In Frankreich kennt ihn jeder – den gebürtigen Polen Jan Bojarski, den genialsten Geldfälscher seiner Epoche. 13 Jahre lang druckte und vertrieb er verblüffend echte Geldscheine im Verborgenen – bis er durch einen Zufall enttarnt wurde. Bei seiner Verhaftung nannte ihn die Presse den „Cézanne des Falschgeldes“. Jetzt hat Regisseur Jean-Paul Salomé mit DER PERFEKTE SCHEIN – DER FALL BOJARSKI dessen Leben stilecht verfilmt.
Es beginnt wie in einem Gangsterfilm: Eine schwer bewaffnete Verbrecherbande überfällt auf einer einsamen Straße mitten im Wald einen von zwei Motorrad-Polizisten geschützten Geldtransporter. Nach einem heftigen Schusswechsel liegen mehrere Leichen auf der Straße, und ein schmächtiger, bislang unbeteiligter Mann befingert die Beute: nicht etwa Geldscheine, sondern unbedrucktes Papier, aus dem erst später Banknoten werden sollen. Der Mann heißt Jan Bojarski (Reda Kateb) und ist der Geldfälscher der Bande. Natürlich interessiert er sich für die Wasserzeichen und die Konsistenz des Papiers.
Anfang der 1950er-Jahre löst sich Jan von der Bande und wird bürgerlich. Beim Tanzen verliebt er sich in Suzanne (Sara Giraudeau), heiratet sie und bekommt eine Tochter. Er behauptet, in seiner eigenen Werkstatt hinter dem Haus als ausgebildeter Ingenieur geniale Erfindungen zu entwickeln – wie Kugelschreiber, Deoroller oder eine ganz besondere Kaffeemaschine. Suzanne könne ihm bei den Patentanmeldungen helfen.
Doch versteckt hinter einem verschiebbaren Wandschrank baut er sich eine Fälscherwerkstatt auf – komplett in Eigenarbeit, die er im Laufe der Jahre immer weiter perfektioniert. Seine in Umlauf gebrachten Blüten wirken so echt, dass die Banque de France langsam nervös wird. So wird Kommissar André Mattéi (Bastien Bouillon) speziell auf diesen Fall angesetzt. Doch vom geheimnisvollen Geldfälscher fehlt jede Spur. Als ob er ein Geist wäre…
Dieses Katz-Und-Maus-Spiel inszeniert Jean-Paul Salomé wie einen Film noir im Stil von Jean-Pierre Melville. Mattéi stellt bei den Ermittlungen fest, dass der Fälscher bei der Herstellung seines speziellen Papiers Zigarettenpapier einer bestimmten Marke beimischt. Frankreichweit soll ein Unbekannter in bestimmten Abständen große Mengen dieser Marke aufkaufen. Und ein Tabakladenbesitzer hat die Polizei informiert, dass am kommenden Tag in Vichy die nächste Übergabe stattfinden soll.
Als Jan Bojarski den Laden betritt, wird dieser scheinbar lückenlos bewacht – doch ein Polizist macht einen Fehler, und Jan kann im letzten Moment entkommen. Abends im Hotel wird Bojarski übermütig und fordert das Schicksal heraus. Er setzt sich zu Mattéi an die Bar und beginnt mit ihm ein Gespräch. Er kenne ihn von Zeitungsfotos her, er sei doch der Mann, der den Geldfälscher jage.
In dieser grandiosen Szene – dem Höhepunkt des Films – denkt natürlich jeder an den denkwürdigen Dialog zwischen Al Pacino und Robert De Niro in „Heat“ (1995). Da er weiß, dass niemand das Gesicht des Fälschers kennt, kann sich Bojarski unter falschem Namen als Vertreter für Handwerkerprodukte vorstellen. Bei dem Gespräch kommt heraus, dass der Kommissar den Unbekannten wegen dessen Genialität insgeheim bewundert. Doch als Suzanne die heimliche Werkstatt entdeckt und Jan seinem alten Kumpel Dow (Pierre Lottin) erlaubt, auch Blüten zu verteilen, sind Bojarskis Tage in Freiheit gezählt…
DER PERFEKTE SCHEIN – DER FALL BOJARSKI ist ein spannendes, aber konventionell inszeniertes Biopic über ein ungewöhnliches Leben. Und der überragende Reda Kateb spielt die Figur des Jan Bojarski mit stoischer Ruhe und minimalistischer Mimik.
L’Affaire Bojarski (Frankreich 2025)
129 Minuten
Drama
Jean-Paul Salomé
Jean-Paul Salomé, Bastien Daret, Delphine Gleize
Julien Hirsch
Reda Kateb, Sara Giraudeau, Bastien Bouillon, Pierre Lottin, Quentin Dolmaire, Victor Poirier, Olivier Loustau
Progress Film GmbH