Systemsprenger

Kinostart: 19.09.2019

ab12 OT: Systemsprenger (Deutschland 2019)
Länge: 125 Minuten
Genre: Drama
Regie: Nora Fingscheidt
Drehbuch: Nora Fingscheidt
Darsteller: Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide, Lisa Hagmeister, Melanie Straub, Victoria Trauttmansdorff, Maryam Zaree, Tedros Teclebrhan, Roland Bonjour, Barbara Philipp, Gisa Flake, Axel Werner
Verleih: Port au Prince Pictures GmbH

Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule: Egal, wo Benni (Helena Zengel) hinkommt, sie fliegt sofort wieder raus. Die wilde Neunjährige ist das, was man im Jugendamt einen „Systemsprenger“ nennt. Dabei will Benni nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei ihrer Mutter wohnen! Doch Bianca (Lisa Hagmeister) hat Angst vor ihrer unberechenbaren Tochter. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint und keine Lösung mehr in Sicht ist, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha (Albrecht Schuch), sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien. 

Kritik

Manchmal kommt ein Film um die Ecke, der einen umhaut. Mit voller Breitseite. SYSTEMSPRENGER ist genau so ein Film…

Gerade auf Festivals hat man als Filmjournalist immer wieder das Problem, dass man viele Filme an einem Tag schaut. Und natürlich nimmt die Aufmerksamkeit dabei immer mehr ab. SYSTEMSPRENGER war beim diesjährigen Filmfest Emden-Norderney bereits der vierte Film und ich hatte so meine Befürchtungen, dass ich währenddessen arg mit Müdigkeitserscheinungen zu kämpfen haben werde. 

Doch weit gefehlt. Bereits nach wenigen Minuten hatte mich der Film in seinen Bann gezogen und tatsächlich bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Ich saß in meinem Kinosessel und verfolgte gebannt und komplett angespannt, was sich da vor mir auf der Leinwand entfaltete. Nur um am Ende der zwei Stunden komplett geplättet aus dem Kinosaal zu wanken. 

Aber was war hier passiert? Nun, SYSTEMSPRENGER lebt von der Energie seiner gerade mal elfjährigen Hauptdarstellerin Helena Zengel, die spielt, als ginge es um Leben und Tod. So intensiv und kraftvoll war deutschsprachiges Kino schon lange nicht mehr. Und zudem erzählt der Film auch noch eine immens wichtige Geschichte. In den Medien hören wir von Jugendämtern und ihren Mitarbeitern immer nur dann, wenn etwas schief oder aus dem Ruder gelaufen ist. Die vielen unzähligen Male, in denen diese Menschen Gutes geleistet haben, wird dann gerne mal verschwiegen. Nora Fingscheidt zeigt in ihrem Regiedebut mehr als deutlich, dass in solchen Fällen niemals nur ein einziger Mensch für Tragödien verantwortlich ist. Denn fast immer ergeben sich Schicksale aus dem Versagen oder der Unfähigkeit mehrerer.

So auch hier im Fall der Hauptfigur Benni. Obwohl immer wieder klar wird, dass dieses Mädchen sich einfach nur nach der Liebe ihrer Mutter sehnt, gestaltet sich die Lösung nicht so einfach. Durch die Überforderung mit dem so impulsiven Kind ist die Mutter (grandios gespielt von Lisa Hagmeister) einfach nicht in der Lage, ihren Pflichten nachzukommen. Der Film macht ihr das aber an keiner Stelle zum Vorwurf, sondern setzt sich mit der Situation sachlich auseinander. Ähnlich verhält es sich mit der Jugendamts-Mitarbeiterin, für die die Schauspielerin Gabriele Maria Schmeide stets die richtigen Worte und Gesten findet. Ihre Ehrgeiz, nicht aufgeben zu wollen, gipfelt irgendwann in der stärksten Szene des ganzen Films, in der stark komprimiert alles zusammenkommt. Allein dafür sollte Schmeide mit sämtlichen Darstellerpreisen ausgezeichnet werden, die es hierzulande gibt. 

Doch damit nicht genug. Nach diversen Festival-Erfolgen macht sich SYSTEMSPRENGER nun auf, die Welt zu erobern. Bereits im Oktober wird das Meisterwerk beim renommierten BFI London Film Festival zu sehen sein. Bereits jetzt ist der Film als deutscher Oscar-Beitrag auf der Shortlist. Natürlich muss er sich dort gegen starke Konkurrenz wehren, aber ich mach mir dabei überhaupt keine Sorgen. Im Gegenteil, mit SYSTEMSPRENGER haben wir durchaus die Möglichkeit, uns diesen begehrten Preis endlich einmal wieder zu holen. 

Und Helena Zengel? Die dreht momentan tatsächlich bereits in den USA einen Western mit Tom Hanks unter der Regie von Paul Greengrass. Aber das ist bei der Leistung auch nicht verwunderlich… 

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Filmplakat

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