Return to Silent Hill

05.02.2026

Der französische Regisseur Christophe Gans („Der Pakt der Wölfe“) kehrt zurück nach „Silent Hill“. 2006 hat er uns in die atmosphärische Horrorwelt des Ortes eingeführt – und das war durchaus gelungen, auch Fans des Computer-Franchise sehen das bis heute so. Nun, 20 Jahre später, hat Gans „Silent Hill 2“, das 2024 als Game ein Remake erfahren hat, in der Filmversion RETURN TO SILENT HILL nachgelegt!

Gans, der das Drehbuch zusammen Sandra Vo-Anh und Will Schneider verfasste, ist selber Fan des psychologisch komplexen Spiels „Silent Hill 2“ von Konami, das sich in einer düsteren Story mit Schuld und Reue beschäftigt. Der Franzose hat die Welt aus dem Computer teilweise fast 1:1 in die Filmwelt von RETURN TO SILENT HILL übernommen. Die Stadt und die Räumlichkeiten kommen den Nerds sicherlich bekannt vor. Nur, dass die CGI-Effekte nicht unbedingt state-of-the-art sind und die Filmcharaktere eigenartig schlecht sitzende Perücken und Bärte tragen müssen. Die Dialoge sind dann auch eher nicht lebensecht, sondern hölzern!

Der britische Schauspieler Jeremy Irvine („Gefährten“, „Die Liebe seines Lebens“) verkörpert die aus dem Computerspiel bekannte Figur James Sunderland, der mit seinem Cabriolet durch eine Berglandschaft kurvt. Er passt einen Moment nicht auf, ein Truck mit Holzstämmen lässt ihn ausweichen – und James streift die junge Mary Crane (die eher unbekannte kanadische Schauspielerin Hannah Emily Anderson), die dort gerade auf den Bus wartet. Zum Glück ist nichts passiert, nur ihre Koffer haben sich geöffnet, ihre Kleidung liegt verstreut auf der Straße. James hilft der mysteriösen Schönheit Mary, doch ein Koffer streikt erneut – und sie lässt den Bus sausen.

Das ist wohl Liebe auf den ersten Blick! Leider sieht das Ganze extrem unecht aus, sogar Soap Operas bieten mehr Naturalistik. Was hat Christophe Gans mit diesem Look bezweckt? Mary wollte gerade ihren Heimatort Silent Hill verlassen. Doch nun zeigt sie James diesen wunderschön idyllischen Ort von der Aussichtsplattform aus, wo eine Treppe direkt hinunter führt. Der Schönling folgt ihr nach Silent Hill und lernt die Einwohner und Freunde von Mary kennen, die sich teilweise recht eigenartig gegenüber dem Fremden verhalten. Er kommt einer Art Sekte auf die Spur und lässt Mary alleine zurück.

Einige Zeit später ist James nur noch ein saufendes Wrack, das mit seiner Schuld kaum leben kann. James hat einen Brief von Mary bekommen – und macht sich auf den Weg zurück nach Silent Hill. Viele haben die Stadt verlassen, auf alles fällt ein stetiger Ascheregen. Was ist passiert? Wird James hier Mary wiederfinden? Zunächst erkundet er die albtraumartige Welt. Er beobachtet Wesen, die sich tänzerisch durch die Straßen bewegen, dann aber gefährliche Flüssigkeiten verspritzen, die Körper wie Säure zersetzen – ein Obachloser muss dran glauben! So lernt James, sich zurechtzufinden in einer ungemütlichen Welt. Als nächstes vermehren sich Kakerlaken explosionsartig und verfolgen ihn.

James kann sich in den Wood-Side-Apartmentkomplex retten, wo er einst mit Mary lebte – und den die Gamer kennen sollten. Dort trifft er den brutalen und psychisch instabilen Eddie (Pearse Egan) und das Mädchen Laura (Evie Templeton, die diese Rolle auch im Spiel von 2024 verkörperte). James erfährt, dass Mary im Brookhaven Hospital ist und macht dann Bekanntschaft mit dem bedrohlichen Pyramid Head (Robert Strange), der Eddie in die Flucht schlägt. James geht es nicht gut – und er ist im stetigen Kontakt mit seiner Psychologin (Nicola Alexis), die sich Sorgen um ihn macht. Silent Hill verwandelt sich zurück, der Nebel lichtet sich und es regnet keine Asche mehr. James trifft auf Maria (auch: Hannah Emily Anderson), die Mary bis aufs Haar gleicht.

