Ron läuft schief

Kinostart: 28.10.2021

ab6 OT: Ron's Gone Wrong (USA 2021)
Länge: 107 Minuten
Genre: Animation / Familie / Abenteuer
Regie: Sarah Smith, Jean-Philippe (JP) Vine
Drehbuch: Peter Baynham, Sarah Smith
Darsteller: Originalstimmen: Jack Dylan Grazer, Zach Galifianakis, Ed Helms, Olivia Colman, Rob Delaney
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

RON LÄUFT SCHIEF ist der erste Film der 2014 gegründeten Studios Locksmith Animation. Dass der Film überhaupt noch in die Kinos kommt, gleicht beinahe einem kleinen Wunder. Er ist aber auch einfach zu gut, um unter den Teppich gekehrt zu werden. 

Vor sieben Jahren gründete die britische Regisseurin und Drehbuchautorin Sarah Smith zusammen mit Julie Lockhart, die zuvor bei Aardman tätig war, das Studio Locksmith Animation. 2016 schloss man einen Deal mit Paramount, der die Filme unter dem „Paramount Animation“ herausbringen sollte. Ein Jahr später löste man den Deal jedoch auf, als der Paramount-CEO wechselte. Es folgte ein Deal mit 20th Century Fox mit der Option, alle 12-16 Monate einen Film unter dem Label „20th Century Fox Animation“ herauszubringen. Der erste Film dieser Partnerschaft hätte RON LÄUFT SCHIEF sein sollen. Doch wir alle wissen, dass Fox von Disney übernommen wurde und selbst erfolgreiche Trickfilmschmieden wie die Blue Sky Studios inzwischen geschlossen wurden. Mittlerweile hat Locksmith Animation einen neuen Deal mit Warner Bros. geschlossen, die alle weiteren Filme heraus bringen werden. RON LÄUFT SCHIEF bleibt also der einzige Film, der bei Disney erscheinen wird.

Barney Pudowski ist ein kleiner, aber recht unbeholfener Siebtklässler der Nonsuch Middle School. Es fällt ihm sichtlich schwer, Freunde zu finden – vor allem, weil ihm eines fehlt: ein B*Bot. Dabei handelt es sich um ein laufendes, sprechendes und digital vernetztes Gerät, das laut Werbeversprechen „dein bester Freund“ ist. Das Gerät kümmert sich völlig eigenständig darum, Freunde zu finden, mit denen man möglichst viele Eigenschaften oder Vorlieben teilt. 

Irgendwann merkt sein liebevoller, aber zerstreuter Vater jedoch, das Barney ohne B*Bot unglücklich ist. Also besorgt er ihm kurzerhand einen solchen. Doch schnell merkt Barney, dass mit seinem „Ron“ etwas nicht stimmt. Er weiß absolut nichts über seinen Besitzer, er hat keinen Zugang zum B*Bot-Netzwerk, und auch sonst ist er recht eigenartig. Aber im Gegensatz zu allen andere B*Bots ist Ron unendlich neugierig, zutiefst loyal und fest entschlossen, Barney zu helfen – auch wenn dabei so manches Mal einiges schief läuft. 

Es gibt allerdings auch Menschen, denen ein defekter B*Bot ein Dorn im Auge ist. So wie Andrew Morris, der CEO Technologieunternehmens Bubble, das die B*Bots vertreibt. Er setzt alles in Bewegung, den „schiefen“ Ron einzufangen. Aber Barney ist entschlossen, dafür zu sorgen, dass Ron „falsch“ bleibt. Gemeinsam mit seinen Klassenkameraden plant er daher, Ron bei seiner Flucht zu helfen. „Falsch“ kann manchmal eben auch richtig sein.

Mit ihrem Film macht Locksmith verdammt viel richtig. Die Animationen sehen toll aus, und die Geschichte ist voller Liebe und Herzblut. Gerade die Anspielungen auf die sozialen Medien unserer Zeit treffen punktgenau ins Schwarze und führen uns vor Augen, wie abhängig wir inzwischen davon sind. Aber auch das Thema „Freundschaft“ wird hier grundlegend hinterfragt. Möchten uns die sozialen Netzwerke immer gerne suggerieren, dass es wichtig sei, uns mit Menschen zu befreunden, die die gleichen Ansichten teilen, dieselben Hobbys haben und auch sonst jede Menge Gemeinsamkeiten aufweisen. Aber in der Realität können Freundschaften oft chaotisch und verwirrend sein. Das macht sie jedoch nicht minder interessant. Diese Lektion, gerade für die kleineren Zuschauer, ist meines Erachtens immens wichtig. 

Auch wenn RON LÄUFT SCHIEF im Laufe des Films ein wenig den Fokus verliert, bleibt er doch ein verdammt liebenswerter Animationsfilm, in dem für alle Generationen etwas zu finden ist. Ein kleines Meisterwerk das Lust macht auf viele weitere Locksmith-Produktionen. 

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