White Bird

11.04.2024

Mit WHITE BIRD versucht Regisseur Marc Forster, an den großen Erfolg von „Wunder“ anzuknüpfen – leider mit mässigem Erfolg…

New York, Gegenwart: Julian (Bryce Gheisar) ist wegen Mobbings von seiner Schule verwiesen worden. Seine Großmutter Sara (Helen Mirren) möchte ihrem Enkel helfen und beschließt daher, ihm zum ersten Mal die Geschichte ihrer eigenen Jugend zu erzählen. Sie spricht selten darüber, doch jetzt ist es ihr wichtig, um in Julian etwas zu verändern. Die Erzählung beginnt in Frankreich Anfang der 1940er Jahre. Sara wächst glücklich und behütet im kleinen Ort Aubervilliers aux Bois in Frankreich auf. Mit der Besetzung des Landes durch die deutschen Truppen ändert sich das schlagartig. Deutsche Soldaten durchsuchen Saras (Ariella Glaser) Schule nach jüdischen Kindern. Dank der Hilfe ihres Mitschülers Julien (Orlando Schwerdt) gelingt Sara die Flucht. Julien bringt Sara bei seinen Eltern (Gillian Andersen und Jo Stone-Fewings) in Sicherheit, und die Familie versteckt das Mädchen in ihrer Scheune. Mehr als ein Jahr vergeht und zwischen Sara und Julien entsteht eine tiefe Freundschaft. In dieser Zeit wird die Scheune zu einem magischen Zufluchtsort. Die beiden schaffen sich darin durch die Macht der Fantasie eine eigene Welt. Doch die Gefahr der Entdeckung ihres Verstecks rückt unerbittlich näher.

In seinem Film „Wunder“ erzählte Regisseur Marc Forster 2018 die Geschichte des Gesichts-deformierten Fünftklässlers Auggie, der zum ersten Mal auf eine normale Schule kommt. Dort wird er von Julian Albans (Bryce Gheisar) gemobbt, der draufhin von der Schule fliegt. WHITE BIRD erzählt nun die Geschichte dieses Jungens, nachdem er vom Rektor suspendiert wurde. Das ist dann aber auch die einzige Verbindung zu „Wunder“ – ein bisschen mager für meine Begriffe.

Und wer sich jetzt auf die wunderbare Helen Mirren freut, der sollte wissen, dass diese ihrem Enkel Julian (erneut gespielt von Bryce Gheisar) zwar die Geschichte ihrer Jugend erzählt, um in ihm ein wenig Menschlichkeit hervorzurufen, dafür aber nur in ein paar wenigen Szenen zu sehen ist. Das ist nicht weiter schlimm, jedoch könnten Trailer und Plakat hier womöglich falsche Hoffnungen erwecken.

Die eigentliche Geschichte, zu der Mark Bomback das Drehbuch geschrieben hat – basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von R.J. Palacio –, erzählt Forster dann leider extrem rührselig und immer mit erhobenem Zeigefinger. Dabei leisten die Darsteller jederzeit gute Arbeit und die Story macht immer wieder deutlich, wie menschenverachtend die Nazi-Ideologie doch ist. Das ist gerade in der heutigen Zeit immens wichtig und unablässig.

Das Problem des Films ist jedoch, dass Marc Forster seinem Publikum extrem wenig zutraut. Dinge, die sich offensichtlich aus den Bildern ergeben, müssen auch noch in den Dialogen wiederholt werden. Und der titelgebende weiße Vogel als Zeichen des Friedens wird sogar noch überdurchschnittlich oft wiederholt und erläutert. Hier wäre etwas weniger deutlich mehr gewesen.

Und so verlässt man nach gut zwei Stunden das Kino zwar nicht vollends verärgert, wünscht sich jedoch, das Forster irgendwann das Vertrauen in sein Publikum zurückgewinnt…

Trailer

ab12

Originaltitel

White Bird: A Wonder Story (USA 2023)

Länge

122 Minuten

Genre

Drama / Historie

Regie

Marc Forster

Drehbuch

Mark Bomback

Darsteller

Ariella Glaser, Orlando Schwerdt, Gillian Anderson, Helen Mirren, Bryce Gheisar, Jem Matthews, Ishai Golan, Olivia Ross, Jo Stone-Fewings

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Filmwebsite

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