Immer wenn Sirenen ertönen gleicht Silent Hill nun einem von unheimlichen Kreaturen bevölkerten Höllenszenario, das wir mit James durchstreifen. Ist es Zufall, dass die Mädchen und Frauen, denen er begegnet alle seiner großen Liebe ähneln? Christophe Gans („Die Schöne und das Biest“) streut immer wieder Aufnahmen aus der Vergangenheit ein, von damals als James scheinbar glücklich mit Mary war – und noch seiner Malerei nachgegangen ist. Maria will James helfen und geht mit ihm zusammen ins Krankenhaus, wo weitere Gefahren lauern. So langsam beschleicht einen das Gefühl, es spielt sich alles nur im Kopf von James ab.

Immer wieder sehen und hören wir die Psychologin, während James durch die albtraumhaften Bildkompositionen wandelt. Dazu hören wir die unverwechselbaren Klänge von Originalkomponist Akira Yamaoka, der in RETURN TO SILENT HILL aber nicht wirklich etwas Neues beisteuert. Audiovisuell versucht sich Gans also an die Vorlage zu halten, doch die subtile Tiefe des Computerspiels in Sachen Symbolik und Metaphorik erreicht er nie. Die Rückblenden nerven irgendwann. Und die Sekten-Thematik hat Gans frei erfunden. Mary gewinnt so im Plot an Bedeutung, während im Spiel James der Dreh- und Angelpunkt war.

Gans variiert also die düstere Geschichte von „Silent Hill 2“, die etwa zwanzig Stunden des Spielers in Anspruch nimmt, während RETURN TO SILENT HILL sich nur 106 Minuten Zeit lässt. Der Film entwickelt eine eigentümliche Atmosphäre, die den Autor dieser Zeilen nicht ganz kalt lässt. Doch tiefenpsychologisch ist hier nicht mehr vorhanden, als nur ein Budenzauber, der meist auch noch schlecht aussieht. James kämpft mit seiner Schuld, will seine Trauer verarbeiten. Die inneren Dämonen lassen ihn nicht los! Er wünscht, er könnte Dinge ungeschehen machen. Dann hört er wieder die Stimme der Psychologin.

Die surrealen Bildwelten des Spaniers Pablo Rosso („Sleep Tight“, „[Rec]“) haben schon etwas, sie erinnern an die Giallos von Argento und Bava – und gemäß einer gewissen Traumlogik wandelt James auf dem Weg zu Mary sogar durch eine Galerie mit seinen eigenen Gemälden, auf allen ist Mary zu sehen. Der dänische Kameramann Dan Laustsen, der für Gans „Silent Hill – Willkommen in der Hölle“ fotografiert hat, war kurz vor dem Dreh zu RETURN TO SILENT HILL ausgefallen. Auch der amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Roger Avary, der das Skript des 2006er-Films verfasste, war wohl nicht abkömmlich. Gans hat den Dreh wie immer akribisch vorbereitet, aber seine Welt ist blutleer und die Akteure können schauspielerisch leider nicht überzeugen!

Christophe Gans („Crying Freeman – Der Sohn des Drachen“) wollte eine moderne Variante des Mythos von Orpheus und Eurydike schaffen. James muss in die Hölle hinabsteigen, um seine Geliebte wiederzufinden. Das macht er auch – und trifft dabei auf unzählige Monster. Die Welt wird leider auch von zu vielen NPCs (Nicht-Spieler-Charakteren) bevölkert, und so bleibt RETURN TO SILENT HILL irgendwie ein Computerspiel, bei dem aber leider die interaktiven Möglichkeiten fehlen!

Trailer

ab16

Originaltitel

Return to Silent Hill (Großbritannien / USA / Deutschland / Frankreich / Serbien 2025)

Länge

106 Minuten

Genre

Horror

Regie

Christophe Gans

Drehbuch

Sandra Vo-Anh, William Schneider, Christophe Gans

Kamera / Bildgestaltung

Pablo Rosso

Darsteller

Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Evie Templeton, Evie Macklin, Robert Strange, Pearse Egan, Emily Carding, Martine Richards, Howard Saddler

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Filmwebsite

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