Der Film der Woche

„Wuthering Heights“

Sturmhöhe

12.02.2026

Im Original-Trailer zu WUTHERING HEIGHTS – STURMHÖHE bekommen wir zu den Klängen von Charli xcx („Fall in love again and again“) ein schwülstiges Liebesdrama in symbolträchtigen Bildern vorgegaukelt. Doch die britische Regisseurin und Drehbuchautorin Emerald Fennell („Promising Young Woman“) erzählt in ihrer stark verkürzten Version des Emily Brontë-Klassikers „Sturmhöhe“ von einer toxischen Liebesbeziehung, die durchaus zeitgemäß ist.

„Sturmhöhe“ (Originaltitel: „Wuthering Heights“) ist der einzige Roman der englischen Schriftstellerin Emily Brontë (1818–1848). Das 1847 unter dem Pseudonym Ellis Bell veröffentlichte Jahrhundertwerk wurde vom viktorianischen Publikum weitgehend abgelehnt, heute gilt es als ein Klassiker der britischen Romanliteratur des 19. Jahrhunderts. Emerald Fennell, die auch als Schauspielerin aktiv ist („The Danish Girl“, „Barbie“), hat „Sturmhöhe“ als Mädchen gelesen – und möchte mit ihrer Version die eigenen Gefühle von damals transportieren. Die Britin besitzt ein gutes Gespür dafür, Geschichten überspitzt und bildgewaltig zu erzählen. Sie ist eine enge Freundin von Phoebe Waller-Bridge („Fleabag“) und war auch als Headautorin für die BBC-Serie „Killing Eve“ tätig.

Die renommierte britische Filmemacherin Andrea Arnold lieferte bereits 2011 mit „Wuthering Heights – Emily Brontës Sturmhöhe“ eine eigenwillige Adaption des Romans. An der Seite von Kaya Scodelario (Cathy) spielte James Howson als erster schwarzer Heathcliff-Darsteller in einer Filmversion des Stoffes. In dieser Version war der Dreck unter den Fingernägeln zu spüren! Emerald Fennell hat den Roman noch weiter runtergedampft auf die selbstzerstörerische Liebe zwischen den Stiefgeschwistern Catherine und Heathcliff. Viele Figuren des Romans lässt sie einfach weg. Und sie erzählt auch nur die halbe Geschichte. Dafür liefert sie in WUTHERING HEIGHTS – STURMHÖHE stark stilisierte Bilderwelten, die auch ein junges Publikum begeistern sollten!

Mr. Earnshaw (Martin Clunes) lebt mit seiner Familie auf einem abgelegenen Anwesen namens WUTHERING HEIGHTS – STURMHÖHE, das auf einer windgepeitschten Anhöhe der Hochmoore von Yorkshire liegt. Der biestige Familienvater fröhnt nicht nur alkoholischen Genüssen, sondern ist auch dem Glücksspiel nicht abgeneigt. Aber im Grunde hat er ein gutes Herz: Er rettet den Streuner Heathcliff (Owen Cooper; bekannt aus „Adolescence“) von der Straße und nimmt ihn bei sich auf. Sehr zur Freude seiner Tochter Catherine (überzeugend: Charlotte Mellington), die dem Jungen auch seinen Namen gibt. Der kann nämlich nicht Lesen und Schreiben. Sprechen ist zunächst auch keine seiner Stärken. Bald sind die beiden unzertrennliche Spielgefährten. Cathy unterrichtet zudem den schmuddeligen Jungen, der bald auch auf dem Hof mit anpacken muss!

Die Liebe der beiden ist zu spüren. Sie sind seelenverwandt. Doch einen Knecht zu heiraten, ist nicht standesgemäß. Also vertraut sich Catherine (jetzt: Margot Robbie) der intriganten Bediensteten Nelly Dean (Hong Chau) an: Der wohlhabende Edgar Linton (Shazad Latif) hat um ihre Hand angehalten. Und das eigene Anwesen verfällt zusehends. Heathcliff (jetzt: Jacob Elordi) lauscht an der Tür, Nelly bekommt das mit. Catherine hat den Antrag von Edgar angenommen. Heathcliff packt seine Sachen und verschwindet zu Pferde und ward nicht mehr gesehen! Catherine bläst Trübsal und verschiebt die Hochzeit soweit es geht. Doch dann zieht sie als Frau Linton in das feudale, im fruchtbaren Tal gelegene Herrenhaus Thrushcross Grange.

