In der Nacht des 12.

12.01.2023

Der brutale Mord an einer jungen Frau und ratlose Polizisten bei ihrer ermüdenden Recherche-Routine: So entstehen grandiose Krimis! Doch der französische Regisseur Dominik Moll wählt in IN DER NACHT DES 12. einen ungewöhnlichen Weg, den ich immer noch nicht verstehe. Vor Beginn der Handlung lesen wir den Schriftzug: „In Frankreich werden 20 Prozent der Mordfälle nicht aufgeklärt. Dies ist einer von ihnen.“ Wo bleibt da die Spannung?

Es ist die Nacht des 12. Oktober: Während in der Polizeizentrale von Grenoble der Leiter der Kriminalabteilung bei einer Feier in den Ruhestand verabschiedet und sein Nachfolger, der eher schüchterne, junge Yohan (Bastien Bouillon) mit großem Hallo begrüßt wird, geschieht in einer nahe gelegenen Kleinstadt am Fuße der französischen Alpen ein schrecklicher Mord: Auf dem Heimweg von einer Party ihrer besten Freundin Nanie (Pauline Serieys) wird die 21-jährige Clara (Lula Cotton-Frapier) von einer Gestalt mit heruntergezogener Kapuze angesprochen und sofort mit Benzin übergossen und angezündet. Wir sehen das brennende Mädchen davonlaufen und schließlich zusammenbrechen.

Am nächsten Tag reisen die Kripobeamten in großer Besetzung aus Grenoble an, da sich die örtliche Gendarmerie nicht an den heiklen Fall herantraut. Natürlich ist niemand scharf drauf, Claras Eltern den Tod ihrer Tochter beizubringen. Immerhin erfahren sie im Gespräch mit Nanie etwas mehr über Claras Privatleben: Sie führte offenbar ein lockeres Sexualleben. So geraten ihr aktueller Freund und ihr Klettercoach, der freimütig zugibt, mit ihr gelegentlich geschlafen zu haben, in den Kreis der Verdächtigen – ebenso ein älterer Aussteiger, der in einer verfallenen Hütte in der Nähe des Tatortes haust. Doch alle haben ein Alibi.

Auch nach Wochen kommen Yohan und sein jähzorniger Kollege Marceau (Bouli Lanners) nicht los von dem Fall. Als Marceau gegenüber einem vierten Verdächtigen handgreiflich wird, ist die Zusammenarbeit der beiden beendet, und Marceau lässt sich versetzen. Nach drei Jahren bildet Yohan ein neues Team mit Nadia (Mouna Soualem) – doch der Fall ist immer noch nicht gelöst. Auch als die neue Untersuchungsrichterin (Anouk Grinberg) die Akte wieder aufgreift und weiteres Geld bewilligt, hilft das nicht weiter. Die Kameraüberwachung des Tatortes und des Grabes am dritten Todestag, ergibt nur eine neue falsche Fährte…

IN DER NACHT DES 12. lebt von dem bizarren Nebeneinander von Yohan und Marceau. Der Jüngere dreht nachts einsam seine Runden auf der Radrennbahn, Marceau leidet unter Eheproblemen. Irgendwann lässt ihn Yohan auf seiner Wohnzimmercouch schlafen. Wir erleben, wie zwei Männer beinahe an einem Fall zerbrechen, und Dominik Moll inszeniert dies fast dokumentarisch und mit großer Intensität.

Für mich die Schlüsselszene: Bei einem zweiten Gespräch mit Nanie wirft diese hasserfüllt den Polizisten deren Borniertheit vor: „Clara war kein ,leichtes Mädchen’.“ Doch auch sie muss sich damit abfinden, dass der Täter nie gefasst wurde.

Wer die ungewöhnliche Dramaturgie akzeptiert, erlebt einen soliden Neo-Noir-Krimi über den enervierenden Polizeialltag. Etwas Ähnliches hatte der französische Regisseur Bertrand Tavernier 1992 mit „Auf offener Straße“ versucht. An dieses Meisterwerk reicht IN DER NACHT DES 12. nicht ganz heran.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab16

Originaltitel

La Nuit du 12 (Frankreich 2022)

Länge

114 Minuten

Genre

Krimi / Thriller

Regie

Dominik Moll

Drehbuch

Gilles Marchand, Dominik Moll, nach dem Buch „18.3: Une année à la PJ“ von Pauline Guéna

Darsteller

Bastien Bouillon, Bouli Lanners, Théo Cholbi, Johann Dionnet, Thibaut Evrard, Julien Frison, Paul Jeanson, Mouna Soualem, Pauline Serieys, Lula Cotton-Frapier, Charline Paul, Matthieu Rozé, Baptiste Perais, Jules Porier, Nathanaël Beausivoir, Benjamin Blanchy, Pierre Lottin, Camille Rutherford, David Murgia, Anouk Grinberg

Verleih

Ascot Elite Filmverleih GmbH

Filmwebsite

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