Romans

Malky (Orlando Bloom), ein Abrissarbeiter in den Dreißigern, kehrt in seine Heimatstadt zurück, um dort die Kirche abzureißen, in der er einst als Zwölfjähriger missbraucht wurde. Er beginnt eine sexuelle Beziehung mit Emma, die jedoch gefühlsmäßig kalt lässt und wird immer wieder in Schlägereien verwickelt. Die Auswirkungen seines Missbrauchs haben sich tief in seinem Innern festgesetzt und als er plötzlich auf den verantwortlichen Priester trifft, muss er sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. 

Kritik

Nach ihrem ersten Film THE PYRAMID TEXTS (jetzt erhältlich bei iTunes) kehren die Brüder Paul und Ludwig Shammasian erneut zum Edinburgh International Film Festival und legen mit ROMANS einen starken Film vor, der einen tragischen Hintergrund hat und beim Zuschauer noch sehr lange nachhallt.

Das Grundgerüst der Films ist autobiographisch und erzählt die Geschichte des Drehbuchautors Geoff Thompson, wie er mir im Interview verraten hat. Thompson selbst wurde als 12-jähriger von einem Priester missbraucht, was dazu führte, dass er extrem gewalttätig wurde, Kampfsport betrieben und jahrelang als Türsteher gearbeitet hat. Erst durch den kreativen Prozess des Schreibens hat er einen Weg gefunden, mit seiner Wut umzugehen. Inzwischen hat er mehr als 40 Bücher geschrieben, die in über 20 Sprachen übersetzt worden sind, sowie fünf Drehbücher und drei Bühnenstücke. Irgendwann hat Thompson seinen Peiniger dann in einem Café wiedergetroffen und wurde so mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Obwohl er aufgrund seiner Statur diesen Menschen ohne Probleme hätte töten können, erkannt er in diesem Moment, dass dies das Problem nicht lösen würde. Also hat er ihm vergeben, was wesentlich mächtiger war und dadurch konnte der Heilungsprozess überhaupt erst starten.

Jahrelang wollte Thompson über das Thema nicht sprechen, bis ihn die Brüder Paul und Ludwig Shammasian dazu gebracht haben. Ihnen vertraute er, schließlich hatten sie bereits bei THE PYRAMID TEXTS erfolgreich zusammengearbeitet. Herausgekommen ist ein Film, der kaum eindringlicher sein könnte. 

Orlando Bloom – man mag es kaum glauben – legt hier die Performance seines Lebens hin – dabei hasse ich eigentlich diese Redewendung, aber hier trifft sie schlicht und ergreifend zu. Vergesst die großen Blockbuster wie PIRATES OF THE CARIBBEAN oder seichte Komödien die ELIZABETHTOWN – In ROMANS kann Bloom endlich einmal zeigen, wie viel mehr noch in ihm steckt. Allein durch seine Mimik und Gestik gelingt es ihm, dass wir jeden einzelnen Schmerz in ihm mitfühlen und mitempfinden. Kein Wunder, dass Bloom diesen Film unbedingt drehen wollte und mit seiner eindrucksvollen Vorbereitung auf die Rolle selbst die beiden Regisseure überrascht hat.

Selten hat mich ein Film so mitgenommen und überzeugt, wie ROMANS. Obwohl ich – da THE PYRAMID TEXTS 2015 zu meinen Lieblingsfilmen in Edinburgh zählte – hohe Erwartungen hatte, wurden diese noch weit übertroffen. Ein Film, der zeigt, was ein Missbrauch aus einem Menschen macht und welch unbeschreibliche Macht der Kraft der Vergebung innewohnt. 

Interview

Beim Edinburgh International Film Festival hatte ich die Möglichkeit, mit den Regisseuren Paul und Ludwig Shammasian, sowie dem Drehbuchautor Geoff Thompson über den Film zu sprechen. das Interview erscheint in Kürze an dieser Stelle. 

Im Rahmen der Berichterstattung
FSK noch unbekannt

Originaltitel

Romans (Großbritannien 2017)

Länge

91 Minuten

Genre

Drama

Regie

Paul und Ludwig Shammasian

Drehbuch

Geoff Thompson

Darsteller

Orlando Bloom, Janet Montgomery, Charlie Creed-Miles, Anne Reid, Alex Ferns, James Smillie

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