Once Upon a Time In Gaza

12.02.2026

Die palästinensischen Filmemacher und Drehbuchautoren Arab und Tarzan Nasser („Gaza mon Amour“) haben sich etwas verhoben an ihrem Tarantino-Verschnitt ONCE UPON A TIME IN GAZA. Zwischen Thriller, Buddy Movie und Komödie angesiedelt, zeichnen die Zwillingsbrüder ein satirisches und zugleich authentisches Porträt von Gaza-Stadt.

Im Jahr 2007 freunden sich der junge, zurückhaltende Student Yahya (Nader Abd Alhay) und der lebensfrohe Restaurantbesitzer Osama (Majd Eid) an. Gemeinsam verticken sie Falafel-Taschen mit Drogenfüllung. Die verschreibungspflichtigen Pillen erschleicht sich Osama von Ärzten, dann werden sämtliche Apotheken angesteuert, damit niemand Verdacht schöpft. Bald jedoch bekommen sie es mit dem korrupten Polizisten Abou Sami (Ramzi Maqdisi) und dessen übergroßem Ego zu tun. Für Osama endet das tödlich! Yahya muss das mit ansehen.

Jahre später wird Yahya für den ersten palästinensischen Action-Film als Hauptdarsteller entdeckt. Er spielt einen heroischen Kämpfer. Einen Märtyrer. Das Propagandastück wird finanziert von der Hamas und ist ausgestattet mit echten Waffen. Denn Geld für Spezialeffekte gibt es nicht! Ein Minister äußert sich in ONCE UPON A TIME IN GAZA wie folgt: „Filme in Gaza zu machen ist wie im Widerstand zu sein. Die Werkzeuge sind anders, aber das Ziel ist dasselbe.“ Abou Sami ist unterdessen die Erfolgsleiter bei der Polizei hochgeklettert (er hat den Drogen den Kampf angesagt) – und die Wege der beiden kreuzen sich erneut, ein Psychokrieg nimmt seinen Lauf.

Die Zwillingsbrüder Arab und Tarzan Nasser (die das Drehbuch zusammen mit Amer Nasser und Marie Legrand verfassten) wollen ein authentisches Bild von Gaza-Stadt zeigen (gedreht wurde allerdings in Jordanien), jenseits von dem, was wir aus den Nachrichten kennen. Das fängt Kameramann Christophe Graillot („Rückkehr zum Land der Pinguine“) auch gut ein, doch ONCE UPON A TIME IN GAZA möchte dazu noch Satire und Western sein. Manchmal ist das urkomisch, teilweise warmherzig (wenn es um die Freundschaft zwischen Osama und Yahya geht) und dann auch wieder schwer zu ertragen. Die Nassers lieben das Kino und seine Geschichte, das merken wir. Doch der Stil-Mix offenbart auch Probleme: Das wahre Leben der Palästinenser zu zeigen ist wirklich ehrenwert, doch die Genrehandlung arbeitet dagegen an!

Nach „Dégradé“ (2015) und „Gaza mon Amour“ (Filmfest Hamburg 2020) ist ONCE UPON A TIME IN GAZA der dritte Spielfilm von Arab und Tarzan Nasser, die beide Bildende Kunst an der al-Aqsa-Universität in Gaza studierten. Bei den Filmfestspielen von Cannes gewannen sie den Preis für die beste Regie in der Sektion »Un Certain Regard«. Auch auf dem Filmfest Hamburg wurde der kurzweilige Film 2025 aufgeführt. Die Hauptdarsteller Nader Abd Alhay, Majd Eid und Ramzi Maqdisi spielen gut, weibliche Charaktere sind aber quasi nicht vorhanden, Frauen kommen lediglich in der Fantasie der Männer vor. Die Nassers dazu: „Das Fehlen von Frauen im Film spiegelt tatsächlich ein Leben wider, das unausgeglichen und emotional fragmentiert erscheint.“

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Once Upon a Time In Gaza (Frankreich / Palästina / Deutschland / Portugal / Katar / Jordanien 2025)

Länge

90 Minuten

Genre

Drama

Regie

Tarzan Nasser, Arab Nasser

Drehbuch

Tarzan Nasser, Arab Nasser, Amer Nasser, Marie Legrand

Kamera / Bildgestaltung

Christophe Graillot

Darsteller

Nader Abd Alhay, Ramzi Maqdisi, Majd Eid

Verleih

Immer Gute Filme Filmdistribution

Filmwebsite

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