Official Secrets

Kinostart: 21.11.2019

ab6 OT: Official Secrets (Großbritannien / USA 2019)
Länge: 112 Minuten
Genre: Spionage / Thriller
Regie: Gavin Hood
Drehbuch: Gregory Bernstein, Sara Bernstein, Gavin Hood
Darsteller: Keira Knightley, Matt Smith, Adam Bakri, Matthew Goode, Ralph Fiennes, Rhys Ifans
Verleih: Entertainment One Germany GmbH

2003: Katharine Gun (Keira Knightley), Übersetzerin beim britischen Nachrichtendienst GCHQ, erhält ein streng geheimes Memo. Darin fordert der US-Geheimdienst NSA die britischen Kollegen auf, einige Mitgliedsstaaten des UN-Sicherheitsrats auszuspionieren. Der perfide Plan: belastendes Material zu sammeln, um eine Zustimmung zur UN-Resolution für den Irakkrieg zu erpressen. Katharine gerät in einen moralischen Zwiespalt, entscheidet sich aber, das Dokument zu leaken. Die brisanten Informationen werden schließlich von Journalist Martin Bright (Matt Smith) im „Observer“ veröffentlicht – ein Coup! Sofort beginnt bei GCHQ die fieberhafte Jagd nach dem Whistleblower. 

Als Katharine erlebt, wie ihre Kollegen unter immer größerem Druck verhört werden, gesteht sie. Sie wird verhaftet und angeklagt, gegen den „Official Secrets Act“ verstoßen zu haben, ihrem kurdischen Ehemann Yasar (Adam Bakri) droht die sofortige Abschiebung. Katharines letzte Hoffnung: Menschenrechtsanwalt Ben Emmerson (Ralph Fiennes), mit dessen Hilfe sie ihre Verteidigung vorbereitet. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Kritik

Es gibt so viele unglaubliche Geschichten, bei denen man sich fragt, warum sie bisher nicht verfilmt worden sind. OFFICIAL SECRETS ist genau so ein Film

Wenn man sich ein wenig näher mit der Entstehungsgeschichte des Filmes beschäftigt, dann wird klar, warum es 16 Jahre gedauert hat, bis der Film auf die Leinwände kam. Es handelt sich bei OFFICIAL SECRETS nämlich nicht um den ersten Versuch, die Geschichte um Katharine Gun zu verfilmen. Bereits vorher haben sich andere daran versucht, sind aber an den unterschiedlichsten Problemen gescheitert. Mal kam die Finanzierung nicht zustande, mal stiegen wichtige Beteiligte plötzlich aus. Katharine Gun und Martin Bright hatten sich also schon so langsam daran gewöhnt, dass ihre Geschichte vermutlich niemals das Licht eines Kinosaals erblicken würde. Doch kann kam Entertainment One an Bord und plötzlich nahm das Projekt wieder Fahrt auf. Im Oktober 2019 wurde der Film dann u.a. beim Filmfest Hamburg und beim BFI London Film Festival präsentiert. In Hamburg waren zudem die beiden Original-Protagonisten Katharine Gun und Martin Bright zugegen, die ich zum Interview treffen durfte.

Bei Verfilmungen von wahren Begebenheiten ist man als Regisseur und Drehbuchautor immer gezwungen, die Wahrheit etwas zu dehnen oder zu verkürzen. Bis zu einem gewissen Maße ist das auch durchaus in Ordnung, schließlich möchte niemand im Kino einen langweiligen Tatsachenbericht sehen. Umso interessanter also die Frage, wie genau es Regisseur Gavin Hood hier mit der Wahrheit nimmt. Wer könnte das besser beurteilen, als Katharine Gun und Martin Bright? Sicherlich niemand. Und so ist es beruhigend, dass sie am fertigen Film überhaupt nichts auszusetzen haben. Eine Sache, die laut Gun verändert wurde, ist beispielsweise die Festnahme ihres Ehemanns. Während er im Film 24 Stunden in Gewahrsam ist, waren es in Wirklichkeit drei Tage. Aber das ändert nichts an der eigentlichen Geschichte. Hood nahm sich vor Filmbeginn die Zeit, um sich die Geschichte von den einzelnen Beteiligten genau erzählen zu lassen. Offenbar ist er ein extrem guter Zuhörer, wenn das Endprodukt so verdammt gut aussieht.

