Chantal im Märchenland

28.03.2024

Bereits sieben Jahre ist es her seit die „Fack ju Göhte“-Trilogie sagenhafte 21 Millionen Menschen ins Kino gelockt hat. Eine Figur aus der Pennälerkomödie haben viele Fans besonders ins Herz geschlossen: Chantal Ackermann, die etwas prollige Problemschülerin. Die bekommt nun ihr Spin-off CHANTAL IM MÄRCHENLAND. Jella Haase hat ihre Paraderolle bereits in drei abendfüllenden Spielfilmen perfektioniert. Was kann da also noch kommen?

Chantal ist nach dem Schulabschluss irgendwie lost in ihrem Möchtegern-Influencerinnen-Dasein. Einige Beauty-Hacks hat sie für die etwa 300 Follower zwar parat. Aber ob diese wirklich Sekundenkleber für’s perfekte Selfie-Gesicht nutzen, sei dahingestellt. Hoffen wir’s mal nicht! Mit ihrer besten Freundin Zeynep (Gizem Emre) hängt Chantal im Jugendzentrum ab – da gibt’s kostenloses Internet und Senfeier. Dort steht auch ein staubiger Spiegel – und der ließe sich doch super für den Micro-Influencerinnen-Contest nutzen, den sie gewinnen will. Also schnell mal als Prinzessin verkleiden – und schwupps landet sie nicht in Narnia, sondern wird vom Zauberspiegel ins Märchenland gesogen (mit Zeynep im Schlepptau). Chantal ist dort natürlich die krasse Anti-Prinzessin, die sich nichts gefallen lässt. Mit Rollenklischees wird bei CHANTAL IM MÄRCHENLAND gehörig aufgeräumt. Ritter sind von ihrer Heldenrolle überfordert und Prinzen sind schwul. Also ist Frauenpower angesagt. Fack ju Brüdaz Grimm!

Konnte Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin bei „Fack ju Göhte“ noch mit seinem Gespür für zeitgeistigen Humor punkten, wird es hier ziemlich cringe. Ob die junge Zielgruppe mit einem Dauerfeuer von Jugendsprache im Selfie-Modus abgeholt wird, ist zumindest fraglich. Das wirkt in etwa so bemüht wie die Bekanntgabe von Jugendwörtern des Jahres in seriösen Nachrichtensendungen. Da hat Dagtekin mit Ü40 wohl den Anschluß verpasst!

Leider werden die Märchenfiguren (u.a. eine Fee, Aladin, Hänsel und Gretel, die Hexe) nicht sonderlich ernst genommen, wodurch die dünne Geschichte von CHANTAL IM MÄRCHENLAND zu einer ermüdenden Nummernrevue mit Ansage verkommt. Ist irgendwie alles witzig gemeint, aber das Lachen bleibt im Halse stecken. Und deutsche Schauspielstars wie Max von der Groeben, Frederick Lau oder Nora Tschirner werden als Kanonenfutter verheizt.

Es dauert auch viel zu lange bis Chantal ihre Heldinnenreise antritt und das Schloss verlässt. Kostüme, Ausstattung und Bauten sind bis hier ganz ordentlich, aber dann geht es hinaus in eine stark von im Computer generierten Effekten geprägte Fantasy-Welt, die mit Hollywood-Blockbustern wie „Der Herr der Ringe“ nicht mithalten kann. Seid gespannt auf den lächerlichsten Drachen der Filmgeschichte! Das größte No-Go ist allerdings die exzessive Produktplatzierung: Tischlein deck dich mit einem McDonalds-Menü oder das modernste Samsung-Smartphone als Waffe der Wahl in einem entscheidenden Showdown (inklusive sämtlicher Produktdetails).

Und die Filmlänge: Mehr als zwei Stunden! Euer Ernst?

Trailer

ab12

Originaltitel

Chantal im Märchenland (Deutschland 2023)

Länge

123 Minuten

Genre

Komödie

Regie

Bora Dagtekin

Drehbuch

Bora Dagtekin

Darsteller

Jella Haase, Gizem Emre, Max von der Groeben, Mido Kotaini, Maria Ehrich, Nora Tschirner, Frederick Lau, Alexandra Maria Lara, Maria Happel, Elena Uhlig, Nico Stank, Milena Tscharntke, Jasmin Shakeri, Jannik Schümann, Cooper Dillon, Ben Felipe, Jasmin Tabatabai, Elyas M‘Barek

Verleih

Constantin Film Verleih GmbH

Filmwebsite

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