Immer wieder kommt der Protagonist an einem Plakat vorbei, das auf eine Ausstellung mit Werken von M. C. Escher hinweist, dem niederländischen Künstler, der vor allem durch seine Darstellung unmöglicher Figuren und optischen Täuschungen bekannt wurde. Auf dem Plakat zu sehen ist eines von Eschers berühmtesten Werken: „Möbiusband II“. Und so ein Möbiusband steht im Zentrum des faszinierenden Horror-Mystery-Thrillers EXIT 8 von Genki Kawamura.
Laut Wikipedia bezeichnet ein Möbiusband „eine Fläche, die nur eine Kante und eine Seite hat. Sie ist nicht orientierbar, das heißt, man kann nicht zwischen unten und oben oder zwischen innen und außen unterscheiden“. Genauso orientierungslos und verloren ist ein junger Mann (Kazunari Ninomiya) in den Gängen einer Tokioter U-Bahn-Station.
Der junge Mann mit Rucksack muss in der U-Bahn miterleben, wie ein Mann eine junge Mutter anbrüllt, die ein extrem laut schreiendes Kind im Arm hält. Jeder im Waggon ist zu feige, um einzuschreiten. Auch der junge Mann tut es nicht der an der nächsten Haltestelle beschämt aussteigt und zügig zum Ausgang geht. Der Wegweiterpfeil empfiehlt ihm Exit 8. Nach einer Weile spürt der Mann, dass er in den Gängen gefangen ist. Er befindet sich in einer scheinbar endlosen Schleife, die sich ständig wiederholt.
Immer wieder geht er an dem Escher-Plakat vorbei, immer wieder kommt ihm ein Mann (Yamato Kôchi) mit Aktentasche entgegen, der wortlos an ihm vorbeischreitet. Dann findet der junge Mann ein Hinweisschild, das Hilfe verspricht. Die Regeln sind einfach: Entdeckst du eine Veränderung, kehr sofort um. Entdeckst du keine, geh weiter. Wenn du auch nur einen einzigen Hinweis übersiehst, musst du zurück zum Anfang. Wie schafft er es, den rettenden Ausgang 8 zu finden?
EXIT 8 ist ein 95 Minuten langer Albtraum, aus dem es kein Entrinnen gibt. Irgendwann glaubt wohl jeder Kinozuschauer: Hier hätte ein Kurzfilm gereicht. Doch weit gefehlt: Immer wieder findet der japanische Regisseur einen neuen Schlenker. Der junge Mann spricht den Mann mit der Aktentasche an und trifft auf einen kleinen Jungen (Naru Asanuma), der seine Mutter verloren hat. Der könnte die Rettung sein…
EXIT 8 ist eine filmische Adaption des populären Escape-Video-Games „The Exit 8“ (japanischer Originaltitel: „8-ban deguchi“), das 2023 veröffentlicht wurde. Weltweit wurde es mehr als 1,5 Millionen Mal heruntergeladen.
Am Ende bekommt der junge Mann akustische Unterstützung durch Maurice Ravel. Dessen berühmteste Komposition, der „Bolero“, ist das musikalische Äquivalent zu EXIT 8: In dem Stück geht es um kaum wahrnehmbare Veränderungen in einem sich stetig wiederholenden Muster. Kein Wunder, dass EXIT 8 mit dem letzten Akkord des „Boleros“ triumphal endet.
8-ban deguchi (Japan 2025)
95 Minuten
Horror
Genki Kawamura
Kentaro Hirase, Genki Kawamura
Keisuke Imamura
Kazunari Ninomiya, Yamato Kôchi, Naru Asanuma, Kotone Hanase, Hirota Ôtsuka, Tara Nakashima, Reo Soda, Mikio Ueda, Hikaru Kaihotsu, Nana Komatsu
Plaion Pictures GmbH