Der Film der Woche

No Other Choice

05.02.2026

Viele Menschen identifizieren sich durch ihre Arbeit. So auch der Familienvater Man-su, der seit 25 Jahren als Experte in der Papierproduktion arbeitet, aber dann plötzlich den Job verliert. Der südkoreanische Meisterregisseur Park Chan-wook („Oldboy“) liefert mit der Satire NO OTHER CHOICE einen bitterbösen, in Slapstick mündenden Abgesang auf den harten Konkurrenzkampf in Unternehmen.

Man-soo (Lee Byung-hun) arbeitet in einer führenden Position in der Papierproduktion. Er ist glücklich mit Mi-ri (Son Yejin) verheiratet und Vater zweier Kinder. Die Arbeit ermöglicht ihm ein schönes Haus mit Garten, in seiner Freizeit widmet er sich seinen Bonsai-Pflanzen. Die Kinder sind wohlgeraten und talentiert, sie müssen gefördert werden. Als er dann von seinem Arbeitgeber entlassen wird, stürzt Man-soo in eine existenzielle Krise. Wie soll er den erreichten Lebensstandard aufrecht erhalten?

Man-soo verspricht seiner Familie, innerhalb von drei Monaten eine neue Stelle zu finden. Doch ein Jahr später arbeitet er immer noch in einem Supermarkt und besucht weiterhin Vorstellungsgespräche. Die Familie steht kurz davor, das Haus zu verlieren! Die Tennisstunden von Gattin Mi-ri, das Netflix-Abo, die klassische Musikausbildung der Tochter und die zwei Golden Retriever können sie sich schon lange nicht mehr leisten. Man-soo ist verzweifelt, wird schließlich von einem Abteilungsleiter beim Bewerbungsgespräch gedemütigt. Nun hat er die Faxen endgültig dicke – und fängt an, andere Bewerber um den Job wortwörtlich auf kreative Art und Weise aus dem Weg zu schaffen!

Die abgedrehte Thriller-Komödie NO OTHER CHOICE ist bereits der 13. Spielfilm des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook („Die Taschendiebin“, „Die Frau im Nebel“), der gemeinsam mit Lee Kyoung-mi, Lee Ja-hye und Don McKellar auch das Drehbuch verfasste. Die schwarzhumorige Satire basiert auf dem im Jahr 1997 erschienenen Kriminalroman „The Ax“ (deutscher Titel: „Der Freisteller“; „to ax“ heißt „entlassen“) des US-amerikanischen Schriftstellers Donald E. Westlake. Der griechisch-französische Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent Costa-Gavras verfilmte den Roman 2005 bereits als „Die Axt“. Für Park ist es ein Herzensprojekt, an dem er bereits seit mehr als zehn Jahren arbeitete.

NO OTHER CHOICE war bei der diesjährigen Golden-Globes-Verleihung als „Bester Film Musical oder Komödie“ nominiert und setzte sich im September 2025 auch als südkoreanischer Vorschlag für die Kategorie „Bester Internationaler Film“ der Oscarverleihung 2026 durch. Für eine Nominierung reichte es da leider nicht! Eine Jury um die Produzenten Kwak Sin-ae („Parasite“) und Lee Dong-ha („Train to Busan“) sowie die Schauspielerin Jang Hye-jin („Parasite“) hob die besondere künstlerische Qualität des Films hervor. NO OTHER CHOICE sei der „wettbewerbsstärkste Beitrag unter allen Einreichungen“ gewesen und habe sich als „hochpolierte schwarze Komödie mit herausragenden Darstellerleistungen“ ausgezeichnet.

„Mit demselben teuflischen Sinn für Humor wie «Parasite»“ attestiert die Washington Post der bitterbösen Komödie NO OTHER CHOICE. Infiltrierte dort eine bedürftige Familie den Haushalt von Superreichen (mit schwerwiegenden Folgen), so ist auch hier eine Familie plötzlich mittellos und droht zu zerbrechen. Man-soo hat nicht nur den Job durch KI verloren, sondern fürchtet auch um seine Ehe. Irgendetwas muss er also unternehmen! Hauptdarsteller Lee Byung-hun („Joint Security Area“, „Squid Game“) überzeugt als Man-soo mit seiner „gekonnt unglücklichen Darstellung“ bei dem Versuch, die Konkurrenten um den Job auszuschalten. Park lässt seine hilflosen Aktionen in blutig-absurden Slapstick abgleiten. Das ist typisch koreanischer schwarzer Humor!

Der südkoreanische Meister Park Chan-wook hat jedes seiner schaurig-schönen Bilder makellos durchkomponiert. Diese visuelle Brillanz ist kaum zu übertreffen! Auch Kameramann Kim Woo-hyung hat hier ganze Arbeit geleistet. Kim wurde bisher vor allem in Asien ausgezeichnet, hat 13 Filmpreise gewonnen und wurde für 15 weitere nominiert. Für „Die Libelle“ erhielt er 2019 in Großbritannien einen BAFTA-Television-Award für „Photography and Lighting“. Ein Gegensatz wird in den kurzweiligen 139 Minuten von NO OTHER CHOICE allerdings nie aufgelöst: Das Thema Umweltzerstörung wird kaum thematisiert. Für die Papierherstellung muss massig Waldfläche abgeholzt werden. Doch Man-soo liebt die Natur, er kümmert sich aufopferungsvoll um seine Bonsai-Pflanzen. Wie geht das zusammen?

Die Uraufführung des Films fand Ende August 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig im Wettbewerb statt. Park Chan-wook sagt über NO OTHER CHOICE: „Ich wollte einen Film drehen, der die Zuschauer dazu bringt, sich zu fragen: Was gilt im Leben der heutigen Mittelschicht als unterste Grenze? Welcher Standard muss erfüllt sein, damit ein Leben als anständig gilt? Und daraus folgend: Was genau versucht dieser Mann eigentlich zu schützen?“

Trailer

ab16

Originaltitel

No Other Choice (Korea 2025)

Länge

139 Minuten

Genre

Drama / Komödie / Thriller

Regie

Park Chan-wook

Drehbuch

Park Chan-wook, Lee Kyoung-mi, Don McKellar, Jahnye Lee, nach dem Roman „The Ax“ von Donald E. Westlake

Kamera / Bildgestaltung

Kim Woo-hyung

Darsteller

Lee Byung-hun, Son Yejin, Park Hee-soon, Lee Sung-min, Yeom Hye-ran, Cha Seung-won

Verleih

Plaion Pictures GmbH

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