Kann man eine eigentlich auserzählte Geschichte noch weiterführen? Ja, wenn man es so macht wie David Frankel in DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2…
20 Jahre ist es her, dass sich die Wege von Miranda Priestly (Meryl Streep) und Andy Sachs (Anne Hathaway) getrennt haben. Jetzt führt das Schicksal die beiden wieder zusammen. Andy hat in der Zwischenzeit als investigative Journalistin gearbeitet und wird gerade auf einer Preisverleihung für ihre Arbeit ausgezeichnet, als sie nur Sekunden vor ihrer Dankesrede zusammen mit ihrer gesamten Redaktion per SMS gefeuert wird.
Kurz darauf erhält sie jedoch von Irv Ravitz (Tibor Feldman), dem Herausgeber des Runway Magazines, das Angebot, das Feature-Resort zu übernehmen. An ihrem ersten Tag muss sie allerdings erfahren, dass Miranda Priestly in diese Entscheidung überhaupt nicht eingebunden war. Entsprechend unterkühlt reagiert sie über das plötzliche Auftauchen von Andy in ihrem Büro. Doch es geht hier um so viel mehr als eine simple Rivalität, denn als Irv Ravitz tags darauf auf seiner Geburtstagsfeier plötzlich tot umfällt, übernimmt sein Sohn Jay (B.J. Novak) das Ruder und plant umgehend drastische Kürzungen. Wird es Miranda und Andy zusammen mit Nigel Kipling (Stanley Tucci) gelingen, das Ruder noch einmal herumzureißen?
Eigentlich sprachen Regisseur David Frankel und sein Team 2006 nach dem sensationellen Erfolg von DER TEUFEL TRÄGT PRADA direkt im Anschluss über eine Fortsetzung. Aber ihnen wurde immer wieder bewusst, dass die Figuren, die sich am Ende gerade erst in unterschiedliche Richtungen bewegt hatten, einen triftigen Grund brauchten, um wieder zusammenzukommen. Ohne diesen fühlte sich alles wie eine alleinstehende Geschichte an, die keiner von den Filmemachern drehen wollte.
Zwei Jahrzehnte später sieht das Ganze anders aus, schließlich bietet sich mit dem schleichenden Niedergang der Printmedien-Landschaft ein Aufhänger, der interessant genug für eine Geschichte drumherum ist. Und so entwickelt sich DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2 viel mehr in Richtung eines Journalismus-Films als in die eines Modefilms. Und genau das macht das Besondere dieses Films aus. Zwar kommen die bekannten Versatzstücke wieder zum Einsatz, wie das unterkühlte Verhältnis zwischen Meryl Streep und Anne Hathaway oder der immer noch für selbstverständlich genommene Nigel, den Stanley Tucci mit äußerst feinen Nuancen erneut zum Leben erweckt.
Auch für Emily Charlton (Emily Blunt), die ehemalige rechte Hand der Chefin, haben sich die Macher eine neue Position einfallen lassen, die nicht nur logisch erscheint, sondern die sie in der Zwischenzeit auch hat wachsen lassen. So ergeht es aber eigentlich allen Figuren, die entweder in den vergangenen Jahren eine Weiterentwicklung erfahren haben oder ihnen diese jetzt in DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2 zuteil wird.
Manche werden vielleicht die Bissigkeit des ersten Teils vermissen, die sich aus dem toxischen Verhältnis und dem Machtmissbrauchs heraus entwickelt hat. Mich hat das überhaupt nicht gestört, denn schließlich leben wir inzwischen in einer anderen Welt. Und zu erkennen, dass man vielleicht am selben Strang zieht, ist heutzutage wichtiger denn je. Außerdem wäre alles andere nur ein Aufguss der alten Geschichte – wer möchte das schon sehen…
Ein weiterer positiver Aspekt an DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2 ist zudem, dass sich der Film den heutigen Mechanismen der Branche widersetzt und herrlich altmodisch daherkommt. Das meine ich ausnahmslos positiv, denn der Film jagt eben nicht dem nächsten überdramatisierten Plottwist hinterher. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich nicht, dass der Film keine unerwarteten Wendungen hat – er stellt sie eben nur nicht in den Fokus, sondern konzentriert sich voll und ganz auf seine Figuren.
Neben all den vielen Prequels und Sequels ist DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2 der beste Beweis, dass man durchaus eine zufrieden stellende Fortführung drehen kann, wenn man sich die Zeit nimmt und nicht unter Erfolgsdruck schnell „irgendetwas“ abliefert. Wenn doch nur alle Fortsetzungen dieses Niveau erreichen würden…
The Devil Wears Prada 2 (USA 2026)
119 Minuten
Drama / Komödie
David Frankel
Aline Brosh McKenna
Florian Ballhaus
Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci, Kenneth Branagh, Simone Ashley, Justin Theroux, Lucy Liu, Patrick Brammall, Caleb Hearon, Helen J. Shen, Pauline Chalamet, B.J. Novak, Conrad Ricamora, Tracie Thoms, Tibor Feldman
Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH