„Edgar Wright hat bislang noch keinen schlechten Film gemacht“, sagte ein geschätzter Kollege noch kurz vor der Pressevorführung. Und genau diese Aussage sollte auch am Ende von THE RUNNING MAN noch Bestand haben.
Wieder einmal hat Ben Richards (Glen Powell) aufgrund seines aufbrausenden Temperaments seinen Job verloren. Als keine Entschuldigung mehr genügt, entscheidet sich Richards, einen anderen Weg zu gehen, um sich die notwendigen Medikamente für seine kranke Tochter leisten zu können. In dieser nicht allzu fernen Zukunft sind TV-Shows nämlich zu einem neuen Einkommensquelle geworden, wobei „The Running Man“ die Sendung mit den höchsten Einschaltquoten ist – aber auch die tödlichste. Die Teilnehmer, auch „Runner“ genannt, müssen 30 Tage auf der Flucht überleben, immer gejagt von einem Team von Profikillern. Und jeder Zuschauer, der einen Hinweis auf den Aufenthaltsort der Flüchtigen liefert, erhält eine saftige Belohnung. Ein tödliches Spiel, das selbst Richards zu riskant ist – doch die Produzenten der Show haben ihre eigenen Pläne. Kurzerhand befindet sich Richards mitten in der Show und kämpft fortan um sein Überleben. Wird er der erste sein, der dieses perfide Spiel überlebt? Dazu muss er die fiesen Tricks der Show durchschauen und lernen, sie gegen den Produzenten Dan Killian (Josh Brolin) und sein Team zu verwenden…
„The Running Man“ (1987) ist ein Klassiker der 1980er-Jahre, bei dem man sich fragt, ob ein Remake selbst nach knapp 40 Jahren überhaupt sinnvoll ist. Denn wenn man sich andere Klassiker dieser Zeit ansieht, wie beispielsweise „Total Recall“ oder „Robocop“, so sind die entsprechenden Neuauflagen mal mehr und mal weniger gefloppt. Doch wenn Edgar Wright („Shaun Of the Dead“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“, „Baby Driver“) am Steuer sitzt, dann deutet das meist auf etwas Großes hin. Auch im Fall von THE RUNNING MAN sollte sich das wieder einmal bewahrheiten.
Wright hat sich die Geschichte, die auf einem Roman von Stephen King basiert, vollkommen zu seinem Eigen gemacht, sie clever modernisiert und mit einem unfassbar starken Setting, eindrucksvollen Darsteller:innen und einer sensationellen Kamera neu inszeniert. Der Regisseur war selbst überrascht, wie lose die Verfilmung mit Arnold Schwarzenegger auf Stephen Kings Roman aufbaut. Daher war es dem Regisseur immer wichtig, sich mit THE RUNNING MAN viel enger an der Originalgeschichte zu halten.
Doch damit nicht genug: Wright nutzt THE RUNNING MAN als Gesellschaftskritik, indem er Themen wie die Manipulation der Medien (hier durch den mächtigen Konzern „The Network“) aufgreift und den Zuschauern vor Augen führt, wie schnell sich die öffentliche Wahrnehmung dadurch verändert. Aber auch mit der Einbindung einer Reality-TV-Sendung, die stark an unsägliche Formate wie die der Kardashian-Familie erinnert, unterstreicht der Regisseur sein Statement, nicht immer alles sofort zu glauben, was man im Internet findet.
Mit der Besetzung der Hauptrolle ist Wright zudem ein besonderer Coup gelungen. Durch „Wo die Lüge hinfällt“, „A Killer Romance“ oder „Twisters“ konnte Glen Powell bereits seine Vielfältigkeit unter Beweis stellen, doch in THE RUNNING MAN legt der in Texas geborene Schauspieler noch einmal eine Spur zu. Mit einem deutlich sichtbaren Sixpack legt Powell alles in die nahezu unkontrollierbare Wut seiner Figur. Wie die Lava eines Vulkans Sekunden vor dem Ausbruch steht Powell ständig unter Strom und lässt uns Zuschauern bangen, ob gleich die impulsive oder die rationale Seite seiner Figur die Oberhand gewinnt. Das ist mehr als beeindruckend.
Aber auch wenn THE RUNNING MAN ständig das Spannungslevel aufrecht erhält, gönnt uns Edgar Wright immer mal wieder eine kurze Atempause. Doch jedes Mal, wenn man sich auf der sicheren Seite wähnt, bricht irgendwo um die Ecke die Hölle los. Das liegt vor allem an der starken Kameraarbeit von Chung-hoon Chung, der regelmässig mit Park Chan-wook arbeitet und mit Wright bereits „Last Night in Soho“ umgesetzt hat. Wie er die Kamera durch die Handlung tanzen lässt, ist schier atemberaubend und nicht von dieser Welt.
Wieder einmal hat Edgar Wright massiv abgeliefert, aber THE RUNNING MAN steckt so voller kleiner Details, dass man mit nur einer einzigen Sichtung gar nicht alles erfassen kann. Genau so sieht gute Blockbuster-Kino aus. Chapeau.
The Running Man (USA 2025)
134 Minuten
Action / Science-Fiction / Thriller
Edgar Wright
Michael Bacall, Michael Bacall, Edgar Wright, basierend auf dem Roman von Stephen King
Chung-hoon Chung
Glen Powell, William H. Macy, Lee Pace, Michael Cera, Emilia Jones, Daniel Ezra, Jayme Lawson, Sean Hayes, Katy O’Brian, Colman Domingo, Josh Brolin
Paramount Pictures Germany GmbH