Dort lernt Catherine kennen, was Dekadenz bedeutet. Edgars Schwester Isabella Linton (Alison Oliver) hat einen Raum nur für ihre Haarbänder. Doch den räumt sie freiwillig beim Einzug von Catherine. Isabelle hat dort nun Kleider gehortet, die sie für ihre Schwägerin persönlich ausgesucht hat. Und sie hat fürs Puppenhaus eine kleine Version von Catherine gebastelt, mit deren echten Haaren (aus der Bürste gesammelt, mit der sie Cathy frisiert hat). Etwas gruselig! Edgar hingegen hat das Schlafgemach der Dame hautfarben tapezieren lassen: die Adern und die Sommersprossen, selbst ein Muttermal sind Catherine detailgetreu nachempfunden. Die tollsten Kleider und der teuerste Schmuck verstehen sich natürlich von selbst! Alleine diese Pracht anzuschauen, ist ein Genuss. Kameramann Linus Sandgren fängt in WUTHERING HEIGHTS – STURMHÖHE die Kostüme und Kulissen fast körperlich erfahrbar in aussagekräftigen 35-Millimeter-Aufnahmen ein. Auch die von Wind und Nebel durchdrungene Moorlandschaft wird sowohl sinnlich eingefangen als auch gespenstisch in Szene gesetzt.

Als Heathcliff Jahre später zurückkehrt, nimmt das Drama seinen Lauf. Der ehemalige Straßenjunge hat etwas aus sich gemacht – und tritt herausgeputzt wieder in Erscheinung. Er hat WUTHERING HEIGHTS – STURMHÖHE käuflich erworben und duldet dort Mr. Earnshaw, den er allerdings durch freundliche Alkoholspenden zusehends zugrunde richtet. Catherine ist zwar schwanger von Edgar, doch sie geht trotzdem eine heiße Affäre mit ihrem Stiefbruder ein. Der weiß auch nichts von der Schwangerschaft. Und Edgar verbietet Cathy, dass sie Heathcliff weiterhin trifft. Der Abgrund ist nahe als auch noch Isabelle in das Spiel hineingezogen wird. Sie weiß, Heathcliff liebt sie nicht. Doch die beiden heiraten – und er erniedrigt sie wie einen Hund und legt sie an Ketten. Hier ist der Gedanke an „Fifty Shades Of Grey“ nicht ganz so weit hergeholt.

Von der einstigen Liebe und Seelenverwandtschaft ist irgendwann nicht mehr viel zu spüren. Was hier abgeht ist: toxisch! Die britische Filmemacherin Emerald Fennell, die 2021 mit einem Oscar für das beste Originaldrehbuch zu ihrem Regiedebüt, dem #MeToo-Rache-Thriller „Promising Young Woman“, ausgezeichnet wurde, hat WUTHERING HEIGHTS – STURMHÖHE klug verdichtet und eine epische Liebesgeschichte ins Zentrum gestellt, die zum Scheitern verurteilt ist. Die australischen Hollywood-Stars Margot Robbie („I, Tonya“, „Barbie“, „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“) und Jacob Elordi („Saltburn“, „Priscilla“, gerade oscar-nominiert für „Frankenstein“) überzeugen nicht wirklich in kunstvollen, symbolisch aufgeladenen Bildkompositionen.

Sexualisiert wird zwar einiges in WUTHERING HEIGHTS – STURMHÖHE (Catherine steckt ihren Finger in den Mund eines in Aspik eingelegten Fisches oder bei einer Hinrichtung hat der Erhängte einen Ständer), doch schmutzigen Sex gibt es nicht zu sehen. In dieser Hinsicht wird vieles nur angedeutet. Der eigens von Charli xcx komponierte Soundtrack hat nur noch wenig mit dem stilisierten Hyper-Pop ihrer „brat“-Ära gemein – dies ist ein echter, neuzeitlicher Score (mit dezent verfremdetem Gesang) inklusive Streichorchester. Feinfühlig und toll! Dennoch liefert Emerald Fennell in ihrer Verfilmung von „Sturmhöhe“ nur oberflächliche Reize und campy Vibes, Brontë-Puristen werden eher nicht begeistert sein. Das hier ist ein Event-Movie zum Valentinstag!

Trailer

ab16

Originaltitel

"Wuthering Heights" (USA 2026)

Länge

136 Minuten

Genre

Drama / Romanze

Regie

Emerald Fennell

Drehbuch

Emerald Fennell, nach dem Roman von Emily Brontë

Kamera / Bildgestaltung

Linus Sandgren

Darsteller

Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau, Shazad Latif, Alison Oliver, Martin Clunes, Ewan Mitchell

Verleih

Warner Bros. Entertainment GmbH

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