In DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY wacht Ryan Gosling plötzlich verwirrt in einem Raumschiff aus dem Tiefschlaf auf und muss sich schnellstmöglich an seine Mission erinnern: nichts weniger als die Rettung der Erde…
Es ist ein unangenehmes Gefühl, das den Naturwissenschaftler Ryland Grace (Ryan Gosling) beschleicht. Gerade erst aus dem künstlichen Tiefschlaf erwacht, muss er feststellen, dass er sich auf einem Raumschiff befindet – viele Lichtjahre von der Erde entfernt. Doch wieso ist er hier? Was ist seine Mission?
Erst langsam kehren seine Erinnerungen zurück, die so nach und nach Licht ins Dunkel bringen, warum sich der Naturwissenschaftler, der normalerweise als Lehrer Kindern Wissen beibringt, auf dieser Mission befindet. Vor seiner Abreise wurde eine mysteriöse Substanz entdeckt, die der Sonne langsam ihre Energie raubt. Grace scheint als einziger Wissenschaftler eine Vermutung zu haben, warum nicht nur unsere, sondern nahezu alle Sonnen in unserem Sonnensystem davon betroffen sind. Allerdings gibt es einen Himmelskörper, der dagegen immun zu sein scheint. Also schickt die Projektleiterin Eva Stratt (Sandra Hüller) Grace und zwei weitere Wissenschaftler auf eine Mission dorthin. Unglücklicherweise ist Grace jedoch der einzig Überlebende. Völlig überraschend erhält er bei der Suche nach einer Lösung fremde Unterstützung – woraus sich eine Freundschaft entwickelt, die ihresgleichen sucht…
Gleich von vornherein ist klar: DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY möchte sich in die Reihe der ganz großen Science-Fiction-Blockbuster einreihen. Ob „Interstellar“, „Arrival“ oder „Der Marsianer“ – an vielen Stellen wird man unweigerlich an diese Meisterwerke erinnert. Sei es die Reise zu weit entfernten Planeten, der Erstkontakt zu einer außerirdischen Spezies oder das isolierte Überleben in einer fremden Umgebung – der Film nutzt all diese Versatzstücke und setzt sie so oder so ähnlich wieder (neu) zusammen. Das funktioniert größtenteils auch ziemlich gut, allerdings gibt es aus meiner Sicht zwei Kritikpunkte:
Zu allererst ist das die Zeit: Mit einer Lauflänge von stolzen 157 Minuten, also mehr als zweieinhalb Stunden, strapaziert DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY doch ziemlich arg unsere Sitzmuskulatur. Dabei braucht der Film diese Länge eigentlich gar nicht und hätte mit einer um 30 Minuten kürzeren Laufzeit mit Sicherheit denselben Impact. Aber zum Glück gibt es heute ja mehr und mehr Kinos mit extrem bequemen Sitzen, so dass dieser Faktor nicht mehr ganz so hart ins Gewicht fällt – im wahrsten Sinne des Wortes.
Zudem kann sich der Film irgendwie nicht so recht entscheiden, ob er denn nun wissenschaftsbasiertes Drama oder lustiges Buddy-Movie sein möchte. Klar können auch Drama und Komödie Hand in Hand gehen, das hat ja bereits „Der Marsianer“ von Ridley Scott bewiesen. Lustigerweise stammt dieser ebenfalls aus der Feder von Andy Weir. Aber in DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY hatte ich immer wieder das Gefühl, der ernste und der lustige Part würden wie Engelchen und Teufelchen einen durchgehenden Fight auf meinen Schultern ausführen, der letztendlich zu Lasten des Films geht.
Vielleicht ist der Eindruck aber auch entstanden, weil der wissenschaftliche Background immer nur kurz angerissen wird und man diesem nur schwer folgen kann. Wenn ich mir überlege, wie oft uns Matt Damon in „Der Marsianer“ die Kartoffelzucht oder den Umbau des Rovers zu einem überdimensionalen Funkgerät erklärt hat, dann steht das in einer harten Diskrepanz zu DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY.
Dass der Film trotzdem Spaß macht, ist natürlich Ryan Gosling zu verdanken, der die Figur des Rylance Grace auf seine ganz eigene Art und Weise mit Leben füllt. Und Sandra Hüller in einer großen Hollywoodproduktion zu sehen, ist durchaus beeindruckend, auch wenn ihre Rolle jetzt nicht allzu groß ausfällt.
Auch tricktechnisch schöpfen die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller (beide: „22, Jump Street“, „The Lego Movie“) aus dem Vollen. Die Special Effect sind auf aktuellem Stand und somit schlichtweg exzellent. Es scheint fast so, als hätten sich bei den beiden jede Menge kreative Ideen gestaut, schließlich sind sie seit zwölf Jahren nicht mehr als Regisseure in Erscheinung getreten.
Wer damit leben kann, dass der Freundschafts-Teil weitaus mehr im Fokus steht, als der Wissenschafts-Teil, dem dürfte DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY jede Menge Spaß bereiten. Dass alle anderen trotzdem nicht gelangweilt aus dem Kino kommen, ist ein gutes Zeichen dafür, dass die Filmemacher trotzdem einen guten Film abgeliefert haben.
Project Hail Mary (USA 2026)
157 Minuten
Abenteuer / Action / Science-Fiction
Phil Lord, Christopher Miller
Drew Goddard, Andy Weir
Greig Fraser
Ryan Gosling, Sandra Hüller, Lionel Boyce, Ken Leung, Milana Vayntrub
Sony Pictures Releasing GmbH