Kann eine Komödie über einen Opportunisten funktionieren, der sich während der deutschen Besatzung Frankreichs ausgerechnet als Jude ausgibt? Dieser Frage geht Regisseur Pascal Elbé in seinem Film NUR EIN KLEINES BISSCHEN GLÜCK nach…
Frankreich, 1940. Jean Chevalin (Benoît Poelvoorde) wird als Soldat an die Front geschickt, doch dort hält er es keinen einzigen Tag aus. Also desertiert er und kehrt zu Frau und Sohn zurück, um sich wie bisher durchs Leben zu mogeln. Und weil er glaubt, dass jeder andere mehr Glück hat als er, fasst er einen genauso waghalsigen wie absurden Plan: Er gibt sich als Jude aus, um mit seiner Familie Hilfe zu bekommen und heimlich in die „Freie Zone“ zu gelangen, also die angeblich unbesetzten Gebiete im Süden Frankreichs. Doch mit seiner Unwissenheit über jüdische Rituale verheddert er sich immer tiefer im Schlamassel, während das Pech ihm stets auf den Spuren bleibt…
Regisseur Pascal Elbé („Schmetterlinge im Ohr“) wählt für NUR EIN KLEINES BISSCHEN GLÜCK einen sehr gewagten Ansatz. Er setzt seinen Protagonisten in ein Setting, das man sonst eher aus dem Dramengenre kennt. Denn eine Komödie mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich zu verbinden, ist nur in den seltensten Fällen gut ausgegangen, wie beispielsweise bei „Ist das Leben nicht schön?“ oder „Jojo Rabbit“, weil diese die Grausamkeit des Regimes nie verharmlosen.
Dass NUR EIN KLEINES BISSCHEN GLÜCK trotzdem keine Vollkatastrophe geworden ist, liegt in erster Linie an Benoît Poelvoorde. Dem belgischen Schauspieler gelingt es, seiner Figur trotz der absurden Situationskomik eine gewisse Tiefe zu verleihen. Seine Erkenntnis, dass es den Juden vielleicht doch nicht so gut geht, wie er es eingangs vermutet, ist jedoch zugleich sehr vorhersehbar.
Und so ist NUR EIN KLEINES BISSCHEN GLÜCK eine ständige Abwägung, ob man die Judenverfolgung als humoristisches Vehikel für die Rettung eines feigen Opportunisten nutzen darf. Ich fühlte mich während der Sichtung immer wieder hin- und hergerissen, denn im Prinzip sind die Lehren, die unser Protagonist zieht, durchaus nachvollziehbar und menschlich. Dass einige Nebenfiguren zu platten Karikaturen werden, ist dem Ganzen auch nicht gerade zuträglich.
Ohne das Setting wäre NUR EIN KLEINES BISSCHEN GLÜCK eine durchaus charmante Komödie gewesen, die einen Opportunisten und einen Durchs-Leben-Mogler wieder auf den Pfad der Tugend bringt. Doch das Mitschwingen dieser immensen Katastrophe macht es schwer, den Film vollends zu genießen.
La Bonne Étoile (Frankreich 2025)
104 Minuten
Tragikomödie
Pascal Elbé
Pascal Elbé
Gilles Henry
Benoît Poelvoorde, Audrey Lamy, Pascal Elbé, Zabou Breitman, Louis Douce Lagorce, Pierre Poirot, Emmanuelle Lepoutre, Camille Sagols, Romy Baratin Forest
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