Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, das größte Problem im Raum einfach verschwinden zu lassen? In der bitterbösen Schulsatire BAD APPLES von Jonatan Etzler kämpft Saoirse Ronan nicht nur als Lehrerin gegen einen renitenten Schüler, sondern mit Bravour auch gegen ihr bisheriges Rollen-Image.
Als Grundschullehrerin ist Maria (Saoirse Ronan) voller Tatendrang, um ihren Schüler:innen das notwendige Wissen zu vermitteln. Allerdings kann sie sich in ihrer Klasse nur schwerlich durchsetzen, und das liegt vornehmlich an einem ihrer Schüler: Danny (Eddie Waller). Der Zehnjährige stört immer wieder den Unterricht, provoziert seine Mitschüler und zieht damit jegliche Aufmerksamkeit auf sich. Als Danny eine Mitschülerin schwer verletzt und die Situation daraufhin eskaliert, überschlagen sich die Dinge, und ehe sie sich versieht, landet Danny in ihrem Keller und Maria dreht den Schlüssel um.
Während sich Maria Gedanken macht, wie sie sich aus dieser misslichen Lage wieder befreien kann, blüht ihre Klasse auf. Die Kinder folgen ihrem Unterricht, und Maria entdeckt bei einigen von ihnen ganz neue Talente, die bislang im täglichen Chaos untergegangen sind. Die Noten verbessern sich, und auch von der Schulleitung und der Elternvertretung kommt nur noch Lob für Marias Unterricht. Währenddessen gilt Danny immer noch als vermisst. Also fängt Maria an, ihn in seinem Gefängnis zu unterrichten – er soll ja schließlich nicht ihretwegen zurückfallen. Doch dann kommt seine Mitschülerin Pauline (Nia Brown) dem Ganzen auf die Schliche…
Mit BAD APPLES legt der schwedische Regisseur Jonatan Etzler sein englischsprachiges Debüt vor. Der Film basiert auf dem Debütroman „De Oönskade“ (Die Unterwünschten) von Rasmus Lindgren. Das Highlight des Films ist aber unverkennbar die großartige Saoirse Ronan, die hier mit allen Mitteln gegen ihr bisheriges Image anspielt. Kennt man sie bislang in erster Linie aus anspruchsvollen Arthouse-Filmen wie beispielsweise „In meinem Himmel“, „Brooklyn“, „Lady Bird“ oder „The Outrun“, wählt Ronan bewusst Rollen mit einem komplexen, oft stillen, aber intensiven Innenleben und ist für ihre Wandelbarkeit bekannt. In gewisser Weise ist BAD APPLES jetzt aber auch eine Art Rückkehr zu den Wurzeln, denn bereits in ihrem ersten Film „Abbitte“ spielte sie eine wahre Intrigantin – wofür sie umgehend ihre erste Oscar-Nominierung erhielt.
Etzler führt uns so in die Geschichte ein, dass wir den Unmut der Lehrerin durchaus verstehen können. Wir fühlen mit ihr, auch wenn uns das von Jess O’Kane verfasste Drehbuch – ihr erstes, wohlgemerkt – die Figur nicht als fehlerfrei zeigt. Ihre Verzweiflung lässt uns aber irgendwie über diesen einen Fehler hinwegsehen – auch wenn die Frage nach einem Ausweg drängend bleibt. Man könnte BAD APPLES auch als eine Art von Kritik am Bildungssystem sehen, in dem den Lehrer:innen nicht genügend Unterstützung zuteilwird, aber das würde in meinen Augen etwas zu weit führen.
Und wenn sich BAD APPLES irgendwann anschickt, das Dilemma zu entknoten, spielt der Film etwas zu sehr mit der Moral und erinnert an die Lehrstücke des deutschen Theaters – glaubwürdig ist das jedenfalls nicht. Aber vielleicht ist das so gesehen auch wieder nicht allzu falsch, schließlich bleibt unklar, wie lange diese „Lösung“ Bestand haben wird.
BAD APPLES zeigt eine Saoirse Ronan in Höchstform, die den Film problemlos auf ihren Schultern trägt. Auch wenn in dieser Satire nicht alles glaubwürdig sein mag, spricht der Blick, mit dem Ronan uns am Ende entlässt, Bände.
Bad Apples (USA 2025)
101 Minuten
Komödie / Thriller
Jonatan Etzler
Jess O’Kane, basierend auf dem Roman von Rasmus Lindgren
Nea Harnebrandt Asphäll
Saoirse Ronan, Eddie Waller, Nia Brown, Jacob Anderson, Rakie Ayola, Robert Emms, and Sean Gilder
Paramount Pictures Germany GmbH