Endlich hat eine der größten Sensationen der deutschen Sportgeschichte den Weg ins Kino gefunden. ADAMS ACHT von Hannu Salonen erzählt den beschwerlichen Weg des Deutschland-Achters von der holsteinischen Provinz bis zur olympischen Goldmedaille 1960 in Rom. Der Film verzahnt auf bemerkenswerte Weise das sportliche Drama mit privaten Schicksalen vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs und der deutschen Teilung.
„Wo liegt eigentlich Ratzeberg?“ Diese 1959 anlässlich der Deutschen Meisterschaft im Rudern von einem ahnungslosen Journalisten gestellte Frage spricht Bände. Damals kannte kaum jemand das idyllisch auf einer Insel gelegene Städtchen Ratzeburg nordwestlich von Hamburg, gleichzeitig Kreisstadt des Herzogtums Lauenburg. Wenige Kilometer östlich befand sich der Eiserne Vorhang – die deutsch-deutsche Grenze verlief sogar mitten durch den Ratzeburger See, mit Bojen markiert.
Mitte der 1950er-Jahre. Karl Adam (Oliver Masucci) ist Oberstudienrat für Mathematik, Physik und Leibeserziehung an der in Ratzeburg ansässigen Lauenburgischen Gelehrtenschule. Er trifft auf eine vaterlose Generation junger Männer – Außenseiter, Einzelkämpfer, die nicht wissen, wohin mit ihrer Wut. Sein größtes Sorgenkind als Klassenlehrer ist der Hitzkopf Manfred Rulffs (Leonard Kunz), den er für den Rudersport begeistern kann.
Bald hat Adam im örtlichen Ruderclub acht ehrgeizige junge Männer an seiner Seite, mit denen er Großes vorhat – unter ihnen Moritz von Groddeck (Nick Romeo Reimann) und vor allem Hans Lenk (Felix Kammerer), dem Adam eine Führungsrolle zutraut. Doch der trägt ein offenes Geheimnis mit sich herum: Fast jede Nacht rudert er über den Ratzeburger See zu seiner großen Liebe Ulla Jahn (Svenja Jung), die nur wenige Kilometer entfernt auf einem Bauernhof in der DDR lebt. Jedes Mal muss Hans damit rechnen, von den Grenzsoldaten beschossen zu werden. Die Angst rudert immer mit.
Karl Adams unkonventionelle Trainingsmethoden führen zu ersten Erfolgen, doch die Funktionäre des elitären deutschen Rudersports belächeln und sabotieren ihn. Da der Ratzeburger Ruderclub über kein eigenes Achter-Boot verfügt, müssen sich Adam und seine Jungs für das erste nationale Rennen ein Boot mit nicht ganz legalen Methoden ausleihen. Der Rest ist Geschichte…
Die Nazi-Vergangenheit einiger Funktionäre, der über allem schwebende Kalte Krieg, eine zu Herzen gehende deutsch-deutsche Liebe und jede Menge sportliche Triumphe – daraus strickt Regisseur Hannu Salonen mit seinen Drehbuchautoren Domenik Pockberger und Stephan Falk ein gründlich recherchiertes Biopic. Der aus Finnland stammende Salonen dreht seit Jahren hauptsächlich für das deutsche Fernsehen. Diese besondere TV-Ästhetik sieht man ADAMS ACHT zwar an – doch das stört nicht. Oliver Masucci hält sich mit seinen uns allen vertrauten Manierismen diesmal wohltuend zurück und zeigt einen in sich ruhenden „Helden“: Karl Adam.
Adams Acht (Deutschland 2024)
124 Minuten
Drama
Hannu Salonen
Domenik Pockberger, Stephan Falk
Felix Cramer
Oliver Masucci, Felix Kammerer, Svenja Jung, Leonard Kunz, Axel Milberg, Heino Ferch, Katrin Röver, Stephanie Amarell, Nick Romeo Reimann, Vito Wiesner, Leon Kleinschmidt, Jakob Schmölzer, Till Neumann, Oscar Krause, Moritz Wolff
Majestic Filmverleih GmbH