Die Geschichte meiner Frau

Kinostart: 04.11.2021

ab12 OT: The Story Of My Wife / A feleségem története (Ungarn / Frankreich / Italien / Deutschland 2021)
Länge: 169 Minuten
Genre: Drama
Regie: Ildikó Enyedi
Drehbuch: Ildikó Enyedi
Darsteller: Gijs Naber, Léa Seydoux, Louis Garrel, Luna Wedler, Josef Hader, Sergio Rubini, Jasmine Trinca, Ulrich Matthes, Udo Samel
Verleih: Alamode Filmdistribution OHG

Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi ist keine Unbekannte. Für „Mein 20. Jahrhundert“ erhielt sie 1989 in Cannes die „Camera d’Or“ für den besten Debütfilm, für „Körper und Seele“ bei der Berlinale 2017 den Goldenen Bären. Mit DIE GESCHICHTE MEINER FRAU hat sie einen der – in ihren Augen – wichtigsten ungarischen Romane des 20. Jahrhunderts verfilmt. Zu dumm, dass außerhalb Ungarns kaum jemand das dicke Buch von Milán Füst kennt. Der Umfang des Romans prägt auch die Länge des fertigen Films: stolze 169 Minuten! 

DIE GESCHICHTE MEINER FRAU ist gleichzeitig die Geschichte Europas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der niederländische Kapitän Jakob Störr (Gus Naber) hat auf seinem Frachter alles unter Kontrolle. Doch wegen seiner Verdauungsprobleme gibt ihm der Schiffskoch einen weisen Rat: „Du brauchst eine Frau.“ Im nächsten Hafen (es ist offensichtlich Malta) wettet er in einem Café mit seinem Freund, der nächsten Frau, die das Lokal betritt, einen Antrag zu machen. Als die bildschöne Französin Lizzy (Léa Seydoux) auftaucht, ist Jakob sofort Feuer und Flamme. Er spricht sie an – die Überraschte sagt ja, obwohl viel Spott in ihrer Stimme liegt.

In ihrer Pariser Wohnung ist das Leben leider nicht so einfach wie gedacht. Jakob ist monatelang weg – und er weiß nicht, was Lizzy so treibt. Ist Dedin (Louis Garrel) ihr heimlicher Liebhaber? Kurzentschlossen übernimmt Jakob einen Job, bei dem er nicht mehr auf See sein muss: im Hamburger Hafen! Und so ziehen Jakob und Lizzy Anfang der 1920er-Jahre in die Speicherstadt, die die Regisseurin und ihr genialer Kameramann Marcell Rév mit wunderschönen Bildern illustriert. Die historische Speicherstadt ist (obwohl Weltkulturerbe) kaum noch vorhanden – doch die Kamera findet immer die richtigen Einstellungen. (Eine private Anmerkung: Als gebürtiger Hamburger schaue ich bei Hamburg-Filmen besonders genau hin – und ich habe keinen Fehler entdeckt. Das ist alles sehr authentisch!)

Irgendwann ist die Ehe zu Ende, und Jakob flieht enttäuscht nach Südamerika. Jahre später kann er in Paris keine Spur mehr von Lizzy finden. Ist sie tot, ist sie verschwunden, was wusste er von ihrem Leben? War Dedin wirklich ihr Liebhaber? Hat Lizzy Jakob geliebt? Ildikó Endeyi lässt bewusst viele Fragen offen – der bessere Titel wäre wohl gewesen: „Das Geheimnis meiner Frau“. Obwohl die Regisseurin ihren Film ziemlich konventionell und geradlinig inszeniert hat – eher untypisch für ihren Personalstil -, fasziniert DIE GESCHICHTE MEINER FRAU in Ansätzen wegen der vielen Rätsel, die bleiben.

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