Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

Kinostart: 02.09.2021

ab12 OT: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings (USA 2021)
Länge: 133 Minuten
Genre: Action / Fantasy
Regie: Destin Daniel Cretton
Drehbuch: Destin Daniel Cretton, Dave Callaham, Andrew Lanham
Darsteller: Simu Liu, Tony Leung, Awkwafina, Fala Chen, Meng’er Zhang, Florian Munteanu, Ronny Chieng, Michelle Yeoh
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Dass Marvel noch viel mehr in petto hat als Iron Man, Hulk und all die anderen Avengers, ist vielleicht (noch) nicht allen Kinogängern klar. Mit SHANG-CHI AND THE LEGEND OF THE TEN RINGS sollte sich das aber spätestens ändern. 

Mit dem Film wagt sich das Studio an eine fernöstliche Geschichte und präsentiert den ersten asiatischen Marvel-Superhelden. Der einzige Wermutstropfen besteht lediglich darin, dass es bis hierhin stolze 24 Blockbuster brauchte. Das Ergebnis kann sich aber wirklich sehen lassen. Dafür verantwortlich ist natürlich der Regisseur Destin Daniel Cretton, der hier sein Marvel-Debut gibt. Als dies erstmals bekannt gegeben wurde, war mir klar, dass das Ergebnis sicherlich keine Enttäuschung sein wird. Denn Cretton bewies bereits 2013 mit „Short Term 12„, dass er ein exzellentes Händchen für gutes Storytelling besitzt. In seinem Film arbeitete er bereits mit Brie Larson zusammen, die inzwischen ebenso zum Marvel-Universum gehört. Dass er keine Eintagsfliege ist, zeigte Cretton dann mit seinen weiteren Filmen „Schloss aus Glas“ („The Glass Castle“, 2017), ebenfalls mit Brie Larson) und „Just Mercy“ (2020) Was sollte dabei also schon schiefgehen? Richtig! Absolut nichts!

Sean (Simu Liu) arbeitet in Los Angeles als Hotel-Parkservice-Mitarbeiter, als er im Bus plötzlich von einer Reihe von Attentätern angegriffen wird. Zwar kann er sie – ganz zur Überraschung seiner allerbesten Freundin Katy (Awkwafina) – einigermaßen in Schach halten, sie entwenden ihm jedoch ein Medaillon, dass er einst von seiner Mutter erhalten hatte. Umgehend machen sich beide auf zu Seans Schwester Xialing (Meng’er Zhang) nach Macau, um diese zu warnen, dass sie vermutlich das nächste Opfer sein dürfte. Es stellt sich heraus, dass Sean in Wirklichkeit Chang-Chi ist, der Sohn des mächtigen Xu Wenwu (Tony Leung), dem gefürchteten Anführer der Ten-Rings-Organisation. Jetzt bleibt Shang-Chi nichts anderes übrig, als sich seiner eigenen Vergangenheit stellen, um seinen Vater zu stoppen, bevor es zu spät ist…

In SHANG-CHI AND THE LEGEND OF THE TEN RINGS fährt Marvel natürlich wieder die gleichen großen Geschütze auf und zeigt uns epischen Schlachten in übermenschlichem Ausmaß. Dem Ganzen steht jedoch eine äußerst interessante und gut erzählte Geschichte gegenüber, die gekonnt zwischen Ernsthaftigkeit und Komik changiert. Zudem findet Cretton immer wieder das nötige Maß an echten Stunts, so dass man sich als Zuschauer trotz der animierten Drachen nicht in einem einzigen CGI-Gewitter wähnt. 

Zugleich verbeugt sich der Film vor chinesischen Meisterwerken wie „Tiger & Dragon“ („Crouching Tiger, Hidden Dragon“, 2000), was besonders in der Erzählung der Backstory deutlich wird, aber auch durch das Casting der großartigen Michelle Yeoh. Aber auch Tony Leung erweist sich als perfekte Besetzung als Shang-Chis Vater Xu Wenwu, kennt man den Schauspieler doch bereits aus Filmen wie beispielsweise „In the Mood For Love“ (2000) von Wong Kar-Wei.

Cretton zeigt mit seinem Film, dass er es wie kein anderer versteht, mehrschichtige Figuren anzulegen – gerade im Marvel-Universum fast schon eine Art Novum. Allein die Blicke zwischen Katy und Chang-Chi, die scheinbar zufälligen Berührungen, deuten an, dass zwischen den beiden noch viel mehr brodelt als eine rein platonische Freundschaft. Und Tony Leungs Figur kann man fast als den besten Marvel-Bösewicht bezeichnen. Allein schon, weil man als Zuschauer seine allzu menschlichen Beweggründe nachvollziehen kann. All diese kleinen Elemente machen SHANG-CHI AND THE LEGEND OF THE TEN RINGS zu einem echten Highlight, dem man die Handschrift des Regisseurs deutlich ansieht. Das stärkt die Hoffnung, dass das nächste Marvel-Abenteuer „Eternals“ im November ähnlich überzeugend wird. Schließlich steht dort Chloé Zhao hinter der Kamera, die gerade erst mit „Nomadland“ eine mehr als überzeugende Leistung an den Tag gelegt hat.

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Filmplakat

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