Mit nur vier Figuren entfaltet Olivia Wilde in ihrer dritten Regiearbeit ein spannungsgeladenes Kammerspiel. Visuell raffiniert inszeniert, leidet THE INVITE allerdings unter einem Sounddesign, das seine Dialoge immer wieder übertönt.
Seit 15 Jahren sind Angela (Olivia Wilde) und Joe (Seth Rogen) bereits verheiratet, da ist es wenig verwunderlich, dass ihre Beziehung ein wenig eingeschlafen ist. Gemeinsame Abendessen mit anderen Paaren gab es schon lange nicht mehr, daher ist Joe umso überraschter, als Angela ihm eröffnet, sie habe die neuen Nachbarn Pina (Penelope Cruz) und Hawk (Edward Norton), die gerade erst über ihnen eingezogen sind, zum Dinner eingeladen. Dass das Zusammentreffen bereits in wenigen Stunden vonstatten gehen soll, macht die Sache für Joe nicht einfacher, hatte er sich doch auf einen entspannten Abend zu zweit gefreut.
Doch für eine Absage ist es inzwischen zu spät, also gibt Joe mürrisch klein bei. Während der Abend zunächst mit Smalltalk über Käse, Wein und Inneneinrichtung relativ normal beginnt, wird irgendwann klar, dass die Gäste ihren Gastgebern etwas mehr Sympathie entgegenbringen, als die kühlen Begegnungen im Fahrstuhl bislang vermuten ließen. Und so entwickelt sich der Abend zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle, wobei nicht klar ist, wer hier mit wem spielt und wer am Ende die Kontrolle verlieren wird…
Mit THE INVITE legt Schauspielerin und Regisseurin Olivia Wilde bereits ihre dritte Regiearbeit vor. Nach „Booksmart“ und „Don‘t Worry Darling“ widmet sie sich diesmal dem intimen Kammerspiel – und das ist in diesem Fall durchaus doppeldeutig zu verstehen. Mehr verrate ich an dieser Stelle jedoch nicht, denn diesen Film sollte man nach Möglichkeit blind sehen, wobei die o.a. Inhaltsangabe bewusst nicht zu viel verrät.
Filme über Paare, die in einer beengten Umgebung zum Reden zusammenkommen, nur um die Situation irgendwann eskalieren zu lassen, gibt es in der Filmgeschichte zu Genüge. Ob „Der Gott des Gemetzels“ (2011), „Der Vorname“ (2012) oder „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ (1966): Wie diese Vorbilder nutzt auch THE INVITE die intime Wohnsituation als Bühne für eskalierende Beziehungsdynamiken. THE INVITE ist sogar ein doppeltes Remake, denn Wildes Film basiert auf dem spanischen Film „Sentimental“ (2020) von Cesc Gay. Genau diesen Stoff hatte auch schon die Schweizer Regisseurin Sabine Boss in „Die Nachbarn von oben“ (2023) adaptiert.
Zum Glück liefert Wilde keine 1:1-Umsetzung ab, sondern weicht vor allem in der Inszenierung deutlich vom spanischen Original ab. Während in „Sentimental“ die Kamera im klassischen Schuss-Gegenschuss als passiver Beobachter fungiert, bricht die Kameraarbeit von Adam Newport-Berra in THE INVITE die theaterhafte Enge gekonnt auf. Immer wieder nutzt er die Tiefe des Raums und das Bild-im-Bild-Prinzip, indem er die Figuren durch Türrahmen, Fenster oder Spiegel isoliert und so ihr emotionales Gefängnis visuell verdeutlicht.
THE INVITE wurde sogar auf 35-mm-Film gedreht, was den körnigen Look erklärt. Wilde wollte damit bewusst an die Filme anknüpfen, die sie zu THE INVITE inspiriert haben. Außerdem wirkt digitales Material in einer geschlossenen Umgebung wie einer Wohnung oftmals zu klinisch, zu flach und zu kalt.
So ambitioniert Wildes filmische Aufwertung des Kammerspiels auf visueller Ebene ist, so sehr stolpert die Inszenierung über ihr eigenes Sounddesign. Olivia Wilde ist hier gewissermaßen ein Opfer ihrer eigenen Ambitionen geworden. Der Komponist Devonté Hynes (a.k.a. „Blood Orange“) ist bekannt für seine warmen, analogen Synthesizer, tiefen Bässe und melancholischen R&B-Strukturen. Das führt jedoch in einem Kammerspiel zu einem Problem, denn diese Soundteppiche belegen genau dieselben mittleren und tiefen Frequenzbereiche wie die menschliche Stimme. Wilde hat sich dazu entschieden, über den Sound die aufkommenden Konflikte abzubilden. Dadurch gehen nicht nur einzelne Worte unter; auch die Spannung der Szenen verliert an Präzision. Besonders in einer in Dolby Atmos abgemischten Tonspur wird das dann leider besonders deutlich. In ihrem Bestreben, das Theaterstück filmisch aufzuwerten, hat sie die wichtigste Waffe des Kammerspiels beschädigt: klare und verständliche Dialoge.
Trotz dieses ärgerlichen Makels bleibt THE INVITE ein überzeugend inszeniertes, hervorragend gespieltes Kammerspiel, dessen emotionaler Nachhall länger anhält als sein störender Soundtrack.
The Invite (USA 2026)
107 Minuten
Komödie
Olivia Wilde
Will McCormack, Rashida Jones
Adam Newport-Berra
Penélope Cruz, Edward Norton, Seth Rogen, Olivia Wilde
Tobis Film GmbH & Co. KG