Strange World

24.11.2022

Pandemiebedingt landeten die bei Groß und Klein sehr beliebten Disney Weihnachts-Animationsfilme in den vergangenen Jahren leider direkt im Streaming. Mit STRANGE WORLD wagt das Regie-Duo Don Hall und Qui Nguyen nun einen wirklich abgefahrenen Trip zurück auf die große Kinoleinwände.

Das von scheinbar unüberwindbaren Bergen umgebene fiktive Land Avalonia dümpelt so ein wenig in seinem Dasein dahin. Der angestrebte Fortschritt und der daraus folgende Wohlstand wollen sich bedingt durch die unfreiwillige Isolation nicht einstellen. So macht sich ein Erkundungsteam um den legendären Jaeger Clade und seinen Sohn Searcher in die hohen Berge auf, um endlich eine passierbare Route zu finden. Auf dem Weg über die total vereisten Gipfel stellt sich schnell heraus, dass die individuellen Expeditionsteilnehmer durchaus unterschiedliche Ansichten darüber haben, was wichtig ist und was nicht. Als Searcher Clade versehentlich die Früchte einer neongrüne Pflanze berührt, trifft ihn eine elektrische Ladung. Die Pflanze produziert Energie, die sie in ihren Früchten ablagert. Der Sohn ist begeistert, denn durch die Pflanze, die er Pando tauft, wären Avalonias Energie-Probleme von einen Tag auf den anderen beseitigt. Leider ist dieser Fund nicht das, was Jaeger Clade sich von der Expedition versprochen hat, schließlich ist der Weg über die gigantisch hohen Berge immer noch nicht gefunden. So kommt es zum Streit an deren Ende sich die anderen Expeditionsteilnehmer unter der Leitung der feschen Callisto Mal auf die Seite von Searcher stellen und gegen Jaeger Clade. Der frustrierte Senior läuft wütend in die schneetreibende Landschaft, während sich sein Sohn und die Anderen nebst Pando-Pflanzen auf den Weg zurück nach Avalonia machen. Jaeger Clade hingegen kehrt nie wieder zurück.

Fünfundzwanzig Jahre später ist Avalonia nicht wiederzuerkennen. Die Pando-Pflanze hat überall das Wachstum und den Fortschritt gebracht, wie Searcher Clade es prognostiziert hat. Er selbst ist Pando Farmer geworden und mit der Agrarpilotin Meridian verheiratet. Beide haben einen Teenagersohn namens Ethan, sowie einen dreibeinigen wuscheligen Hund Legend, der das Familienglück komplettiert. Diese ländliche Idylle gerät jedoch aus den Fugen, als Searcher und Meridian entdecken, das die Pando Ernte nicht mehr die Energie abwirft wie bisher und die Kugeln schneller verderben. Bevor sie herausfinden können, was die Ursache für diese Veränderung ist, landet ein großes Flugschiff mit Callisto Mal, die inzwischen zur Präsidentin von Avalonia aufgestiegen ist. Diese hat keine guten Nachrichten, denn es scheint als ob sich eine Art Krankheit rasant schnell bei allen Pando Pflanzen ausbreitet. Avalonias neu gewonnener Wohlstand steht auf dem Spiel. Searcher Clade ist entsetzt, war alles umsonst? Callisto Mal appelliert an seine Kenntnisse durch die vielen Expeditionen mit seinem verschollenen Vater und schafft es, seinen Widerstand gegen die Rettungsmission zu brechen. Zur Überraschung von Searcher und Meridian will sich auch Ethan dem Trip anschließen, was sein Vater jedoch vehement ablehnt. So bricht die Crew auf, um die Ursache für das Pando-Pflanzen-Sterben zu entschlüsseln. Gleich zu Beginn läuft die Mission vollends aus dem Ruder, besonders als man an Bord zwei blinde Passagiere entdeckt. Als dann noch Meridian Clade mit ihrem Flugschiff auftaucht, gerät alles außer Kontrolle und man schafft es nur ganz knapp, heil in einer komplett unbekannten Welt zu landen. Unter diesen völlig anderen Wesen und Gestalten ist guter Rat teuer, denn ein Weg heraus oder zurück scheint unmöglich. Wie soll man jetzt Avalonia und die Pando-Pflanzen retten?

