The Drummer and the Keeper | FFEN 2018

FSK noch unbekannt OT: The Drummer and the Keeper (Irland 2017)
Länge: 94 Minuten
Genre: Drama
Regie: Nick Kelly
Drehbuch: Nick Kelly
Darsteller: Dermot Murphy, Jacob McCarthy, Adrian Hudson, Aoibhinn McGinnity, Charlie Kelly, Peter Coonan, Annie Ryan

Gabriel (Dermot Murphy) ist ein talentierter Schlagzeuger. Doch kurz vor dem Durchbruch droht die Band mit seinem Rauswurf – die Jungs haben genug von seinen extremen Stimmungsschwankungen, die er dringend in den Griff bekommen muss. Seine Ärztin diagnostiziert eine bipolare Störung und rät ihm zu einem therapeutischen Fußball-Training. Auf dem Spielfeld gerät Gabriel schnell mit Torhüter Christopher (Jacob McCarthy) aneinander, der unter dem Asperger-Syndrom leidet. Um im Team bleiben zu können, fordert der Coach von beiden, Freundschaft zu schließen. Christopher nimmt das wörtlich – sehr zum Ärger von Gabriel, der seinen penetranten Anhänger nicht mehr los wird. Doch trotz aller Unterschiede und anfänglichen Schwierigkeiten entwickelt sich tatsächlich eine ungewöhnliche Freundschaft: Beide fühlen sich in ihrem Anderssein einander verbunden – mit ungeahnten Folgen…

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Kritik

THE DRUMMER AND THE KEEPER erzählt die Geschichte einer einzigartigen Freundschaft und zeigt mit ganz viel Herz, dass wir aufhören müssen, Menschen mit psychischen Erkrankungen allein auf ihre Krankheit zu reduzieren… 

Aus Irland hat diese kleine, aber äußerst feine Perle den Weg zum Internationalen Filmfest Emden-Norderney gefunden. Regisseur Nick Kelly, der auch das Drehbuch geschrieben hat, gelingt damit ein unkonventioneller Film, der berührt, gleichzeitig aber auch aufzeigt, was falsch läuft. Denn oftmals – wenn nicht sogar nahezu immer – reduzieren wir einen Menschen mit Asperger oder mit einer bipolaren Störung auf seine Erkrankung und vergessen, dass es noch unfassbar viele weitere Puzzlestücke gibt, die seine Persönlichkeit formen. 

Interessant macht den Film vor allem die Idee, das Auf und Ab eines bipolaren Menschen mit dem nahezu linearen Alltag eines am Asperger-Syndrom erkrankten Menschen zu verbinden. Das sorgt für einige äußerst interessante Reibungspunkte im Verlauf der Handlung. Dass die Figur des bipolaren Menschen ausgerechnet ein Rockmusiker ist, kommt nicht von ungefähr, schließlich ist Regisseur Nick Kelly selbst gestandener Rockmusiker und weiß somit, wovon er spricht. „Eigentlich gleicht das Leben eines Rockmusikers dem eines bipolaren Menschen, so Kelly im interview mit nochnfilm.de, „schließlich sitzt man 23 Stunden im Bus oder wartet darauf, dass etwas passiert, und dann ist man in der einen Stunde unglaublich aufgeregt“.

Auch der Aspekt des Asperger-Syndroms ist Kelly nicht vollends fremd, denn sein eigener Sohn ist Autist. Kein Wunder also, dass die Figuren in THE DRUMMER AND THE KEEPER so echt und authentisch wirken. 

Auch die Nebendarsteller in den Szenen, die in einem Institut spielen, sind Mitglieder einer autistischen Schauspielgruppe. Vor Drehbeginn fragte ihn sein Produzent noch, ob das nicht zu anstrengend sei, doch Kelly entgegnete, dass es wesentlich komplizierter sei, zehn Schauspieler zu finden und sie alle unterschiedliche Aspekte des Autismus spielen zu lassen. 

THE DRUMMER AND THE KEEPER ist ein wundervoller Film, der hoffentlich noch irgendwie den Weg in unsere Theatersäle oder Heimkinos finden wird. So authentisch und herzlich war ein Film über psychisch Erkrankte wirklich selten.  

Interview

Beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney hatte ich die Gelegenheit, mit dem Regisseur und Drehbuchautor Nick Kelly über seinen Film THE DRUMMER AND THE KEEPER zu sprechen. 

Über Nick Kelly

Nick Kelly begann seine Karriere in den 1990ern als Sänger und Songwriter der irischen Band „The Fat Lady Sings“, veröffentlichte vier Solo-Alben, teilweise unter seinem Künstlernamen Alien Envoy, und gilt als einer der innovativsten Independent-Musiker Irlands. Seit 2003 arbeitet er als Drehbuchautor und Regisseur und realisierte mehrere Kurzfilme, die weltweit auf Filmfestivals liefen und ausgezeichnet wurden. Der Kurzfilm „Shoe“ erhielt 2011 eine Oscar-Nominierung. Mit THE DRUMMER AND THE KEEPER gibt er sein Spielfilmdebüt, das 2017 u.a. beim Galway Film Fleadh als „Best First Irish Feature“ prämiert wurde.

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