Sollte man die Geschichte eines Kriminellen verfilmen und ihn damit für seine Taten auch noch belohnen? Nein – es sei denn, man macht es wie Derek Cianfrance in DER HOCHSTAPLER – ROOFMAN…
Nach seiner Entlassung aus der Army schlägt sich Jeffrey Manchester (Channing Tatum) mehr schlecht als recht durchs Leben. Als er seiner Tochter zum Geburtstag nicht einmal den kleinsten Wunsch erfüllen kann, fällt er ein paar schlechte Entscheidungen und verschafft sich über die Dächer nachts Zugang zu Fast-Food-Restaurants, überrascht bei Betriebsbeginn das Personal, lässt sich die Einnahmen aushändigen und sperrt die Mitarbeiter anschließend im Kühlraum ein. Nach über 40 Einbrüchen wird der zwischenzeitlich von der Presse als ROOFMAN betitelte Jeffrey letztendlich aber doch festgenommen und landet im Gefängnis. Dort tüftelt er jedoch umgehend an einem Plan, und dank seiner außergewöhnlichen Beobachtungsgabe gelingt ihm tatsächlich die Flucht.
Nachdem er seinen alten Freund Steve (LaKeith Stanfield) aufgesucht hat, damit dieser ihm mit gefälschten Ausweisen bei der Flucht außer Landes helfen soll, muss Jeffrey aber erst einmal ein wenig untertauchen. Also bricht er – natürlich übers Dach – in die Filiale einer Spielzeugkette ein und versteckt sich dort in einem Hohlraum mitten im Laden. Da er weiß, wie man die Sicherheitskameras manipuliert, bleibt er dort erst einmal unentdeckt und lernt zudem die alleinerziehende Leigh (Kirsten Dunst) kennen. Für einen Augenblick scheint so etwas wie Hoffnung auf ein normales Leben zu geben, wenn da nicht diese Vergangenheit wäre…
Der Autor und Regisseur Derek Cianfrance ist bislang eher für seine ernsten Stoffe bekannt. Ob „Blue Valentine“, „The Place Beyond the Pines“ oder „The Light Between Oceans“, immer schwingt in seinen Filmen die Schwermut mit. Das ist bei DER HOCHSTAPLER – ROOFMAN jetzt nicht der Fall, trotzdem entpuppt sich Cianfrance als der Richtige für diesen Stoff. Denn er lässt die Komik nur wohldosiert durchschimmern, als hätte er richtig erkannt, dass man einen Kriminellen nicht glorifizieren sollte. Stattdessen konzentriert er sich auf all das, was im Verborgenen liegt. Warum Jeffey Manchester überhaupt auf die schiefe Bahn geraten ist oder wie er seinen Opfern immer freundlich und entschuldigend gegenüber trat. Doch Cianfrance nutzt dies nicht, um die Taten zu entschuldigen und beschönigt sie auch zu keinem Zeitpunkt. Aber er bringt uns tatsächlich dazu, diese Figur zumindest in Grundzügen ins Herz zu schließen.
Aber auch bei der Besetzung des „Love Interests“ haben Cianfrance und sein Team ins Schwarze getroffen: Kirsten Dunst spielt die alleinerziehende Leigh mit einer starken Hingabe, gepaart mit einer solchen Zurücknahme, dass man diese Leistung als Zuschauer nur bewundern kann. Es ist schön zu sehen, dass Dunst spätestens seit ihrer eindrucksvollen Leistung in „Civil War“ endlich die Anerkennung bekommt, die Hollywood über die Jahre scheinbar vergessen hatte. Zusammen mit Channing Tatum sorgt sie hier für eine glaubwürdige Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren.
DER HOCHSTAPLER – ROOFMAN ist zum Glück nicht die alberne Komödie, die sie hätte sein können, sondern eine nicht allzu ernste Annäherung an eine gesellschaftlich problematische Figur, die genau dadurch überzeugen kann.
Roofman (USA 2025)
126 Minuten
Drama / Komödie / Thriller
Derek Cianfrance
Derek Cianfrance, Kirt Gunn
Andrij Parekh
Channing Tatum, Kirsten Dunst, Ben Mendelsohn, LaKeith Stanfield, Juno Temple, Uzo Aduba, Peter Dinklage, Melonie Diaz, Lily Collias, Jimmy O. Yang
Leonine Distribution GmbH