen möchten?

Ich bin zum ersten Mal in Berlin und ich würde so gerne in diese Stadt eintauchen und meine Hände schmutzig machen, aber leider habe ich dafür einfach keine Zeit. Ich würde aber gerne einmal richtig nach Berlin zurück kommen. Ich kann eigentlich gar nicht glauben, dass ich noch niemals hier war. Aber heute wird das ganz sicher nicht passieren.

Vielen Dank für das Interview.

 

Das Interview haben wir mit Rosamund Pike am Dienstag, dem 5. August 2014 in Berlin im Rahmen der Deutschlandpremiere des Filmes HECTORS REISE ODER DIE SUCHE NACH DEN GLÜCK geführt.


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