Nowhere Special

Kinostart: 07.10.2021

ab6 OT: Nowhere Special (Großbritannien / Italien / Rumänien 2020)
Länge: 96 Minuten
Genre: Drama
Regie: Uberto Pasolini
Drehbuch: Uberto Pasolini
Darsteller: James Norton, Daniel Lamont, Eileen O'Higgins, Valerie O'Connor, Laura Hughes, Stella McCusker, Carol Moore, Valene Kane, Keith McErlean, Siobhan McSweeney, Chris Corrigan, Ev+a Morris, Roisin Gallagher, Grace Hannah, Nigel O'Neil, Rhoda Ofori-Attah, Peter Ballance, Niamh McGrady, Caolán Byrne
Verleih: Piffl Medien GmbH

Vor fast genau einem Jahr lief NOWHERE SPECIAL beim Filmfest Hamburg. Seitdem geht mir der Film von Regisseur Uberto Pasolini nicht mehr aus dem Kopf. Jetzt kommt er endlich in die deutschen Kinos. 

John (James Norton) arbeitet als Fensterputzer in einer kleinen nordirischen Stadt. Liebevoll kümmert er sich um seinen vierjährigen Sohn Michael (Daniel Lamont), seit die Mutter kurz nach der Geburt fortgegangen ist. Die beiden verbindet eine tiefe Liebe, die in jedem ihrer Blicke deutlich wird. Doch John hat ein Geheimnis. Er ist unheilbar krank und es bleiben ihm nur noch wenige Monate. Die nutzt er, um die perfekte Adoptivfamilie für seinen Sohn zu finden. Aber wie soll er das tun, ohne seinen Sohn zu belasten? Wie soll er ihm erklären, warum sie jetzt so viele fremde Menschen besuchen. Gibt es überhaupt so etwas wie eine perfekte Familie? Je mehr Zeit vergeht, desto deutlicher wird es für John, dass er seinem Sohn vertrauen muss und dass es keine Entscheidung für die Zukunft ist, sondern für die Gegenwart.

Bereits in seinem letzten Film „Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“ hat Uberto Pasolini gezeigt, dass er ein ganz besonders Händchen dafür hat, die herzzerreißendsten Filme ohne riesige Dialoge zu drehen. Vieles, von dem er erzählt, liegt in den Blicken und Gesten seiner Protagonisten. So auch hier, denn als Zuschauer stellen wir uns natürlich immer und immer wieder die Frage, welche der gezeigten Familien denn nun die richtige sei. Jedes Mal gibt es irgendeine Kleinigkeit, die uns die Kandidaten von der Liste streichen lässt. Doch gibt es die perfekte Familie überhaupt? Sind wir nicht allesamt unvollendete Wesen in jeglicher Hinsicht? Wie können wir es dann von anderen erwarten? Ein schwierige, wenn nicht gar unmögliche Frage. 

Pasolini gelingt es wie kaum einem anderen Regisseur, so viel Schmerz und Sehnsucht in seine Hauptfigur zu legen. James Norton spielt den aufopferungsvollen Vater auf eine solch eindrucksvolle Art und Weise, dass man als Zuschauer nur schwer seine Tränen zurückhalten kann. Es zerreißt einem förmlich das Herz. Doch irgendwo schimmert auch ein wenig Hoffnung hindurch. Und wenn John am Ende an einer Tür klingelt, dann wissen wir instinktiv, wer dahinter steht. Keine perfekte Familie, aber immerhin jemand, der die richtigen Fragen gestellt hat – und das Herz am richtigen Fleck hat, so wie dieser wunderbare Film.

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