Send Help

29.01.2026

Mit SEND HELP kehrt Horror-Altmeister Sam Raimi zu seinen Wurzeln zurück, mag man glauben. Doch leider liefert er nur ein „Lost“ für Fussgänger ab.

Eigentlich ist Linda Liddle (Rachel McAdams) der Inbegriff der grauen Maus: etwas unbeholfen, altmodisch gekleidet, aber in der Firma, in der sie arbeitet, unersetzlich. Ihr Gespür für Zahlen hat ihrem Chef so manches Mal den Allerwertesten gerettet. Doch jetzt ist der Chef verstorben und sein Sohn Bradley Preston hat das Ruder übernommen. Jetzt scheint ihre Stunde zu schlagen, denn Bradleys Vater hatte ihr in diesem Fall den Posten des Vizepräsidenten versprochen. Doch, welch Überraschung, die Position geht an den besten Kumpel von Bradley, gerade einmal ein halbes Jahr im Unternehmen. Allerdings gibt Bradley Linda noch eine Chance und nimmt sie mit zu einem wichtigen Treffen nach Bangkok.

Unterwegs gerät das Flugzeug in Turbulenzen und stürzt ins Meer. Nur Linda und Bradley überleben das Unglück und stranden auf einer kleinen Insel. Während sich Bradly aufgrund eines verletzten Beins nicht bewegen kann, sorgt Linda allein in Survivor-Manier für Essen, Wasser, Feuer und ein Dach über dem Kopf. Die Rettung lässt auf sich warten, und irgendwann stellt sich die Frage, ob Linda überhaupt gerettet werden möchte…

Die Prämisse ist sicherlich nicht neu: Flugzeugabsturz, einsame Insel, Überlebenswille – all das sind die typischen Zutaten eines Films dieser Gattung. Sam Raimi, einst bekannt für seinen diabolischen Horror in „Tanz der Teufel“ (1981) oder „Drag Me to Hell“ (2009), aber auch die erste Spiderman-Trilogie (2002–2007) mit Tobey Maguire, kehrt mit SEND HELP gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück – oder versucht es zumindest. Denn der Film ist leider alles andere, als ein würdiger Vertreter des Survival-(Horror-) Genres.

Das beginnt schon mit der Einführung von Rachel McAdams Figur Linda Liddle, denn diese ist so übertrieben auf graue, tölpelnde Maus getrimmt, dass jeder Filmkenner genau weiß, wohin die Reise geht. Und da sie blutüberströmt auf dem Plakat zu SEND HELP zu sehen ist, ist das auch kein Geheimnis, um das wir an dieser Stelle einen großen Bogen machen sollten. Zudem sind die Rollen so klar verteilt, dass wir als Zuschauer in Bezug auf die Sympathieverteilung ganz klar in ihre Richtung gedrängt werden. Manipulation at it‘s best.

Spätestens wenn nach dem gerade noch okayen CGI-Flugzeugabsturz ein sichtlich digitales Wildschein die Bildfläche betritt, ist es mit der Natürlichkeit der Insel dahin. Das sieht bei der Geschichte selbst nicht anders aus: Alles in SEND HELP ist viel zu vorhersehbar, als dass wir noch überrascht werden – von ein oder zwei Jumpscares mal abgesehen. Immerhin gibt es hier und dort ein paar (relativ) gute Gags, aber das war es dann auch schon. Am Ende nimmt SEND HELP jedoch eine Wendung zu viel und lässt uns unser Mitgefühl mit Linda noch einmal überdenken. Oder doch nicht? Ach, egal.

Am Ende bleibt von SEND HELP nicht mehr übrig, als eine krude Mischung aus „Cast Away“ und ein wenig „Lost“. Und das reicht leider nicht für einen zufrieden stellenden Kinobesuch…

Trailer

ab16

Originaltitel

Send Help (USA 2025)

Länge

114 Minutenb

Genre

Horror / Thriller / Komödie

Regie

Sam Raimi

Drehbuch

Damian Shannon, Mark Swift

Kamera / Bildgestaltung

Bill Pope

Darsteller

Rachel McAdams, Dylan O‘Brien Edyll Ismail, Xavier Samuel, Chris Pang, Dennis Haysbert, Thaneth Warakulnukroh, Emma Raimi

Verleih

Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Weitere Neustarts am 29.01.2026