Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war

25.06.2026

Für ihren Film INGEBORG BACHMANN – JEMAND, EINMAL ICH WAR wählte die Regisseurin Regina Schilling einen ungewöhnlichen Weg, um das Œuvre und Leben der österreichischen Schriftstellerin zu hinterfragen, die 1973 auf so tragische Weise gestorben ist: Kettenraucherin Bachmann war in ihrer Wohnung in Rom mit brennender Zigarette im Bett eingeschlafen und musste dann noch drei Wochen mit schwersten Verbrennungen im Krankenhaus dahinsiechen. Regina Schillings Werk ist weder ein Dokumentarfilm noch ein Biopic – sondern ein genial ausgedachtes Zwitterwesen, das die Vorzüge beider Genres wunderbar verknüpft.

Keine Geringere als Sandra Hüller schlüpfte in die Rolle der Ingeborg Bachmann. Dabei war es Hüller wichtig, eher als Sprecherin der Texte denn als Schauspielerin aufzutreten.

Mir war zum Beispiel deutlich, dass ich nicht im On sprechen beziehungsweise rezitieren möchte, weil es nicht darum geht, dass wir einer Schauspielerin dabei zusehen, wie sie etwas „gut macht“. Sondern eher um eine gemeinsame Forschungsarbeit.

Sandra Hüller über ihre Herangehensweise

Wir sehen Sandra Hüller, wie sie an einem imaginären Sommertag scheinbar planlos durch Rom streift und hören dabei aus dem Off ihre Stimme, wie sie Bachmann-Texte rezitiert. Das wirkt wie improvisiert und schafft doch eine unglaublich poetische Aura. Der Film ist eine tiefsinnige Spurensuche nach der Frage, wie Kunst entsteht. Und gleichzeitig das Porträt der wohl bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts. Der Film zeigt eine von Selbstzweifeln geplagte Frau, die fast an ihrem Ruhm und Erfolg zerbricht – und an ihren Männern.

In eingestreuten, klug ausgewählten Archivaufnahmen entsteht das Leben Ingeborg Bachmanns: ihre Kindheit in Kärnten während der Nazizeit, die Liebe zu Paul Celan, der frühe Erfolg als Dichterin, die Begegnung mit der Gruppe 47, die ihr zunächst sehr kritisch gegenübersteht. Das zeigt besonders eine – gewiss polemisch ausgewählte – Szene mit Marcel Reich-Ranicki. Im Zentrum der Dokumentaraufnahmen stehen die stressigen Beziehungen zu Hans Werner Henze und Max Frisch. Mit dem Komponisten Henze verbindet Bachmann eine innige Freundschaft, beide leben schon in den 1950er-Jahren in Rom. Sie leidet unter der Homosexualität des Komponisten – so bleibt es bei einer engen Arbeitsgemeinschaft: Sie schreibt die Libretti zu seinen Opern. Und er ist ihr Seelentröster bei der stürmischen On-Off-Beziehung mit dem Schweizer Schriftsteller Max Frisch.

An diesem Max Frisch lässt Regisseurin Regina Schilling kein gutes Haar. In ihrer Archivauswahl ist der berühmte Schweizer ein monströser Macho und Kotzbrocken, der seine Geliebte jahrelang unterdrückte. Unschön, wenn das so passiert ist. Wir mussten ja wohl fast alle Max Frisch in der Schule lesen…

Sandra Hüllers poetische, wohltuend unprätentiöse Wanderung durch Rom auf den Spuren von Ingeborg Bachmann ist eine wunderbare Möglichkeit, in das Universum einer großen Autorin einzutauchen. Und Deutschlands aktueller Leinwand-Superstar stellt sich hier ganz in den Dienst der Literatur. Genau so funktioniert anspruchsvolles Arthouse-Kino!

Trailer

ab6

Originaltitel

Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war (Deutschland 2026)

Länge

102 Minuten

Genre

Biographie / Dokumentation

Regie

Regina Schilling

Drehbuch

Regina Schilling

Kamera / Bildgestaltung

Johann Feindt

Darsteller

Sandra Hüller

Verleih

Weltkino Filmverleih GmbH

Filmwebsite

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