„Hitcher, der Highway Killer“ konnte 1986 mit Rutger Hauer als Personifizierung des Bösen überzeugen. Der norwegische Regisseur André Øvredal („The Autopsy of Jane Doe“) schickt in PASSENGER nun den britischen Newcomer Jacob Scipio („Bad Boys: Ride or Die“) und Lou Llobell („Foundation“) aus Simbabwe auf einen verstörenden Roadtrip in einem „Spukhaus auf Rädern“.
Es fängt fast so an wie in Jack Kerouacs „On the Road“: Maddie (Lou Llobell) und Tyler (Jacob Scipio) wollen dem hektischen Leben in New York entkommen und künftig mit einem zum Camper ausgebauten Transporter durchs Land reisen. Während Tyler diese Art zu leben genießt, wachsen bei Maddie allerdings Zweifel an diesem Lebensstil. Bald hat ihr Roadtrip über die Highways und durch die Naturparks der USA aber nicht mehr viel gemein mit dem Werk des Vorzeige-Autoren der Beat Generation. In PASSENGER geht es vielmehr um einen übernatürlichen Beifahrer, der seine dämonische Signatur auf ihrem Van hinterlässt.
Das junge Paar wird Zeuge eines grausamen Unfalls und nimmt dort eine bedrohliche Präsenz wahr. Das Abenteuer wird fortan zum Albtraum, aus dem es scheinbar kein Entkommen mehr gibt. Drei fiese Kratzer, die wie von einer Tierkralle in den Camper geritzt daherkommen, nutzt der PASSENGER, um das Pärchen zu markieren. Von der langjährigen Camperin Diana Larson (Melissa Leo) erfahren sie die Bedeutung der Markierung und erhalten weitere Regeln des „Drifter Code“: Lese die Zeichen, halte niemals nachts an. Doch halt! Dafür ist es ja bereits zu spät. Wie werden sie denn nun den ungebetenen Gast wieder los?
Wie in den meisten Horrorfilmen üblich, verhalten sich die Protagonisten ziemlich dumm: In einer der schönsten Szenen bauen sie mitten im Wald vor ihrem Camper ein Outdoor-Kino auf. Mit dem Beamer projizieren Maddie und Tyler William Wylers ewigen Klassiker „Ein Herz und eine Krone“ mit Gregory Peck und Audrey Hepburn. Der ist ja irgendwie ebenfalls ein Roadmovie – und um eine Liebesbeziehung geht es darin schließlich auch. Der PASSENGER lauert natürlich schon hinter dem aufgespannten Bettlaken, das als Leinwand dient.
Der dämonische Bösewicht hat es in PASSENGER also wirklich auf sie abgesehen! Und nun kommt der religiöse Aspekt der Erzählung zum Tragen: Der heilige St. Christopher, der Patron der Reisenden, könnte einen Ausweg zeigen. Doch während sie an ihrer Beziehung arbeiten, müssen Maddie und Tyler noch so einige Schockmomente erdulden. Ja, Jump-Scares gibt es zuhauf – überraschend sind diese – zumindest für Genre-Fans – aber eher selten!
Der Norweger André Øvredal lässt uns ungewöhnlich tiefgängig am Paarleben von Maddie und Tyler teilhaben. Das haben die Drehbuchautoren T.W. Burgess (bekannt für seinen Indie-Comic „The Malevolents“) und Zachary Donohue („The Den“) gut entwickelt. Doch die Mythologie des Bösen überzeugt weniger. Vor allem Joseph Lopez bleibt als PASSENGER ziemlich blass. Rutger Hauer hatte eine wesentlich größere Präsenz in „Hitcher, der Highway Killer“. Die Newcomer:innen Jacob Scipio („Massive Talent“) und Lou Llobell sind aber durchaus charmant. Und Melissa Leo macht als in die Jahre gekommene Camperin eine gute Figur.
Verglichen mit Øvredals Found-Footage-Mockumentary „Trolljäger“ und dem mit Bodyhorror-Elementen durchsetzten „The Autopsy of Jane Doe“ ist PASSENGER nur solide Genre-Kost für zwischendurch. Zum Glück ist der Spuk aber auch ziemlich schnell vorbei. Und im Abspann ertönt dann endlich „The Passenger“ von Iggy Pop. Darauf haben wir doch alle gewartet!
Übrigens: „130 Millionen Menschen machen jedes Jahr einen Roadtrip. 15.400 von ihnen werden nie wieder gesehen.“ verrät das deutsche Filmplakat von PASSENGER. Also solltet ihr vielleicht doch eine andere Art finden, das Aussteigerleben zu genießen. Nur so als kleiner Tipp nebenbei.
Passenger (USA 2026)
94 Minuten
Horror
André Øvredal
Zachary Donohue, T.W. Burgess
Federico Verardi
Jacob Scipio, Lou Llobell, Melissa Leo, Miles Fowler, Alan Trong,
Paramount Pictures Germany GmbH