Katharine Gun unterscheidet sich zudem in einem wesentlichen Teil von anderen Whistleblowern, denn sie leakte tatsächlich nur diese eine Dokument und keine anderen Geheimnisse. Sie war sich über ihre Motive völlig im Klaren und stand für ihre Einstellung ein. Die nicht gerade unerheblichen Konsequenzen für ihre Karriere und ihr Privatleben nahm sie dafür billigend in Kauf. Allein dafür gebührt ihr unser uneingeschränkter Respekt – und natürlich auch Martin Bright, denn ohne Journalisten, die diese Daten auch veröffentlichen, wären Whistleblower machtlos. Viele Menschen vergessen in Zeiten von „Fake News“ sehr gerne, wie wichtig eine funktionierende Medienlandschaft als Kontrollorgan für die Demokratie ist. Nicht umsonst bezeichnet man sie auch als die vierte Gewalt neben der Legislative, der Judikative und der Exekutive. Doch auch investigative Journalisten haben es heute schwerer denn je. Früher konnte sich ein Journalist sicher sein, dass sein Verleger hinter ihm steht, wenn es beispielsweise zu einer Anklage kommen sollte, so Bright mir gegenüber im Interview. Egal ob man nicht immer einer Meinung war, verlassen konnte und musste sich der Journalist immer auf seinen Verleger. Heute stehen hinter den großen Zeitungen mehr und mehr große Wirtschaftsunternehmen, die mitunter andere Ziele verfolgen. Wenn ein Journalist dann noch befürchten muss, für eine brisante Veröffentlichung seinen Job zu verlieren, wird es langsam gefährlich für die Demokratie. 

Umso wichtiger ist es daher, dass Filme wie OFFICIAL SECRETS produziert, aber vor allem auch gesehen werden. Wenn sie dann auch noch so unterhaltsam sind, wie in diesem Fall, dann dürfen in den nächsten Jahren gerne noch viele weitere dieser Art kommen. Viel wichtiger aber ist es, dass es auch Menschen vom Schlage einer Katharine Gun gibt, die so viel für die Allgemeinheit in Kauf nehmen, dass man sie eigentlich bis zum Lebensende hofieren müsste. Aber auch das kann ein Film wie OFFICIAL SECRETS bewirken. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt… 

Interviews

Beim Filmfest Hamburg habe ich die Whistleblowerin Katharine Gun und den Journalisten Martin Bright zum Interview getroffen, auf deren Geschichte der Film OFFICIAL SECRETS basiert:

Über Katherine Gun:
Katharine Gun wurde 1974 als Katharine Teresa Harwood geboren und zog als 3-Jährige mit ihren Eltern nach Taiwan, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte. An der University of Durham, England, studierte sie Japanisch und Chinesisch. Nach ihrem Abschluss nahm sie eine Stelle als Übersetzerin beim britischen Nachrichtendienst Government Communications Headquarters an. Am 31. Januar 2003 erhielt Katharine Gun die E-Mail, die sie zur Whistleblowerin werden ließ. Kurz nach deren Veröffentlichung im „Observer“ outete sie sich als Quelle des Leaks. Daraufhin wurde sie wegen Verstoßes gegen den Official Secrets Act im November 2003 angeklagt. Katharine Gun plädierte „nicht schuldig“. Am ersten Verhandlungstag wurde das Verfahren gegen sie eingestellt. 2004 erhielt sie den Sam Adams Award, eine Auszeichnung für Whistleblower. Heute lebt Katharine Gun mit ihrem Mann Yasar und ihrer gemeinsamen Tochter in der Türkei.

Über Martin Bright: 
Martin Bright, geboren 1966, ist ein britischer Journalist, der unter anderem auf die britische Innenpolitik spezialisiert ist. Neben seiner Tätigkeit für den “Observer” war er auch für “The Guardian”, “The New Statesman” und “The Jewish Chronicle” tätig. Bright lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen in London.

Bildergalerie

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Filmplakat

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