Dass Enid Blyton neben den „Fünf Freunden“ und „Hanni & Nanni“ noch weitere Geschichten geschrieben hat, dürfte nur wenigen bewusst sein. Mit DER WUNDERWELTENBAUM kommt jetzt eine davon in unsere Kinos…
Gerade ist die Familienstimmung bei den Thompsons ein wenig im Keller: Polly (Claire Foy) hat ihren Job gekündigt, als sie erfahren hat, dass der von ihr entwickelte intelligente Kühlschrank seine Nutzer ausspioniert. Und die Kinder Fran (Billie Gadson), Beth (Delilah Bennett-Cardy) und Joe (Phoenix Laroche) hängen sowieso die ganze Zeit nur an ihren Handys. Da kommt Vater und Hausmann Tim (Andrew Garfield) die perfekte Idee: Da sie in Kürze vermutlich aus der firmeneigenen Wohnung ausziehen müssen, wäre das doch der ideale Zeitpunkt, um endlich aufs Land zu ziehen. Tims Plan umfasst zudem den Anbau von Tomaten, um daraus die sagenumwobene Tomatensauce seiner italienischen Vorfahren herzustellen und damit wiederum das Haus abzubezahlen.
Das günstig erworbene Haus entpuppt sich allerdings als äußerst heruntergekommene Scheune, in die man noch jede Menge Arbeit stecken muss. Die älteste Tochter Beth ist schon mal grundgenervt: Wie soll man denn ohne Handyempfang mit seinen Freunden chatten? Ach und dann gibt es da noch dieses Fleckchen im Wald, das man unbedingt meiden sollte, weil dort seltsame Dinge vor sich gehen. So erzählen es zumindest die Ortsansässigen, die sich aber schon tierisch auf die Tomatensauce freuen. Die kleine Fran lässt sich davor aber nicht abhalten und entdeckt so den magischen Wunderweltenbaum. Darin leben solch phantasievolle Wesen wie die Fee (ohne Flügel) Seidenhaar (Nicola Coughlan), Frau Wasch (Jessica Gunning), der Pfannenmann (Dustin Demri-Burns) und ihr Anführer Mondgesicht (Nonso Anozie). Mit ihnen erlebt Fran märchenhafte Abenteuer, denn der Baum entpuppt sich als eine Art Tor, das jeden Tag den Zugang zu einer anderen Welt ermöglicht. Doch dann müssen sie plötzlich in der düsteren Welt der gefürchteten Schuldirektorin Madame Klaps (Rebecca Ferguson) notlanden. Derweil läuft auch zuhause auf dem Hof auch nicht alles nach Plan. Wird ihnen die Flucht gelingen? Werden sie es gemeinsam schaffen, den Hof zu retten und die Tomatensauce herzustellen?
„Die fünf Freunde“ oder „Hanni & Nanni“ kennt vermutlich jeder. Doch dass die britische Autorin Enid Blyton noch viel mehr geschrieben hat, dürfte nur wenigen bekannt sein. Auch ich hatte vom WUNDERWELTENBAUM zuvor noch nichts gehört – dabei wurde die Geschichte, von der es insgesamt vier Bände gibt, bereits 1939 erstmals veröffentlicht. Die Reihe begann mit den Büchern „Der Zauberwald“, gefolgt von „Der Wunderweltenbaum“, „Die Wesen vom Wunderweltenbaum“ und schließlich „Up the Faraway Tree“, das bis heute noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Die während des Zweiten Weltkriegs erschienenen Bücher erlaubten den unter Rationierung, Luftangriffen sowie der Abwesenheit von Vätern und Brüdern leidenden Kinder die Flucht in eine magische Welt voller Abenteuer, in der Mut und Freundlichkeit belohnt wurden.
Diese Geschichte haben Drehbuchautor Simon Farnaby und Regisseur Ben Gregor jetzt behutsam in die heutige Zeit portiert, ohne jedoch den magischen Charme einzubüßen. Klar, einige Teile der Handlung sind vielleicht ein wenig zu märchenhaft geraten, aber darüber kann man durchaus hinwegsehen. Auch die Botschaft, die Augen einmal mehr vom Handy abzuwenden und die Wunder der Natur zu erleben, ist sicherlich nicht verkehrt. Bemerkenswert ist zudem, dass DER WUNDERWELTENBAUM auch Themen wie „Female Empowerment“ streift, ohne dass dies aufgesetzt oder gar wie ein Fremdkörper wirkt. Im Gegenteil!
Auch die Optik kann sich mehr als sehen lassen, die Special Effects bewegen sich auf höchstem Niveau. Einige Welten wirken dann aber doch wieder allzu künstlich, was den Genuss ein wenig trübt. Und das eine oder andere Mal kommt DER WUNDERWELTENBAUM mit Klischees daher, die man besser aus dem Drehbuch hätte streichen sollen.
Am Ende bleibt aber trotzdem ein unterhaltsamer Film zurück – vor allem für die jungen Zuschauer. Und wenn uns der Film irgendwann in die harsche Realität entlässt, dann finden wir dort mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen WUNDERWELTENBAUM, aber die nächste leckere Tomatensauce ist bestimmt nicht allzu weit entfernt…
The Magic Faraway Tree (Großbritannien / USA 2026)
110 Minuten
Abenteuer / Familie / Fantasy
Ben Gregor
Simon Farnaby, basierend auf der Buchreihe „Wunderweltenbaum“ von Enid Blyton
Zac Nicholson
Andrew Garfield, Claire Foy, Delilah Bennett-Cardy, Billie Gadsdon, Phoenix Laroche, Nonso Anozie, Nicola Coughlan, Jessica Gunning, Jennifer Saunders, Rebecca Ferguson
Leonine Distribution GmbH