Der Schimmelreiter

05.02.2026

DER SCHIMMELREITER von Francis Meletzky versetzt die literarische Vorlage von Theodor Storm gekonnt in die heutige Zeit, steht sich aber immer mal wieder selbst im Weg.

Nach dem Tod seines Schwiegervaters übernimmt der ehrgeizige und im Einklang mit der Natur lebende Hauke Haien (Max Hubacher) gleich zwei Posten im nordfriesischen Klimaschutz: Er wird Deichgraf und Direktor des Küstenschutzes. Doch niemand will seinen Warnungen vor den Auswirkungen des Klimawandels Gehör schenken, die meisten werfen ihm Hysterie vor. Nur seine Frau Elke (Olga von Luckwald), die als Meeresbiologin arbeitet, unterstützt ihn und vermittelt zwischen ihm und seinen Gegnern – allen voran der umtriebige Bauunternehmer Ole Petersen (Nico Holonics), dem es immer wieder gelingt, Haukes Gegner anzustacheln.

Dabei ist Haukes Plan eigentlich nachvollziehbar: Er will die erste Deichlinie kontrolliert öffnen, um den Fluten entgegenzuwirken, was sogar in der Politik auf ein positives Echo trifft. Doch Haukes Pläne gehen noch weiter und sehen im nächsten Schritt die komplette Umsiedlung des Dorfes vor. Dafür findet er jedoch keinerlei Verständnis bei seinen Mitmenschen, denn niemand ist bereit, das Land aufzugeben, dass die Vorfahren über Jahrhunderte dem Meer abgetrotzt haben. Doch die Katastrophe kommt immer näher…

DER SCHIMMELREITER gehört schon immer zu den Pflichtlektüren eines jeden Schülers. Und tatsächlich hat Theodor Storms 1888 erschienene Novelle nichts in ihrer Aktualität eingebüßt. Daher liegt die Verbindung mit dem heutigen Klimawandel durchaus auf der Hand. Das Drehbuch von Léonie-Claire Breinersdorfer verbindet diese zwei Welten auch ganz meisterhaft und stellt Hauke Haien sogar eine mindestens ebenbürtige Frau an die Seite, die die Diskussionen immer wieder mit wissenschaftlichen Fakten unterfüttert. Doch als irgendwann über ein Dorf auf Stelzen in einem See geredet wird, war mir das persönlich ein wenig zu realitätsfern.

Die Regisseurin Francis Meletzky findet zusammen mit ihrer Kamerafrau Bella Halben immer wieder beeindruckende Bilder, die dann aber doch durch ein vermutlich nicht allzu großes Budget eher auf TV-Niveau bleiben. Darüber kann man hinwegsehen, wenn man sich bemüht, stößt dann aber zusätzlich immer wieder auf bekannte Stereotypen wie den fiesen Bauunternehmer, der natürlich mit falschen Karten spielt und etwas überzeichnet daherkommt. Wenn dann jedoch die Ministerin (Katharina Pichler) auf der Bildfäche erscheint, könnte man zwar dasselbe denken, aber ein kurzer Blick auf die aktuellen Altparteien reicht, um zu sehen, wie ernst der Klimawandel dort genommen wird.

Sicherlich hätte man hier und dort noch für etwas mehr „Kino-Feeling“ sorgen können, dafür muss dann aber auch das entsprechende Geld vorhanden sein. Wenn man sich das vor Augen führt, dann kann man den Film durchaus als gelungen bezeichnen – mit den entsprechenden Abstrichen.

Trailer

FSK noch unbekannt

Originaltitel

Der Schimmelreiter (Deutschland 2025)

Länge

94 Minuten

Genre

Drama

Regie

Francis Meletzky

Drehbuch

Léonie-Claire Breinersdorfer, frei nach Theodor Storm

Kamera / Bildgestaltung

Bella Halben

Darsteller

Max Hubacher, Olga von Luckwald, Annette Frier, Elina Leitl, Nico Holonics, Lisa Hofer, Joshua Jagersberger, Till Firit, Ramona Kunze-Libnow, Christoph Glaubacker, Margarethe Tiesel, Harald Windisch, Kriemhild Hamann, Josephine Bloéb, Katharina Pichler, Imke Siebert, Emanuel Fellmehr, Stefanie Smits, Tim Ehlert

Verleih

Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.

Filmwebsite

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