Im herzerwärmenden RENTAL FAMILY von Hikari zeigt Brendan Fraser einmal mehr, warum er seinen zweiten filmischen Frühling so sehr verdient hat.
Einst ist Phillip Vandarpleog (Brendan Fraser) nach Tokio gezogen, um dort in einem Zahnpasta-Werbespot mitzuwirken. Die erhoffte Schauspielkarriere blieb jedoch aus und so hält er sich mit kleinen Rollen über Wasser, so wie der eines „trauernden Bruders“ auf einer Beerdigung. Phillip weiß nicht so recht, wie er sich verhalten soll und ist umso überraschter, als der Tote plötzlich aus dem Sarg steigt und sich bei allen Anwesenden bedankt.
Es stellt sich heraus, dass dieser Auftrag von einer Agentur namens RENTAL FAMILY kommt, bei der sich zahlungskräftige Kund*innen Schauspieler*innen mieten können, wenn beispielsweise Verwandte bei Feierlichkeiten nicht anwesend sein können. Oder wenn es alleinerziehenden Müttern schwierig fällt, ihrem Kind den wahren Vater zu präsentieren.
Anfangs ist Phillip wenig begeistert von dieser Art Job, letztendlich gewinnt seine Neugierde jedoch Oberhand und er nimmt die ersten Jobs von Agentur-Chef Shinji Taga (Takehiro Hira, „Shōgun“) an. Langsam erkennt er, dass er auf diese Art und Weise den Menschen, denen er begegnet, eine Freude bereiten kann. Der sonst so verschlossene und melancholische Phillip blüht mehr und mehr auf und erkennt in seinem Job so etwas wie den Sinn des Lebens. Immer mehr engagiert er sich in seinen Aufgaben, bis irgendwann die Grenze zwischen Job und Realität schwindet…
Ich glaube, dass das Kino die Welt zu einem besseren Ort machen kann. Es ermöglicht uns, anderen mit Empathie zu begegnen, schafft Raum für Gespräche und lässt uns Seiten an uns selbst entdecken, von denen wir nicht wussten, dass sie existieren. Wenn wir uns darauf einlassen, lösen sich Mauern auf und die Menschlichkeit kommt zum Vorschein.
Hikari
Mit diesem Zitat beschreibt die Drehbuchautorin und Regisseurin Hikari ziemlich genau, wie sie das Thema Film versteht: Es geht nicht immer um ein „größer, schneller, weiter“, sondern um die kleinen Zwischentöne, die unser Leben erst menschlich machen. Aus diesem Grund verzichtet sie in RENTAL FAMILY auf große Wendungen oder explosive Überraschungen und legt den Blick bewusst auf die kleinen Gesten wie Blicke, Körperhaltung oder das, was eine Figur vielleicht gerade nicht macht. Gerade diese zurückhaltende Beobachtung macht den Film so besonders.
Mit Brendan Fraser ist Hikari zudem ein Glücksgriff gelungen. Einst durch Action-Filme wie „Die Mumie“ bekannt geworden, wurde es ruhig um ihn, als die Produzenten glaubten, man würde ihm die Action-Rollen nicht mehr abnehmen. Erst mit „The Whale“ konnte Fraser zeigen, wie viel mehr noch in ihm steckt. Wenn man sich seine Dankesreden anschaut, nachdem er für seine Darstellung mit Preisen überhäuft wurde, dann sieht man einen zutiefst dankbaren Menschen, der diese zweite Chance wirklich zu schätzen weiss.
Auch in RENTAL FAMILY darf Brendan Fraser wieder die gesamte Bandbreite seines Könnens zeigen. Und wir können an seinen Blicken, seinen Gesten und seinem Lächeln sehen, wie ein in sich zurückgezogener Mensch langsam aber sicher die Tür nach draußen findet. Und wie er erkennt, was er diesen eigentlich wildfremden Menschen geben kann.
Klar, RENTAL FAMILY ist vielleicht nicht sonderlich realistisch, da es eigentlich keine bösen Menschen in dieser Welt gibt, aber das ist wirklich nur nebensächlich. Vielmehr zeigt uns Hikari eine Gesellschaft, in der Empathie und menschliche Zuwendung wieder einen Stellenwert gewinnen. Und bei all dem Hass und der Missgunst, die immer mehr um sich greift, ist das durchaus ein erstrebenswertes Ziel.
Wer also sein Herz öffnet, egal wie kitschig das auch klingen mag, der darf in den knapp zwei Stunden jede Menge fühlen. Ich habe den Kinosaal sehr beseelt und glücklich verlassen, und so ist RENTAL FAMILY letztendlich der einzige Film gewesen, den ich beim Filmfest Hamburg gleich noch ein zweites Mal angesehen habe – und wieder genauso abgeholt wurde.
Rental Family (USA / Japan 2025)
110 Minuten
Drama / Komödie
Hikari
Hikari, Stephen Blahut
Takurô Ishizaka
Brendan Fraser, Takehiro Hira, Mari Yamamoto, Akira Emoto, Shannon Gorman
Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH