DJ Ahmet

19.03.2026

Das Langfilmdebüt des vielfach ausgezeichneten mazedonischen Regisseurs und Drehbuchautors Georgi M. Unkovski ist ein Glücksfall für das Publikum: In DJ AHMET erlebt ein 15-jähriger Schafhirte sein Coming-of-Age zu Technoklängen inmitten der nordmazedonischen Einöde. Rave-Schafe und die Liebe zu einem Mädchen inklusive.

Der Teenager Ahmet (Arif Jakup) hütet die Schafe seines Vaters (Aksel Mehmet), weil dieser sich um dessen jüngeren, stummen Bruder Naim (Agush Agushev) kümmern muss. Außerdem tuckert der Junge nebst einer selbstgebastelten Soundanlage mit dem Traktor durch die nordmazedonische Hügellandschaft. Elektronische Musik hat es ihm angetan, der Bass muss wummern! Als ihm die Schafe ausbüxen, folgt er ihnen bis zu einem Rave im Wald. Dort begegnet er auch der wunderschönen Aya (Dora Akan Zlatanova) wieder, die er zuvor schon bei der Feldarbeit erspäht hatte.

Zunächst hat Ahmet alle Mühe, die Schafe wieder einzufangen, die an der Technomusik scheinbar Gefallen gefunden haben. Eines fehlt, das macht seinen Vater wütend. Also muss Ahmet fortan draußen bei den Tieren schlafen. Und morgens bekommt er zum Wachwerden einen Eimer kaltes Wasser ins Gesicht geschüttet! Sein strenger Vater will auch die Musikanlage von DJ AHMET einkassieren. Immerhin kehrt das verlorene Schaf mit pinkem Fell vom Rave zurück. Doch die Farbe lässt sich nicht auswaschen…

Als ob das noch nicht genug ist, hat Ahmet auch noch ein Auge auf Aya geworfen, die auf Heimaturlaub aus dem fernen Deutschland ist – und bei den Nachbarn einzieht. Sie trägt zwar ein traditionelles Gewand, ist ansonsten aber eher modern unterwegs: Nicht nur, dass die beiden die Liebe zum Techno verbindet, nein, Aya probt auch TikTok-Tänze mit den Girls aus dem Dorf. Als DJ AHMET dank der Rave-Schafe viral geht, vernetzen sich die beiden auf Social Media. Dumm ist nur, dass Aya einen Anderen heiraten soll. Darauf hat sie aber so gar keinen Bock.

Der Filmemacher Georgi M. Unkovski, der 1988 in New York geboren wurde, seine Kindheit und Jugend aber in Mazedonien verbrachte, kennt beides: Das moderne Leben in einer Weltmetropole und die Dorfgemeinschaft auf dem Lande. In Nordmazedonien ist das nochmal ein Sonderfall: Wenn man sich den traditionellen und über mehrere Generationen etablierten Anforderungen der Yöruks an ein adäquates Gemeindemitglied anpasst, darf man sich auf ein idyllisches Landleben freuen – aber wehe wenn man von der obligatorischen Berufswahl als Hirte abweicht. Yöruk steht als ethnografischer Sammelbegriff für türkischstämmige Volksgruppen, die früher als Nomaden durch Anatolien und Südosteuropa wanderten und später im Westen der Türkei sowie auf dem Balkan sesshaft wurden.

DJ AHMET bringt das Dorfleben gehörig durcheinander. Nicht nur das Techno-Schaf sorgt für ordentlich Wirbel, er hilft auch dem Muezzin (Atila Klince) mit moderner Computertechnik. Ein Muezzin ist der muslimische Gebetsrufer, der fünfmal täglich die Gläubigen zu den rituellen Pflichtgebeten auffordert, indem er den Adhān (Gebetsruf) vom Minarett einer Moschee oder von einer anderen erhöhten Stelle aus dem ganzen Dorf verkündet. So ganz kapiert der Muezzin die Technik nicht, so dass das ein oder andere Mal der Sound vom Windows-Startbildschirm im ganzen Dorf erschallt. Wirklich witzig!

Ahmet muss jetzt noch das Herz von Aya erobern und deren Hochzeit verhindern. Ständig spürt er dabei den Druck seines Vaters im Rücken. Und die Dorfgemeinschaft möchte den Unruhestifter auch lieber zügeln. Doch DJ AHMET will seine Leidenschaften ausleben und aus der Enge der Provinz ausbrechen. Zumindest sein stummer Bruder steht ihm bei. Aber warum redet der eigentlich nicht? Die Arztbesuche mit dem Vater zeigen zumindest keinerlei Wirkung.

Die Musik scheint ein Ausweg zu sein, wie auch Georgi M. Unkovski feststellt:

Musik ist ein Portal. Es versetzt Dich ohne Vorwarnung in eine andere Welt. Musik hält Dich am Leben und sorgt dafür, dass Du am Ball bleibst, obwohl Du manchmal einfach verschwinden möchtest. Ahmet nutzt die Musik, wie andere ihre Gebete oder Rebellion. Das ist etwas, das ich sehr gut nachvollziehen kann. Manchmal sind die Kopfhörer der einzige Ausweg. Manchmal ist Musik dein einziger Freund, der die Version deiner selbst versteht, die du selbst noch nicht kennst.

Und zur elektronischen Musik in DJ AHMET ergänzt der Regisseur:

Ich habe schon immer eine große Faszination für elektronische Musik, weil sie in gewisser Weise gleichermaßen mechanisch wie spirituell ist. Für den Film wollten wir moderne Klänge, die sich anfühlen als wären sie die Geister alter Rhythmen. Die Komponisten Alen und Nenad Sinkauz haben einen großartigen Job gemacht und genau diese Stimmung eingefangen.

Naum Doksevski, einer von Mazedoniens versiertesten Kameraleuten, fängt die authentische, aber nie klischeehafte Story von DJ AHMET in tollen Bildern ein, die mal in warmen Farben das traditionelle Leben zeigen, aber die auch den Einzug der Moderne beim Rave im neonfarbenen Nachtambiente stilecht widerspiegeln. Und das junge Liebespaar wird von Arif Jakup und Dora Akan Zlatanova herzallerliebst verkörpert. Georgi M. Unkovskis Langfilmdebüt ist unprätentiös und macht wirklich Spaß!

Diese erfrischend lebensechte Coming-of-Age-Geschichte feierte seine Weltpremiere auf dem Sundance Film Festival und gewann dort den Publikumspreis und den „Special Jury Award for Creative Vision“. Weitere Preise folgten auf dem Seattle International Film Festival, dem Seville European Film Festival und dem Braunschweig International Film Festival, wo DJ AHMET den Jurypreis als Bester Film sowie den Publikumspreis gewann. Lasst euch diesen kleinen, feinen Film bitte nicht entgehen!

Trailer

ab12

Originaltitel

DJ Ahmet (Tschechien / Serbien / Nordmazedonien / Ungarn 2025)

Länge

99 Minuten

Genre

Drama / Komödie

Regie

Georgi M. Unkovski

Drehbuch

Georgi M. Unkovski

Kamera / Bildgestaltung

Naum Doksevski

Darsteller

Arif Jakup, Dora Akan Zlatanova, Agush Agushev, Aksel Mehmet, Atila Klince, Selpin Kerim, Metin Ibrahim

Verleih

Neue Visionen Filmverleih GmbH

Filmwebsite

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