Dass das Leben mit einer Sexpuppe gewisse Risiken mit sich bringt, wissen wir nicht erst seit der Tragikomödie „Lars und die Frauen“ (2007) mit Ryan Gosling. Doch was passiert, wenn diese Puppe plötzlich lebendig wird und das Interesse am „echten“ Dasein entdeckt? Vor diesem Problem steht der unscheinbare Handelsvertreter Rémi in der französischen Komödie FRÜHSTÜCK BEI AUDREY von Sophie Beaulieu.
Inmitten der idyllischen Hügel des Jura-Gebirges arbeitet der zurückhaltende Mittvierziger Rémi (Vincent Macaigne) im Außendienst einer Firma für Kunstrasen. Seinen Kollegen schwärmt er von seiner schönen Frau vor, die zu Hause auf ihn wartet – doch gesehen hat sie noch keiner. Als Rémi abends ins traute Heim kommt, sitzt Audrey (Zoé Marchal) bereits am Esstisch, wo er ihr immer dasselbe Mikrowellengericht serviert. Sie nimmt das ohne Murren hin – und auch sonst stellt sie im Zusammenleben keinerlei Ansprüche. Sie schaut mit ihm auf der Fernsehcouch historische Dokus und geht danach mit ihm ins Bett. Dass sie kein Wort spricht, scheint Rémi nicht zu stören: Audrey ist eine perfekt lebensecht aussehende Sexpuppe!
Doch eines Tages begrüßt Audrey ihren „Freund“ von der Gartenliege aus mit liebevollen Worten. Nach einem ersten Schock will Rémi das offenbar fehlerhafte Produkt sofort umtauschen, besinnt sich dann aber eines Besseren: Was spricht gegen eine unterwürfige, wunderschöne Frau, mit der er endlich vor seinen Kollegen angeben kann? Das Weichei Rémi hat offensichtlich seine Macho-Ader entdeckt.
Zu dumm, dass Audrey contra gibt: Sie lernt ihren Körper kennen und entwickelt feministische Ambitionen. Nur mit der Haushaltsführung hat sie’s nicht so. DER Gag des Films: Sie hält Rémi einen ihr fremden Gegenstand entgegen. „Was ist das?“ „Eine Klobürste.“ „Die scheinst du ja nicht oft zu benutzen.“ (Na ja! Aber auch ich habe gelacht.)
Erst als im Büro die neue Kollegin Patricia (Cécile de France) auftaucht, wendet sich das Blatt. Rémi ist fasziniert von dieser burschikosen, kumpelhaften Frau, die so ganz anders ist als Audrey. Am Ende steht Rémi zwischen drei Frauen: seiner verständnisvollen Schwester Domi (Adèle Journeaux), die als Einzige von Rémis bizarrem „Hobby“ wusste, der sympathischen Patricia und der völlig chaotischen Audrey, die inzwischen jede Party mit peinlichen Auftritten aufmischt. Wie kommt Rémi aus dieser Nummer wieder raus?
Leider macht die Regisseurin Sophie Beaulieu, die auch das Drehbuch schrieb, in ihrem Spielfilmdebüt FRÜHSTÜCK BEI AUDREY zu wenig aus dieser ungewöhnlichen Konstellation. Schon in der griechischen Mythologie verwandelten sich Statuen in lebendige Wesen. Und E. T. A. Hoffmanns „Olimpia“, eine mechanische Puppe, die scheinbar lebendig wird – in der Erzählung „Der Sandmann“) –, prägte ein ganzes Jahrhundert. Oder denken wir nur an Fritz Langs „Metropolis“ oder George Bernard Shaws „Pygmalion“.
In FRÜHSTÜCK BEI AUDREY hätte Sophie Beaulieu das heutige Frauen- und Männerbild komödiantisch hinterfragen können. Doch vieles bleibt nur an der Oberfläche. Da war mehr drin!
La Poupée (Frankreich 2025)
80 Minuten
Komödie / Romanze
Sophie Beaulieu
Sophie Beaulieu
Yann Maritaud
Vincent Macaigne, Cécile de France, Zoé Marchal, Adèle Journeaux, Gilbert Melki, Marianna Basler, Ludovic Thievon, Eric Guerin, Victor Bonnel, Souleymane Sylla, Guillaume Clerice, Gina Jimenez
Neue Visionen Filmverleih GmbH