Deutschstunde

Kinostart: 03.10.2019

ab12 OT: Deutschstunde (Deutschland 2018)
Länge: 125 Minuten
Genre: Drama
Regie: Christian Schwochow
Drehbuch: Heide Schwochow, nach dem Roman von Siegfried Lenz
Darsteller: Ulrich Noethen, Tobias Moretti, Levi Eisenblätter, Johanna Wokalek, Sonja Richter, Maria Dragus, Tom Gronau, Louis Hofmann
Verleih: Wild Bunch Germany GmbH

Deutschland, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Siggi Jepsen (Tom Gronau), ein junger Mann, muss in einer Strafanstalt einen Aufsatz zum Thema „Die Freuden der Pflicht“ schreiben. Er findet keinen Anfang, das Blatt bleibt leer. Als er die Aufgabe am nächsten Tag nachholen muss, diesmal zur Strafe in einer Zelle, schreibt er wie besessen seine Erinnerungen auf. Erinnerungen an seinen Vater Jens Ole Jepsen (Ulrich Noethen), der als Polizist zu den Autoritäten in einem kleinen norddeutschen Dorf zählte und den Pflichten seines Amtes rückhaltlos ergeben war. Während des Zweiten Weltkriegs muss er seinem Jugendfreund, dem expressionistischen Künstler Max Ludwig Nansen (Tobias Moretti), ein Malverbot überbringen, das die Nationalsozialisten gegen ihn verhängt haben. Er überwacht es penibel und Siggi (Levi Eisenblätter), elf Jahre alt, soll ihm helfen. Doch Nansen widersetzt sich – und baut ebenfalls auf die Hilfe von Siggi, der für ihn wie ein Sohn ist. Der Konflikt zwischen den beiden Männern spitzt sich immer weiter zu – und Siggi steht zwischen ihnen. Anpassung oder Widerstand? Diese Frage wird für Siggi entscheidend…

Kritik

Es gibt Geschichten, die sind so zeitlos, dass sie immer funktionieren. Aber was Christian Schwochow hier aus Siegfried Lenz‘ DEUTSCHSTUNDE erschaffen hat, ist bemerkenswert…

Der 1968 erschienene Roman thematisiert die Repression und die Zerstörung menschlicher Beziehungen in einem totalitärem System. Gerade in der heutigen Zeit ist das unfassbar aktuell, wie man als Zuschauer beklemmend feststellen muss. Die Parallelen zu unserer heutigen Zeit, in der antidemokratische Tendenzen wieder stärker, ja sogar gesellschaftsfähig werden, sind äußerst erschreckend.

Das Besondere an dieser Verfilmung sind jedoch die Bilder, die Schwochow findet. Im fast menschenleeren Wattenmeer sind die Figuren dazu verdammt, klein zu sein im direkten Vergleich mit der scheinbar unendlichen Natur. Kein Wunder also, dass sie versuchen, sich selbst wichtiger zu machen, als sie es tatsächlich sind. Das könnte man durchaus als Metapher für die Menschen in den abgeschiedenen Weiten der ostdeutschen Provinz sehen, die sich mehr und mehr abgeschieden fühlen und denken, in der Propaganda von Populisten ein Heilmittel zu finden. 

Wie auch immer man die Bilder deutet, es wird schnell klar, dass Schwochow hier ein modernes Meisterwerk vorgelegt hat – und das obwohl es in einer längst vergangenen Zeit spielt. Aber wenn wir nicht aufpassen, dann kommt diese Zeit schneller zurück, als uns lieb ist. Viel zu schnell… 

Bildergalerie

Trailer

 

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Filmplakat

Neustarts am 03.10.2019

Zwischen uns die Mauer

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