Bitteres Fest

30.07.2026


Pedro Almodóvar blickt in BITTERES FEST wieder einmal auf das eigene Schaffen zurück – diesmal besonders verschachtelt, selbstironisch und voller filmischer Metaebenen. Doch reicht seine stilistische Extraklasse aus, um uns auch hier zu überzeugen?

Lieber Pedro Almodóvar, lass es mal langsam gut sein mit dem Thema „Selbstreflexion“. Nach „Zerrissene Umarmungen“ (2009) und „Leid und Herrlichkeit“ (2019) steht auch in BITTERES FEST ein Filmregisseur in der Schaffenskrise im Mittelpunkt. Diese etwas kopflastige Verzahnung von Realität und Fiktion auf mehreren Ebenen ist bereits der 24. Kinospielfilm des spanischen Ausnahmeregisseurs.

Das Thema ist durch!

Eigentlich sind es in BITTERES FEST gleich zwei Regisseur:innen: Elsa (Bárbara Lennie) und Raúl (Leonardo Sbaraglia) – beide als Alter Egos von Pedro Almodóvar.

2004: Elsa hatte vor zehn Jahren zwei Spielfilme gedreht – damals Flops, inzwischen Kultfilme für die wenigen Fans. Jetzt verdient sie mit Werbung viel Geld und lebt glücklich mit dem Feuerwehrmann und Freizeit-Stripper Bonifacio (Patrick Criado) zusammen. Doch nach dem Tod ihrer Mutter stürzt sie sich verzweifelt in ihre Arbeit und will unbedingt noch einen Film drehen. Nach einer Panikattacke reist sie mit ihrer Freundin Patricia (Vicky Luengo) und deren Tochter nach Lanzarote, um dort zur Ruhe zu kommen und Drehbuchideen zu sammeln.

Schnitt. 2026: Raúl sitzt an seinem Laptop und schreibt an seinem Drehbuch mit dem Titel „Bitteres Fest“. Hauptperson ist die Werbefilmerin Elsa, die auf Lanzarote über den Tod ihrer Mutter hinwegkommen will. Aha! Das bisher Gesehene war also ein Film im Film!

Der schwule Raúl lebt mit Santi (Quim Gutiérrez) zusammen und wird von seiner energischen Assistentin Natalia (Milena Smit) unterstützt. Die wirft ihm aber vor, dass er in seinem Drehbuch seine engsten Freunde und Bekannten auf das Schändlichste ausbeutet, und verlangt einen anderen Schluss.

Durch die vielen Brechungen und Metaebenen läuft sich der Film, den wir im Kino sehen, irgendwann fest – und wir fragen uns: Ist das am Ende alles nur L’art pour L’art?

In der letzten Viertelstunde erlaubt sich Pedro Almodóvar einen Mega-Gag. Denn Raúl nimmt uns Filmkritiker:innen die Arbeit ab und erklärt in allen Einzelheiten seinen eigenen Film mit all seinen Ebenen. Und kommt zu dem Ergebnis: Wahrscheinlich wird „Bitteres Fest“ nicht sein bester Film. Doch er tröstet sich: Bergman und Fellini haben auch nicht nur Meisterwerke abgeliefert.

Die Musik mit ihren eingestreuten melancholischen Liedern spielt eine große Rolle, und die grelle Farbgebung ist wieder Almodóvar-Extraklasse. Bei der Ausstattung überrascht uns der Regisseur in den 2004-Episoden mit den unterschiedlichsten Handy-Modellen. Das ist Nostalgie pur!

Wahrscheinlich hat Raúl ja recht: BITTERES FEST ist kein Meisterwerk! Hier zeigt Pedro Almodóvar viel Selbstironie. Immerhin!

Trailer

ab12

Originaltitel

Amarga Navidad (Spanien 2026)

Länge

112 Minuten

Genre

Tragikomödie

Regie

Pedro Almodóvar

Drehbuch

Pedro Almodóvar

Kamera / Bildgestaltung

Pau Esteve Birba

Darsteller

Barbara Lennie, Leonardo Sbaraglia, Aitana Sánchez Gijón, Victoria Luengo, Patrick Criado, Milena Smit, Quim Gutiérrez, Rossy de Palma, Carmen Machi, Gloria Muñoz

Verleih

Studiocanal GmbH

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