Da ist er endlich, Disneys Weihnachtsfilm 2022, der alle Zuschauer in das fiktive Shangri-La ähnliche Avalonia entführt. Eine Welt voller Harmonie und Frieden in der die Gemeinschaft in Ausgewogenheit ihr Leben lebt. Themen wie Inklusion, Diversität, Mehrgenerationen, LGBTQ+ etc. gehören einfach zur Tagesordnung spielen zum Glück in Avalonia (Avalon, der legendäre Ort aus der Artus-Mythologie läßt grüßen) keine Rolle. Man ist und lebt, wie man ist. Aber, was wäre ein wokes Paradies, wenn es keine signifikante Bedrohung dieser Idylle gäbe? Genau: langweilig. Also geht es auf eine phantastische Indiana-Jones-Jules-Verne-Abenteuerreise an deren Ende alles auf den Kopf gestellt wird.

Puh, da hat das Regie-Duo Don Hall und Qui Nguyen dieses Mal richtig viele gesellschaftlich relevante Themen in eine Filmgeschichte gepackt. Zu viele? STRANGE WORLD – laut eigenem Werbeslogan das verrückteste Disney Abenteuer aller Zeit überrascht mit einer Handlung in der es leider einige Ungereimtheiten, aber keinen richtigen Bösewicht gibt. Im Gegenteil: An einer Stelle macht man sich sogar darüber lustig, weil man meint, es bedarf keines Bösewichts, um eine gute Story zu erzählen. Und genau da liegt die Crux der Geschichte, sie will ein wenig zu viel und weicht zu sehr von dem ab, was den Disney Weihnachtsfilm so groß, einzigartig und berühmt gemacht hat.

Dem gegenüber steht die atemberaubenden Animationstechnik von STRANGE WORLD, die weltweit in dieser Qualität ihres Gleichen sucht. Doch leider ist oft zu viel einfach zu viel. Jede Menge witzige Einzelideen gehen in einer Flut von noch nie so dagewesenen Effekten unter. Die zwei mit viel Liebe entwickelte Sidekicks, der dreibeinige Hund Legend und das ultramarine Wesen Platsch, reißen als non-verbale Figuren viel raus, schaffen es aber auch nicht, diese als große Hommage an die Abenteuercomics der 1950er, 1960er und 1970er Jahre gedachte Geschichte vollends zu retten. So ist STRANGE WORLD mit all seinen begrüßenswerten Ambitionen leider nicht der ganz große Wurf geworden.

So oberkitschig und nostalgisch es klingt, aber ein Kino Weihnachtsfilm sollte vor allem kleine Kinder (und deren Begleiter) glücklich machen und durch die hoffentlich zauberhafte Zeit der Feiertage begleiten. So entstehen glückliche Kinderaugen und jede Menge positive Erinnerungen.

Interview

Etwa zwei Monate vor dem Kinostart hat Produzent und Disney-Legende Roy Conli (Oscar-Gewinner für „Baymax “ und „Raya und der letzte Drache“) in Berlin erste Ausschnitte aus dem Film präsentiert. Wie viel Spaß er dabei u.a. an dem deutschen Namen „Platsch“ hatte, zeigt unser Interview, das nochnfilm.de-Chefredakteur Michael Spangenberg mit ihm im Anschluss an die Präsentation geführt hat.

Trailer

ab6

Originaltitel

Strange World (USA 2022)

Länge

102 Minuten

Genre

Abenteuer / Animation / Familie

Regie

Don Hall, Qui Nguyen

Drehbuch

Qui Nguyen

Original-Stimmen

Jake Gyllenhaal, Alan Tudyk, Gabrielle Union, Dennis Quaid, Lucy Liu, Jaboukie Young-White

Deutsche Stimmen

Dennenesch Zoudé

Verleih

Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Filmwebsite

» zur Filmwebsite

Weitere Neustarts am 24.11.2022