Frost ohne Schnee und Eis

17.09.2026

Statistiken zum Klimawandel berühren uns meist nur flüchtig. Doch was passiert, wenn die Krise für uns ein Gesicht bekommt? Dieser Frage geht der Naturfilmer Asgeir Helgestad in einer eindringlichen Doku FROST OHNE SCHNEE UND EIS nach

Schon lange beschäftigt sich der Naturfilmer Asgeir Helgestad mit der rauen Wildnis arktischer Lebensräume. Vor elf Jahren begegnete er einer Eisbärin, die er auf den Namen „Frost“ taufte. Was anfangs als rein fotografisches Projekt begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer Langzeitstudie, bei der der Regisseur sieben von Frosts Jungen aufwachsen sah. Immer wieder zieht es ihn in die weite Natur Spitzbergens, um zu sehen, wie es Frost und ihrem Nachwuchs ergangen ist.

FROST OHNE SCHNEE UND EIS nutzt diesen sehr persönlichen Zugang als erzählerischen Anker. Wir erleben die Eisbärin Frost nicht nur als Anschauungsobjekt, sondern als Individuum, das sich an eine sich verändernde Landschaft anpassen muss. Denn wo früher meterdickes Packeis und majestätische Schneelandschaften das Bild prägten, dominieren im Sommer zunehmend nackte Felsen, Geröll und Schlamm.

Helgestads Kamera fängt die Schönheit Spitzbergens in eindrucksvollen Bildern ein, zeigt uns aber auch die schmerzhaften Seiten, etwa wenn die Eisbären gezwungen sind, ihrer üblichen Jagdflächen beraubt, bis zur Erschöpfung im Schlick nach Nahrung suchen. Dabei muss der Regisseur uns den Klimawandel nicht in all seinen wissenschaftlichen Details erklären – das haben bereits etliche vor ihm getan.

Daher ist FROST OHNE SCHNEE UND EIS auch eher ein Begleitwerk zu den Folgen der ökologischen Krise, das uns auf ergreifende Art zeigt, dass die Eisbären in Ermangelung der üblichen Jagdgebiete immer mehr in vom Menschen besiedelte Gebiete eindringen. So schwindet mit dem ökologischen Wandel auch die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation. Der Film beleuchtet diesen Konflikt sehr differenziert und zeigt die Bären im Spannungsfeld zwischen Bewunderung und der Gefahr, die durch die Nähe entsteht. Dabei stellt Asgeir Helgestad auch die unbequeme Frage, ob wir Menschen überhaupt das Recht haben, diese letzten unberührten Ecken der Erde für uns zu beanspruchen.

FROST OHNE SCHNEE UND EIS ist dadurch weniger eine naturwissenschaftliche Doku über den Klimawandel, als vielmehr eine Art Liebesbrief an die Arktis – verbunden mit einer Warnung vor den Folgen unseres Handelns. Denn durch die Fokussierung auf eine einzige Eisbärenfamilie gelingt es dem Film, die abstrakte Klimakrise spürbar und vor allem greifbar zu machen. Zusammen mit den visuell berauschenden Bildern macht dies FROST OHNE SCHNEE UND EIS zu einem nachdrücklich sehenswerten Film, der seine vollständige Kraft besonders auf der großen Leinwand entfaltet.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab6

Originaltitel

Frost Without Snow and Ice (Norwegen / Deutschland 2026)

Länge

98 Minuten

Genre

Dokumentation

Regie

Asgeir Helgestad

Drehbuch

Asgeir Helgestad

Kamera / Bildgestaltung

Asgeir Helgestad

Verleih

Filmwelt Verleihagentur GmbH

Filmwebsite

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