Das Land meines Vaters

Kinostart: 18.11.2021

ab12 OT: Au nom de la terre (Frankreich 2019)
Länge: 104 Minuten
Genre: Drama
Regie: Edouard Bergeon
Drehbuch: Edouard Bergeon, Bruno Ulmer, Emmanuel Courcol
Darsteller: Guillaume Canet, Veerle Baetens, Anthony Bajon, Rufus, Samir Guesmi, Yona Kervern
Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH

Auch die Bauern in Frankreich leiden seit Jahren unter dem Diktat der EU. Erst beim (mit Dokumentaraufnahmen gespickten) Abspann von DAS LAND MEINES VATERS wird deutlich, dass der Regisseur Edouard Bergeon hier das Leben seines eigenen Vaters verfilmt hat – mit allen Höhen und Tiefen. Und auch erst dann wird klar, warum der französische Superstar Guillaume Canet die zweite Hälfte des Films mit einer (Entschuldigung!) dämlichen Halbglatze bestritt. (Jeder weiß, wie der Schauspieler und Regisseur Canet aussieht!) Er wollte dem Vater von Edouard Bergeon so ähnlich wie möglich sein – und das muss man ihm hoch anrechnen!

Im Alter von 25 Jahren kehrt Pierre (Guillaume Canet) aus dem US-amerikanischen Wyoming zurück in die französische Provinz, um gemeinsam mit seiner Verlobten Claire (Veerle Baetens, „The Broken Circle“) den verschuldeten Hof seines Vaters zu übernehmen. Der ehrgeizige junge Landwirt strotzt vor neuen Ideen und Tatendrang. 20 Jahre später sind der Betrieb und die Familie gewachsen – doch die EU sitzt ihm mit absurden Verordnungen im Nacken. Hochverschuldet sieht Pierre am Ende nur noch zwei Möglichkeiten: den Bauernhof abzufackeln, um die Versicherungssumme zu kassieren, oder den letzten Verzweiflungsschritt zu wagen: Düngemittel-Chemikalien zu trinken! (Bevor manche Zuschauer den Schock ihres Lebens bekommen, gönne ich mir diesen Spoiler. Sorry!)

DAS LAND MEINES VATERS geht ans Eingemachte. Ein mutiger Regisseur zeigt in seinem erschütternden Debütfilm, was in den vergangenen Jahrzehnten in Brüssel alles schief gelaufen ist. Niemand muss sich beim Abspann seiner Tränen schämen: Hier hat die Politik einen Mann in den Tod getrieben. Schämt euch! In eindringlichen Bildern zeigt der Film – nie poetisch verklärt – das harte Leben auf dem Land. Und Guillaume Canet spielt eine der besten Rollen seiner Karriere.

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